Ziemlich beste Freunde – gefeierte Premiere am nt

v.l.n.r.: Sybille Kreß (Magalie), Peter W. Bachmann (Philippe), Benito Bause (Driss) - ©Foto: Anna Kolata

[©Foto: Anna Kolata] Matthias Brenner, Intendant des neuen theaters in Halle,  übernahm höchstpersönlich die Inszenierung des Theaterstücks nach dem erfolgreichen Kinofilm aus Frankreich „Ziemlich beste Freunde“. Das kann durchaus eine Herausforderung sein, denn die Erwartungen des Publikums sind dem Film entsprechend hoch. Die Karten waren bereits vor der Premiere bis in den Januar hinein ausverkauft, das gilt auch für die Zusatzvorstellung Ende November.

Nun betritt man den Theaterraum – das Schaufenster des nt – und fühlt sich gleich irgendwie mittendrin, mitten in der Villa des reichen Philippe. Obwohl finanziell abgesichert, ist er unglücklich, und das aus verständlichem Grund: Jäh wurde er durch einen Absturz mit dem Gleitschirm aus seinem bisherigen Leben gerissen, gelähmt bis in die Halswirbel. Außerdem starb wenige Jahre später auch noch seine Frau. Nun spielt sich sein Leben zwischen Pflegern und seiner Assistentin Magalie ab. Die Pfleger halten es nicht lange aus, Philippe ist einfach zu schwierig und die Betreuung eines Querschnittgelähmten anstrengend und nicht immer angenehm. Da kommt Driss ins Leben des depressiven Philippe. Zwei Welten treffen aufeinander, Driss, gerade aus dem Gefängnis entlassen und in der Pariser Vorstadt lebend, möchte nur eine Unterschrift fürs Arbeitsamt. Die braucht er um zu beweisen, dass er sich um den Pfleger-Job beworben hat. Umso größer ist der Schreck, als Philippe ihn wirklich einstellt, auch Magalie kann es nicht fassen. Jetzt heißt es nicht nur Kompressionsstrümpfe anziehen, auch unangenehmere Dinge stehen an.

Wie der quirlige Riss und Philippe zusammenfinden ist den meisten bereits aus dem Film bekannt. Dank der unbeschwerten und respektlosen Art  und des fehlenden Mitleids seines Pflegers findet Philippe wieder ins Leben zurück. Zum Schluss wagt er es sogar, zu seiner Brieffreundin persönlich Kontakt aufzunehmen, und das alles durch die Ermutigung von Riss, der ihm inzwischen zum Freund wurde.

Im Schaufenster des nt kommt schon zu Beginn des Spiels eine intime Atmosphäre zwischen Publikum und Schauspielern auf. Mal nach links gedreht, um die Videosequenzen der Bewerbungsgespräche für den Pflegerjob oder den Einspieler mit Bruder Antoine zu sehen, dann wieder schauen, wie  Riss oder Magalie den Rollstuhl über die breite Front des Raumes bewegen. Man spürt den Luftzug, wenn Riss den gelähmten Philippe durch den Raum wirbelt und die Anstrengung, wenn Philippe auf das Pflegebett getragen werden muss.  Gerade in solchen Kammerspielen erleben die Zuschauer die Leistung der Schauspieler hautnah und ungefiltert. Eine wunderbare Leistung von Peter W. Bachmann (Philippe), Benito Bause (Driss) und nicht zuletzt von Sybille Kress als Magalie. Beeindruckend, wie Bachmann wirklich wie bewegungslos alle Prozeduren über sich ergehen lässt und spannend zu sehen, wie Magalie (Sybille Kress) langsam Vertrauen zu Riss fasst, der staunend die ihm unbekannte Welt erlebt. Die Rolle des Bruders Antoine hat übrigens Matthias Brenners selbst übernommen und Nils Thorben Bartling spielte den Pflegerbewerber im Video.

Die Bühnenfassung des Films von Eric Toledand und Oliver Nakache stammt von Gunnar Dressler.

Gisela Tanner
Foto: Anna Kolata

 

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