Zum Frauentag – Bilanz der BA zur Arbeitsmarktsituation von Frauen

Anlässlich des Internationaler Frauentages am 8. März zogen  Sachsen-Anhalts Ministerin für Justiz und Gleichstellung, Dr. Angela Kolb, und der Chef der BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, Kay Senius, in Halle eine Bilanz der Arbeitsmarktsituation von Frauen. Die wichtigsten Erkenntnisse: Vollzeitjobs rückläufig – Teilzeit nimmt zu, Frauen sind länger arbeitslos als Männer und die Schieflage bei der Bezahlung bleibt.

Das sagt die BA Sachsen-Anhalt dazu:

Sachsen-Anhalt liegt beim Anteil der Frauen an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit 49,6 Prozent über dem Bundesschnitt von 46 Prozent. Die Teilzeitbeschäftigung ist aber generell auf hohem Niveau. Ein Drittel der beschäftigten Frauen in Sachsen-Anhalt arbeitet in Teilzeit, bei den Männern sind es nur knapp sieben Prozent. Im Jahr 2001 arbeiteten nur 22 Prozent der beschäftigten Frauen in Teilzeit.
Dabei würde über die Hälfte der teilzeitbeschäftigten Frauen in Ostdeutschland lieber in Vollzeit arbeiten, im Westen sind es nur 13 Prozent. „Viele Frauen in Sachsen-Anhalt wollen eine Vollzeitstelle, ihnen fehlt aber oft eine Alternative. Wir müssen aber die Vollzeitbeschäftigung von Frauen fördern, um Fachkräftebedarfe zu decken,“ sagte Kay Senius.
„Wir haben insbesondere bei der Kinderbetreuung gute Rahmenbedingungen für berufstätige Frauen, von echter Chancengleichheit sind wir aber noch ein gutes Stück entfernt“, so Senius. MinisterinKolb verwies darauf, dass sich bei Frauen aufgrund ihrer Doppelbelastung bei der Kindererziehung und Berufstätigkeit wesentlich häufiger Brüche in der Erwerbsbiographie finden als bei Männern: „Das hat unmittelbare Auswirkung. Frauen sind bei Karrierewegen und Entlohnung nach wie vor benachteiligt. Deshalb sind sie auch viel stärker von Altersarmut bedroht als Männer.“

Die Arbeitslosenquote bei den Frauen sank in Sachsen-Anhalt in den vergangenen Jahren und glich sich an die von Männern an. Im Jahr 2001 lag die Quote bei 21,4 Prozent und damit volle drei Prozentpunkte über der von Männern. Im Jahr 2012 waren durchschnittlich 11,3 Prozent der Frauen arbeitslos – 0,4 Prozentpunkte weniger als bei Männern.
Trotzdem sind Frauen länger arbeitslos: Während arbeitslose Männer im Schnitt 353 Tage ohne Job bleiben, beträgt die durchschnittliche Dauer bei Frauen 476 Tage.
Die Schieflage bei der Bezahlung bleibt, Frauen in Sachsen-Anhalt verdienen im Schnitt weniger Geld als Männer. In der Einkommensgruppe bis 1.000 Euro brutto sind Frauen mit knapp 70 Prozent vertreten, bei Einkommen über 3.000 Euro dagegen nur zu 43 Prozent. Ein Grund: Frauen arbeiten häufiger in schlechter bezahlten Dienstleistungsberufen.
Auch beim Vergleich der Vergütung von vollzeitbeschäftigten Frauen und Männern in den gleichen Berufsgruppen schneiden Frauen schlechter ab. Die Unterschiede beim Bruttoverdienst reichen von 400 Euro bei Technikern und Bürofachkräften bis zu rund 600 Euro bei Bankfachleuten. Die einzigen Ausnahmen: Krankenschwestern und Hebammen verdienen knapp 120 Euro mehr als ihre männlichen Kollegen.
„Erziehungszeiten führen zu Brüchen in Erwerbsbiographien von Frauen. Sie machen weniger schnell Karriere, müssen sich immer wieder in den Job hinein kämpfen, während die Männer auch gehaltstechnisch davon ziehen. Mit Blick auf die Demografie ist es wichtig, Beruf und Familie noch besser vereinbar zu machen und Frauen gute Verdienst- und Aufstiegschancen zu bieten“, sagte Ministerin Prof. Angela Kolb.

Auffällig ist die Fokussierung vieler Frauen auf wenige Berufsfelder. In den Friseur- und Kosmetikberufen liegt der Frauenanteil bei über 90 Prozent, in der Gastronomie und im Handel bei mehr als 70 Prozent. „Viele Frauen orientieren sich an einem sehr eingeschränkten und oftmals tradierten Berufsspektrum, das mitunter wenige Entwicklungsperspektiven bietet. Technische- oder Fertigungsberufe spielen aber auch heute bei der Berufswahl junger Frauen kaum eine Rolle“, sagte Senius. In den „typischen“ Frauenberufen seien aber weder die Bezahlung noch die Karrierechancen besonders gut. Ministerin Kolb rief die Unternehmen auf, das Potential von Frauen noch besser zu nutzen.
Zum Glück würden unterdessen immer mehr Firmen erkennen, dass sich familienbewusste Personalpolitik für sie in mehrfacher Hinsicht lohne. „Sie geht einher mit einer geringeren Fehlzeiten-Quote, weniger Eigenkündigungen, einer höheren Bewerberqualität und die Mitarbeiter sind motivierter. Das zeigt gerade wieder eine neue Studie“, sagte Ministerin Prof. Dr. Angela Kolb.
Kay Senius wies darauf hin, dass die Arbeitsagenturen in diesem Jahr im Rahmen einer Kampagne verstärkt auf Arbeitgeber zugehen würden, um sie zu flexiblen Arbeitszeitmodellen und familienfreundlicher Personalpolitik zu beraten. „Frauen sind als Fachkräfte unersetzlich, gemeinsam müssen dafür sorgen, dass sie ihr Potential besser entfalten können“, sagte Senius.

Quelle: BA regional