Zurückgekauft – Aquarell Abstieg von Wassily Kandinsky wieder in der Moritzburg

Moritzburg Rückkehr Aquarell "Abstieg" Kadinsky

Unter großem medialen Interesse und in Anwesenheit von Vertretern der Landesregierung, der Kulturstiftung der Länder und von Sponsoren konnten am Freitag die Stiftung Dome und Schlösser sowie Museumsdirektor Bauer Friedrich in der Moritzburg  ein zurückgekehrtes Aquarell vorstellen. Das besondere an diesem Werk, es hat eine wechselvolle Geschichte erlebt, nachdem es in der Zeit des Nationalsozialismus als „entartete Kunst“ aus dem Museum verbannt wurde.

Kunstmuseum Moritzburg - beschlagnahmtes Werk kehrt zurück

Das Werk „Abstieg“ hat  Wassily Kandinsky (1866–1944) im Jahr 1925 erschaffen und 1929 hat es Direktor Alois J. Schardt für das Moritzburg-Museum erworben. Während der Weimarer Republik war die Moritzburg eines der führenden Museen der klassischen Moderne. Im Jahr  1937 wurde das Werk von den  Nationalsozialisten als „entartet“ eingestuft und aus der Moritzburg entfernt. Zuvor wurde es ab November 1935 nur noch in der sogenannten „Schreckenskammer“ des Museums gezeigt.   Zusammen mit anderen „entarteten“ Kunstwerken war Kadinskys „Abstieg“ nach 1937 nur noch in München in einer „Femeausstellung“ zu sehen.  Dort wurden die  Werke ohne jede Würde präsentiert, eng zusammengehängt und teilweise auf den Kopf gestellt oder gedreht. Der Kunsthändler Hildebrand Gurlitt erwarb das Aquarell 1940 und über den Kunsthandel wechselte es nach dem 2. Weltkrieg mehrfach den Besitzer. Glücklicherweise setzte sich das Auktionshaus, das das Werk aus den Händen eines Japaners übernahm, mit dem Kunstmuseum Moritzburg Halle in Verbindung und bot das Aquarell  zum Kauf an.

Nun ist der Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt tatsächlich der Rückkauf gelungen. Über den Preis wurde  Stillschweigen vereinbart.  Es ist aber bekannt, dass  nur mit maßgeblicher Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Kulturstiftung der Länder, der Saalesparkasse und des Landes Sachsen-Anhalt/Staatskanzlei und Ministerium für Kultur der Wiedererwerb des Werkes möglich war.

Kunstmuseum Moritzburg - beschlagnahmtes Werk kehrt zurück

Der Generaldirektor der Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt, Dr. Christian Philipsen, freut sich, dass mit dem Kandinsky-Aquarells ein Werk des Dessauer Bauhaus-Meisters in die Region seiner Entstehung und seines ersten Aufbewahrungsortes zurückkehrt und für Museumsdirektor Bauer-Friedrich ist der Rückerwerb ein besonderer Moment in der Museums- uns Sammlungsgeschichte. Er betont, dass  Kadinskys Aquarell Abstieg ein signifikantes Werk für seine stilistische Entwicklung in den 1920er Jahren war.  Auch die Sponsoren zeigten sich über den Wiedererwerb erfreut.  So meint Dr. Jürgen Fox, Vorstandsvorsitzender der Saalesparkasse: „Mit der Unterstützung beim Ankauf von Wassily Kandinskys Abstieg leisten wir gern unseren Beitrag zur Rückführung eines wertvollen Kunstwerkes in seine angestammte Sammlung und damit zur weiteren Profilierung des weit über Halle (Saale) und Sachsen-Anhalt hinaus strahlenden Kunstmuseums.“

Kunstmuseum Moritzburg - beschlagnahmtes Werk kehrt zurück

Auch Dr. Gunnar Schellenberger (Foto links), Staatssekretär für Kultur in der Staatskanzlei/Ministerium für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt, lobt die Bedeutung des Wiedererwerbs für Sachsen-Anhalt als Land der Moderne und sieht darin einen weiteren Schritt zur „Beseitigung der schmerzhaften Lücken, die die Aktion ,Entartete Kunst’ 1937 in das Sammlungsprofil des Hauses gerissen hat.“

Im Sommer dieses Jahres soll das Aquarell in einer Ausstellung für die Besucher sichtbar gemacht werden.

Gisela Tanner

Kunstmuseum Moritzburg - beschlagnahmtes Werk kehrt zurück