„Utopien vermeiden“ – Werkleitzfestival konzentriert sich am Wochenende auf Filmprogramm

Werkleitz Festival 2013 Foto© G.Tanner
Eine Installation wird vorbereitet (c)tannertext
Eine Installation wird vorbereitet (c)tannertext

Das Werkleitz-Jubiläumsfestival „Utopien vermeiden“  zum 20-jährigen Bestehen konzentriert sich am zweiten Festivalwochenende auf den Kinosaal.

Nach einem Fokus auf die Arbeiten der Künstler im Ausstellungsparcour des Festivals „Utopien vermeiden“ widmet sich die veranstaltende Werkleitz-Gesellschaft in Halle (Saale) am zweiten Festivalwochenende (18.-20. Oktober) dem Filmprogramm. Wie schon bei den Installationen und künstlerischen Beiträgen waren auch hier Kuratoren gebeten, im 20. Jubiläumsjahr der Werkleitz-Gesellschaft das Programm zusammen zu stellen.

„Für mich ist ein guter Kurator jemand, der nicht vorschreibt, wie er sich die künstlerische Arbeit vorstellt“, hat Alain Bieber in einem Interview gesagt. Wie gut er diesen eigenen Anspruch erfüllt, sehen die Besucher am 18. Oktober, wenn das von dem Franzosen kuratierte Programm im Festivalkino am Holzmarkt gezeigt wird. Bieber ist Projektleiter bei ARTE Creative und titelt seine Filmprogramme „Streetism!“ und „Gefangen im Paradies“. „Streetism!“ (18 Uhr) umfasst die rekordverdächtige Anzahl von 17 Kurzfilmen. „Es stellt Künstler vor, die anpacken, die raus auf die Straße gehen, dorthin, wo das Leben tobt“, beschreibt Bieber diese Zusammenstellung. Im besten Fall sollen mit den Filmen nicht nur Aktionen präsentiert werden, sondern diese auch den Zuschauer anstiften und aktivieren. Ab 21 Uhr dokumentiert „Gefangen im Paradies“ zwei wahre Begebenheiten. Barbara Visser recherchierte mit der Kamera über den niederländischen Buchhalter Clemens K. der 16 Millionen Euro auf sein Konto buchte und dann verschwand. Alain Della Negra stellt in einer Auswahl von Kurzfilmen neue spirituelle Communities vor, darunter die Regenbogen-Krieger und den „Heiler der Erde“.

Das Samstag-Filmprogramm beim Festival „Utopien vermeiden“ verantwortet Florian Wüst. „Jeder kann alles werden“ (15 und 18 Uhr) blickt auf die 1950er/60er Jahre und hält Raritäten wie den DGB-Zeichentrickfilm „Die Heinzelmännchen“ bereit oder lässt in Hugo Hermanns „Träumt für morgen“ von 1956 Ostberliner Kinder Geschichten über Solidarität erzählen. Der zweite Programmteil beleuchtet die Möglichkeiten und Grenzen selbstbestimmten Daseins und führt die zeitliche Achse über die Wendejahre bis in die Gegenwart fort, gezeigt wird u. a. Christian Petzolds „Ostwärts“, ein filmisches Stück des „wilden Ostens“ Ende der 1990er Jahre. Das Abendprogramm (21 Uhr) des Samstags im Kino am Holzplatz überschreibt Florian Wüst mit „Ein Gefühl von sich selbst“. Mit drei Filmen, darunter eine der ersten Zeichentrickproduktionen von Loriot, befragt Kurator Wüst das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft. In Hellmuth Costards „Teilweise von mir – Ein Volksstück“ sprechen Hunderte von Passanten je einen Gedanken, Satz oder Slogan. „Kopfende Haßloch“ erzählt von einer Gemeinde in Rheinland-Pfalz, die so normal und durchschnittlich ist, dass sie Deutschlands einziger Ort wurde, an dem neue Produkte und deren Marketing getestet werden. Ein Filmkonzert mit dem Sound 8 Orchestra und das DJ Set The Golden Schmuck beenden ab 22.30 Uhr den Samstag bei „Utopien vermeiden“.

Das filmintensive zweite Festivalwochenende in Halle (Saale) vervollständigt am Sonntag (20. Oktober) die Leiterin des Berlinale Forum Expanded Stefanie Schulte Strathaus. Unter dem Titel „Übung am Phantom – Revisited“ untersucht sie Filme der ästhetischen und politischen Avantgarde auf deren Konzepte von Weiblichkeit mit drei historischen Touchdowns in jeweils 20-jährigem Abstand: 1973 (1. Internationales Frauenfilm-Festival), 1993 (Gründung des Kuratorinnen-/Künstlerinnen-/Forscherinnen-Kollektivs „Übung am Phantom“) und 2013 (Werkleitz Festival „Utopien vermeiden“). Die inzwischen historische Geschichte des Kollektivs „Übung am Phantom“ wird in Werkleitz zum ersten Mal seit 1993 wieder beleuchtet und in einen Zusammenhang mit den Revolutionen von 1989 in der DDR und von 2011 in Ägypten gebracht. Die drei zusammenhängenden Filmprogramme werden um 15, 18 und 21 Uhrgezeigt.

Zu den weiteren Programmpunkten von „Utopien vermeiden“ gehören am 19. Oktober um 11 Uhr eine Halle-Neustadt-Exkursion und um 16 Uhr (auch am Sonntag) ein geführter Rundgang durch die Ausstellung. Am Sonntag werden zwischen 12 und 14 Uhr in den Artist Talks die künstlerischen Arbeiten von Christian von Borries und Sven Johne vorgestellt. Am Montag (21. Oktober) findet ab 14 Uhr das Symposion des Festivals statt, mit einem Panel zu den Programmen von Stefanie Schulte Strathaus sowie der Eröffnung der Symposionstafel durch Beiträge von Dieter Daniels und Hannah Sieben (HGB Leipzig), der Festivalkuratoren Stephen Kovats und Benjamin Meyer-Krahmer sowie Philipp Oswalt, Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau. Der Künstler Martin Conrath wird mit den Festivalleitern seine Arbeit „Utopien vermeiden“ aus den 1990er Jahren diskutieren, nach der das Werkleitz Jubiläum benannt wurde.

Öffnungszeiten der Ausstellung im Festivalzentrum:

Dienstag-Freitag 14-19 Uhr

Samstag 11-22 Uhr

Sonntag 11-19 Uhr

Der Eintritt zur Ausstellung, zum Symposium, zu geführten Rundgängen und Exkursionen ist frei.

Für das Festivalkino beträgt der Eintritt 5 Euro (erm. 3 Euro) für Performances, Konzerte und DJ Sets (außer 12. Oktober) 5 Euro (erm. 3 Euro). Ein Festivalpass kann für 25 Euro (erm. 20 Euro) erworben werden.

Mehr Information utopien.werkleitz.de/uv-filmprogramm

Quelle: Werkleitz

Foto: sr-gt