Wer sich zwei Frauen angetraut, hat seinen Kerker selbst gebaut

Am Sonnabend amüsierten sich die Besucher der Premiere „Der geduldige Sokrates“ im Opernhaus köstlich, ging es doch um altbekannte Probleme beim Leben mit mehreren Partnerinnen. Inszeniert hat das musikalische Lustspiel in drei Akten  von Georg Philipp Telemann Opernhausdirektor Axel Köhler persönlich. Als er vor Beginn der Vorstellung auf die Bühne trat, erfasste die Zuschauer schon allgemeine Unruhe, doch Köhler versicherte, dem Ensemble gehe es prächtig, die Grippewelle habe seine Sänger verschont, er wolle aber Oberbürgermeister Wiegand persönlich begrüßen und darauf hinweisen, dass das Händelfestspeilorchester in diesem Jahr sein zwanzigjähriges Jubiläum feiere. Gleichzeitig gab es mit einem Augenzwinkern zu bedenken, dass die Stadtväter von Halle zur Steigerung der Geburtenrate vielleicht auch die Doppelehe anordnen sollten.

So erging es nähmlich auch Sokrates, der wegen dieser gesetzlich angeordneten Doppelehe neben Xantippe auch Amitta ehelichen musste, und damit nahm das Übel seinen Lauf. Wegen jeder Kleinigkeit lagen sich die Damen in den Haaren und der arme Sokrates, der sich eigentlich um seine Schüler kümmern wollte, musste ständig zwischen den Damen schlichten. Das überforderte selbst den klugen Philosophen zeitweise. Aber nicht nur im Hause Sokrates gab es Ungemach, Prinz Melitto, Sohn des Fürsten Nicia, konnte nur eine der beiden Prinzessinnen, die ihm zugtan waren, heiraten, da sein Vater ihn bereits einer anderen versprochen hatte. Sokrates wurde um Rat gefragt und der folgende Kampf der beiden Damen Rodisette und Edronica um den Prinzen erwies sich als hochemotional, auch wenn sich Antippo anbot, die verbleibende Dame zu ehelichen.

Das Händelfestspeilorchester brillierte während der gesamten Vorstellung mit hoher Professionalität und Frische, etwa als die Schüler des Sokrates im ersten Akt ein Loblied auf dem Wein sangen und dabei schwungvolll von historischen Instrumenten begleitet wurden.  Angenehm, dass das Orchester leicht erhöht im Orchestergraben saß und so zumindest vom Rang aus gut beobachtet werden konnte. Ki-Hyun Park, der schon seit 2002 zum halleschen Ensemble gehört, füllte mit seinem kräftigen Bass den Saal und konnte sich des Mitgefühls der Zuschauer sicher sein, als er die Streitereien seinener  Ehefrauen  Xantippe ( Anke Berndt)  und Amitta ( Melanie Hirsch) ertragen musste. Der australische Tenor  Michael Smallwood tonierte in hinreißender Pose die Qual der Wahl zwischen den beiden Prinzessinen Rodisette: ( Ines Lex)  und Edronica ( Marie Friederike Schöder). Diese ließen klein Mittel unversucht – bis zur Androhung eines Selbstmordes – den Prinzen für sich zu gewinnen. Vater Nicia (Ásgeir Páll Ágústsson) musste dem Geschehen ratlos und sorgenvoll folgen. Doch wie es sich für ein Lustspiel gehört, am Ende wird alles gut. Wer es genauer wissen möchte, kann eine der nächsten Vorstellungen am  Mittwoch, 30.01.2013, oder am Freitag, 22.03.2013, jeweils um 19.30 Uhr besuchen.

Gisela Tanner www.tannertext.de

Foto: ©Gert Kiermeyer – Christopher O’Connor, Andreas Guhlmann, Kristian Giesecke, Ki-Hyun Park, Ásgeir Páll Ágústsson, Marie Friederike Schöder, Michael Smallwood, Ines Lex (von links ) – kleines Foto Ki-Hyun Park, Ásgeir Páll Ágústsson, Marie Friederike Schöder,