Wir werden alle unsere Mütter – Therapiestunde im Puppentheater

Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle - Fotograf: Falk Wenzel - Mirjam Schollmeyer, Sebastian Fortak, Lars Frank, Natascha Mamier (v.l.n.r.)

Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle - Fotograf: Falk Wenzel - Mirjam Schollmeyer, Sebastian Fortak, Lars Frank, Natascha Mamier (v.l.n.r.)
Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle – Fotograf: Falk Wenzel – Mirjam Schollmeyer, Sebastian Fortak, Lars Frank, Natascha Mamier (v.l.n.r.)

Keine leichte Kost, aber teilweise heiter, so könnte man die Uraufführung von „Wir sind alle unsere Mütter“ am 27. Februar 2014 in Halle bezeichnen. In dem Stück von Katharina Kummer geht es um die ewig diskutierte und von Therapeuten hochbewertete Rolle der Mutter. Autorin Katharina Kummer, u.a. studierte Germanistin und Puppenspielerin, ist selbst Ensemblemitglied des Puppentheaters.

Als Stätte für das Bühnenspiel fungiert die kleinere der beiden Puppentheaterbühnen, das schafft eine sehr intime Atmosphäre und der Zuschauer kann der Handlung kaum entweichen. Das offene Bühnenbild von   Angela Baumgart bietet ein Sammelsurium an Utensilien, die später zur „Aufarbeitung“ der Mutterproblematik benötigt werden. Gespielt wird auf mehreren Ebenen.

Lars Frank, Sebastian Fortak, Mirjam Schollmeyer als Gast und Natascha Mamier (Thalia Theater) nähern sich ihren Müttern auf unterschiedliche Weise. Ursula Werner als Grand Dame der Schauspielkunst gibt der Handlung einen Rahmen und sorgt für einen unkonventionellen fließenden Anfang des Stückes. Lars Frank kann sich besonders gut in seine Mutterproblematik einfühlen, wenn es sich als diese verkleidet, mit Ohrringen, Perücke, plüschiger Bekleidung und vielem mehr.

Mirjam Schollmeyer, zunächst sehr fein mit Stola und langem Kleid, denkt zunächst sehnsuchtsvoll und schwärmend an ihre weiblichen Vorfahren, doch spätestens als sie den Vogelkopf aufsetzt, bricht es aus ihr heraus. Wie besessen tippt Natascha Mamierin die Tasten einer Schreibmaschine, als ob Schreiben vor den Gedanken an die  Mutter bewahrt! Aber auch sie entkommt ihr nicht und der Ruf nach ihr wird immer lauter. Sebastian Fortak hat die Gummihandschuhe als Lieblingsutensil auserwählt, was hat er darunter zu verbergen? Er zieht sie sich nicht nur über den Kopf, zum Entsetzen von Schöngeistern wird sogar ein Blumenstrauß in die Handschuhe gequetscht.

Der Zuschauer muss sehr aufmerksam sein, denn die Geschichten der Akteure verweben sich mit  realer Kulturgeschichte, namentlich u.a. mit Marlene Dietrich, Ulrike Meinhof oder Alfred Hitchcock.

Ach ja, und eine Puppe kommt auch noch ins Spiel. Sie hat natürlich auch mit der Rolle ihrer Mutter zu kämpfen und wird liebevoll von Lars Frank und Sebastian Fortak geführt. Das ganze ergibt ein turbulentes temporeiches Spiel, das durch die Musik von Karl Philipp Kummer  als Gast unterstrichen wird. Gut, dass Ursula Werner die pralle Handlung immer wieder erdet! Passender hätte ein Stück zum Thema „Doppelgänger“ anlässlich des 60jährigen Jubiläums der Puppenbühne nicht sein können!

 Gisela Tanner www.tannertext.de
Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle
Fotograf: Falk Wenzel – Mirjam Schollmeyer, Sebastian Fortak, Lars Frank, Natascha Mamier (v.l.n.r.)