Young Frankenstein – auf der halleschen Opernbühne wird gejodelt und gesteppt

© Gert Kiermeyer - Björn Christian Kuhn, Bettina Mönch, Ásgeir Páll Ágústsson, Thomas Weissengruber
© Gert Kiermeyer - Björn Christian Kuhn, Bettina Mönch, Ásgeir Páll Ágústsson, Thomas Weissengruber
© Gert Kiermeyer – Björn Christian Kuhn, Bettina Mönch, Ásgeir Páll Ágústsson, Thomas Weissengruber

Ein sichtliches Vergnügen hatten Publikum und Akteure bei der Premiere des Musicals „Young Frankenstein – Frankenstein Junior“ am letzten Freitag in der halleschen Oper. Ballettchef Ralf Rossa inszenierte eine turbulente Show mit Spaß- und Gruselfaktor. Eines sei gleich gesagt, für schwache Gemüter ist die Veranstaltung nicht geeignet, denn wie unter Monstern üblich, ist die Handlung nicht selten schauerlich und die Späße sind auch manchmal ewas derb und unterhalb der Gürtellinie.

Das Musical entstand nach der Filmkomödie »Frankenstein Junior« aus dem Jahr 1974 von Mel Brooks. Dieser machte höchstpersönlich aus dem Film, der die massenhaft auftauchenden Horrofilme parodierte, ein Musical. Zusammen mit Thomas Meehan schrieb er das Buch und auch für die Musik und die Gesangstexte zeichnet er verantwortlich.

Die Handlung ist schnell erzählt: In Transylvanien herrscht unter der Bevölkerung helle Aufregung, denn der berüchtigte Dr. Victor von Frankenstein ist gestorben und nun befürchtet man, dass sein Nachkomme, Doktor Frederick Frankenstein, sein Werk fortsetzen möchte. Frankenstein Junior, der sich in den USA der Wissenschaft verschrieben hat und besonderen Wert auf die englische Aussprache seines Namens legt, muss wegen der Regelung des Nachlasses zur Wirkungsstätte seines verstorbenen Großvaters reisen. Es kommt zum Abschied von seiner Verlobten Elizabeth.

Zunächst sträubt sich der junge Frankenstein, die gruseligen Experimente seines Großvaters fortzusetzen, doch unter Einfluss des buckligen Igors, der feschen Inga und der Haushälterin Frau Blücher lässt er sich überzeugen. Der Anblick des „Forschungs“-Labors seines Großvaters weckt seinen Erfindergeist und er wagt das Experiment, ein Leiche durch Einpflanzen eines Gehirns wiederzubeleben. Leider hat Igor das Gehirn zuvor zu Boden fallen lassen und so wird der Wiederbelebte zum Monster und verbreitet Angst Schrecken unter der Bevölkerung. Nur ein blinder Eremit lässt sich nicht von ihm beeindrucken. Erst die Übertragung von Fredericks Gehirnströmen und seine Verlobte Elizabeth können das Monster bändigen.

Das Buch zum Musical bietet die Vorlage für schillernde Charaktäre. So „cool“ hat man Gebriele Bernsdorf wie hier  als Frau Blücher – bei Nennung ihres Namens wiehert ständig ein Pferd – selten erlebt. Ásgeir Páll Áugstsson als buckliger Igor versteht es, den jungen Frankenstein eindringlich zu beeinflussen, auch mit Hilfe von Inga (am Premierenabend Julia Klotz), der naiven Schönheit. Ja, und Inga kann sogar jodeln! Olaf Schöder als blinder Eremit sorgt in seinem Dialog mit dem Monster für urkomische Momente. Björn Christian Kuhn, der seine „Musical-Tauglichkeit“ u.a. als Edgar Allen Poe und in „Der Glöckner von Notre Dame“ bewiesen hat, singt und tanzt als Frederick Frankenstein über die Bühne, treibt unter Laken auf einer Hebebühne seine Spielchen und bei „Putting On The Ritz“ steppt er sogar. Ein Glanzpunkt ist Anna Thorén als Elizabeth Benning. Wenn sie die Bühne betritt, dann steht sie im Mittelpunkt. Die Kostüme von Sabine von Oettingen tun ein Übriges.

Matthias Hönig schuf ein schaurig schönes Bühnenbild, das Sängern und Tänzern ausreichend Platz ließ. Der Chor der Oper Halle zeigte diesmal auch seine tänzerischen Fähigkeiten, Ballettchef Rossa hatte die Sänger genauso wie seine Ballettcompagnie zu großartigen Leistungen geführt. Die Staatskapelle Halle, die von einem Teil des Chores im Orchestergraben unterstützt wurde, zeigte sich unter der Leitung von Robbert van Steijn gewohnt professionell. Eine stimmige Inszenierung von Ralf Rossa, die allen Beteiligten viel Spaß gemacht hat, und das trotz der drohenden „Gewitterwolken“ am Halleschen Theaterhimmel.

Autor: Gisela Tanner www.tannertext.de
Foto: © Gert Kiermeyer – Björn Christian Kuhn, Bettina Mönch, Ásgeir Páll Ágústsson, Thomas Weissengruber

Nächste Vorstellungen:  1. Juni, 19. 22. und 29. Juni 2013 an der Oper Halle

  5 vor 12 

Hoffen wir, dass alle Verantwortlichen erkennen, dass es 5 vor 12 ist, es bleibt nicht mehr viel Zeit, diese Theaterlandschaft in Halle zu erhalten!

Link zur Aktion 5 vor 12