Wahn-Sinn – Kunstverein Talstraße mit Ausstellung über Jean Dubuffet und Art brut

Kunstverein talstraße art brut 2Matthias Rataiczyk, Vorsitzender des Kunstvereins, meinte zur Vernissage, dass man bei der Konzeption der Ausstellung nicht ahnte, welcher konkrete Wahnsinn gerade in der Welt abläuft, sei es in Bezug auf den Geldmarkt oder bei Demonstrationen gegen Religionen von Menschen, die selbst noch nie in einer Kirche waren.  Mit diesem „Wahnsinn“ habe die Ausstellung in der Talstraße nichts  zu tun.

WAHN-SINN Jean Debuffet & Art brutWas der Kunstverein  in seiner neuen Ausstellung „WAHNSINN –Jean Dubuffet & Art brut“ zeigt, ist in Mitteldeutschland wohl einmalig, die Werke von Jean Dubuffet, ergänzt durch Bilder anderer Vertreter dieser Kunstrichtung.  Der Begriff „Art brut“ – wörtlich übersetzt „Rohe Kunst“ – wurde von Dubuffet für Arbeiten von Künstlern eingeführt, die bisher keinen Bezug zur Kunstwelt hatten, etwa Geisteskranke oder Gefängnisinsassen. Gemeint ist mit „Art brut“ auch Kunst, die ohne akademische Vorbildung auf autodidaktischem Weg entstand. Auf jeden Fall aber drückt dieser Kunstbegriff das Suchen nach neuen Wegen in der Kunst aus, jenseits eingefahrener Gleise. Wie unterschiedlich „Art brut“ im Laufe der Zeit interpretiert wurde, machte Dr. Thomas Röske zur Vernissage  deutlich. Röske ist Experte und Direktor der Sammlung Prinzhorn aus Heidelberg.

Dass die Ausstellung zustande kam, ist auch der Unterstützung des Münchner Sammlers Helmut Klewan zu verdanken, mit dem der Kunstverein schon mehrmals zusammengearbeitet hat. Oft werden Werke der Art brut auch dem Begriff  „outsider art“ zugeordnet.
WAHN-SINN Jean Debuffet & Art brut
Eine Reise in die Schweiz im Jahr 1945 nutze Dubuffet dazu, die Werke von Insassen psychiatrischer  Anstalten zu studieren und einige Arbeiten zu erwerben.  Später entstand die „Collection de l’artbrut“, die seit 1976 ein eigenes Museum in Lausanne hat. In der Talstraße sind die Arbeiten Dubuffets eingebettet in Werke von Gaston Chaissac, Louis Souttier, Adolf Wölfli, Madge Gill, Maargarethe Held, Heinrich Nüsslein, Loftus Etienne, Martina Kügler und Michael Langer. Nicht alle Künstler sind oder waren Außenseiter, haben aber ihre Anregungen von der „Art brut“ bezogen.

Die Ausstellung zeigt sowohl die Entwicklung der einzelnen Künstler über die Jahre wie auch die unterschiedlichen Gestaltungsformen. Da sind etwa die fast „wagnerischen “ Werke von Heinrich Nüsslein oder die Porträts von Margarethe Held. Madge Gill fühlte sich beim Arbeiten von einem Geist angetrieben und Loftus Etienne schuf wahre Bühnenbilder.

Diese Ausstellung ist wahrlich einen Besuch wert, auch für alle, die noch nie mit „Art brut“ in Berührung gekommen sind.

Text und Fotos: Gisela Tanner   tannertext.de
WAHN-SINN Jean Debuffet & Art brut
WAHN-SINN Jean Debuffet & Art brut
WAHN-SINN Jean Debuffet & Art brut

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Die Ausstellung:
29. Januar – 17. Mai 2015
WAHN-SINN
Jean Dubuffet & Art brut aus der Sammlung Klewan, München

im Kunstverein Talstraße e.V. in Halle