Wickie und die starken Männer rocken das nt-Hoftheater

v.l.n.r.: Stanislaw Brankatschk (Tjure), Max Radestock (Ulme), Joachim Unger (Snorre), Paul Sodann (Wickie), Enrico Petters (Faxe), Frank Schilcher (Halvar), Irene Schulz (Saaleprinzessin), Annemarie Brüntjen (Nixe) © Theater-, Oper und Orchester GmbH Halle, Foto: Falk Wenzel

[Foto: Falk Wenzel] Sie sind schon furchterregend, wenn sie sich laut polternd auf der Bühne bewegen. Die Wickinger machen ganz schön Radau und strotzen vor Kraft. Alles wäre gut, wenn da nicht der schreckliche Sven und seine Truppe wären. Die agieren noch grimmiger, verbissener und stärker als die Wickinger und zu allem Übel haben sie auch noch die Saaleprinzessin entführt. Die hängt  gefesselt in den Seilen und niemand von den „starken Männern“ hat eine Idee, wie man sie befreien könnte. Lautes Gebrüll und „Säbelrasseln“ hilft da nicht. Auch die Nixe wedelt nur aufgeregt durchs Wasser und beklagt die Tat des schrecklichen Sven und ihre Folgen für den Fluss allgemein.

Zum Glück gibt es ja da noch Wickie, der zwar recht klein und schmächtig ist, aber immer gute Einfälle hat. Deshalb möchte Halvar,  „Chef“ der Wickinger und Vater des Jungen den Namen gar nicht erst hören. Wer denkt schon gern an seinen vermeintlichen Widersacher, vor allem, wenn der viel schlauer ist. Wehe jemand spricht den Namen laut aus! Aber was hilft’s, ohne Wickie ist keine Lösung in Sicht. Der fasst einen Plan und schafft es am Ende – auch mit Unterstützung der Nixe – die Saaleprinzessin zu befreien.

Das Spiel im Hof des neuen theaters in Halle in einem Bühnenbild von  Nicolaus-Johannes Heyse bereitet Schauspielern und Zuschauern sichtlich Vergnügen, auch wenn für die jüngeren Zuschauer (freigegeben ab 5 Jahre) bei den „furchterregenden Gestalten“ ein erwachsener Beistand nicht verkehrt ist. Kostümbildnerin  Grit Walther und die Maske konnten sich so richtig austoben und selbst wer das Ensemble der beiden Theater – nt und Thalia -kennt, hatte Schwierigkeiten, die Akteure wiederzuerkennen: die Wikinger, teils mit opulenter Leibesfülle und stark geschminkt, die Mannschaft vom bösen Sven als Punks ganz in Schwarz.

Wer hätte gedacht, dass  Robin Krakowski (der schreckliche Sven) so grimmig gucken kann, und  Frank Schilcher (Halvar) erschien doch kürzlich bei „Patricks Trick“ im Schaufenster auch noch ganz schlank und beweglich. Hat jemand schon mal einen Sänger gehört, der so schön „falsch“ singen kann wie Max Radestock (Ulme)? Seine Brille erinnerte übrigens ein wenig an die von John Lennon. Kleider machen Leute, so waren Enrico Petters  (Faxe),  Joachim Unger (Snorre) und Stanislaw Brankatschk (Tjure) auch völlig verändert, und wie Annemarie Brüntjen sich als Nixe durch den Raum bewegt, das muss man erst einmal nachmachen.

Ja, und was wäre das ganze Stück ohne Wickie (Paul Sodann),  wie sich dieser junge Mann gegen die  Schauspieler-Profis  behauptet, ist schon beeindruckend. Naja, kein Wunder, schließlich ist ihm als Enkel von Peter Sodann die Schauspielkunst in die Wiege gelegt worden.

Ein munteres Kindertheaterstück ist Regisseur Andreas Rehschuh da gelungen, nach einer Vorlage von Runer Jonsson und in einer Fassung von Axel Poike und Andreas Rehschuh selbst.

 

Gisela Tanner