„Wut“ – und es gibt kein Entkommen – neues theater Halle in der Raumbühne

v.l.n.r.: Robin Krakowski, Sonja Isemer, Martin Reik, Matthias Walter, Elke Richter, Alexander Pensel, Hagen Ritschel ©Foto: Falk Wenzel
v.l.n.r.: Robin Krakowski, Sonja Isemer, Martin Reik, Matthias Walter, Elke Richter, Alexander Pensel, Hagen Ritschel ©Foto: Falk Wenzel

[©Foto: Falk Wenzel ] Außergewöhnliche Inszenierungen können Theaterbesucher derzeit in Halle erleben. Nichts ist wie es war. Der Zuschauerraum wird zur Bühne und die Bühne  zum Zuschauerraum.

Das neue theater Halle ist zu Gast  in der Raumbühne Heterotopia der Oper Halle mit dem Schauspiel „Wut“ nach Texten von Elfriede Jelinek. Für die Zuschauer gibt es freie Platzwahl – direkt auf der Drehbühne des Theaters – die wollte man ja  schon immer mal kennenlernen. Man blickt in den überbauten Zuschauerraum, alles in Weiß. Dann beginnt sich die Bühne langsam zu drehen, Meldungen zu den Attentaten in Paris gegen die französische Satirezeitschrift »Charlie Hebdo« und zur Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt prasseln auf die Zuschauer von allen Seiten auf Videowänden ein. Schließlich kommt die Drehbühne zur Ruhe und das Spiel beginnt. Die Texte von Elfriede Jelinek werden von den Schauspielern wie in einer Endlosschleife interpretiert. Es gibt kein Entkommen. Kaum hat man die erste Wortfolge „verdaut“, geht es weiter, wieder eine andere Perspektive, die Bühne dreht sich. Selbst die Souffleuse ist in Bewegung. Philosophische Betrachtungen wechseln sich mit trivialen Szenen z.B. im Supermarkt ab, die Wut hat viele Gesichter!

Die Texte der prämierten Autorin werden von den Schauspielern so ausdrucksstark dargeboten, dass einem fast der Atem stockt. Wen soll man hervorheben, Elke Richter als Elfriede Jelinek, Martin Reik  mit seinem wort- und körpergewaltigen Spiel oder Sonja Isemer, Hagen Ritschel,  Alexander Pensel,  Matthias Walter und Robin Krakowski, die sich temporeich in ständig wechselnden Rollen auf der (Raum)-Bühne bewegen?  Das Schauspiel-Team ist grandios!

Eine eindringliche Inszenierung ist Henriette Hörnigk in der Raumbühne von Sebastian Hannak da gelungen, die man sich nicht entgehen lassen sollte!

[Dramarturgin Sophie Scherer, Ausstattung Claudia Charlotte Burchard, Musik Bernd Bradler].

Nächste Termine: 29. Oktober 2016,  03. November 2016

Gisela Tanner