Utopien vermeiden – Werkleitz-Jubiläum

(c) sr-gt Peißnitz - Aufräumen nach dem Hochwasser
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Peißnitz – Aufräumen nach dem Hochwasser

Das Festival „Utopien vermeiden“, mit dem die Werkleitz-Gesellschaft vom 11. bis zum 27. Oktober in Halle an der Saale ihr 20-jähriges Jubiläum feiern will, hat durch die Sommerflut des Jahres 2013 eine ungeahnte Aktualität gewonnen. Da das Festival-Gelände auf der Peißnitzinsel zu den am schwersten betroffenen Regionen der Stadt zählt, müssen die Veranstalter um die künstlerischen Leiter Daniel Herrmann und Marcel Schwierin nicht nur das Programm der neuen Situation anpassen. Das Terrain hat sich zugleich selbst als ein „utopischer Ort“ erwiesen, dessen Nutzung durch den Menschen von Naturgewalten bedroht ist. Genau aus diesen Gründen wurde die Peißnitzinsel vor allem für Sport und Naherholung erschlossen – und nahm beim aktuellen Saalehochwasser doch schwere Schäden. Muss man hier also künftig tatsächlich „Utopien vermeiden“?

Dieser Frage gehen auf Einladung von Werkleitz 20 Kuratoren und Theoretiker nach, die ihrerseits Künstler ihrer Wahl zur Mitwirkung am Festival gebeten haben. So wird sich die Schweizerin Barbara Caveng, kuratiert von ihrem Landsmann Paolo Bianchi, in einer Installation mit dem Arbeitstitel „Waschung“ mit dem Verlust der Worte auseinandersetzen. Der legendäre Galerist René Block präsentiert gemeinsam mit Barbara Heinrich eine Neuproduktion von Nasan Tur. Kurator Anselm Franke hat sich für die taiwanesische Videokünstlerin Yin Ju Chen entschieden. Der Berliner Medientheoretiker Siegfried Zielinski holt den Musiker FM Einheit und den Künstler, Medientheoretiker und Programmierer David Link nach Halle. Auf Einladung der Stuttgarter Kunstvereins-Direktoren Iris Dressler und Hans D. Christ geht Peggy Buth dem real-utopischen Ort des Berliner Nollendorf-Kiezes nach, dessen schwul-lesbische Gemeinschaft immer wieder von homophoben Übergriffen bedroht ist. Und die Magdeburger Museumsdirektorin Annegret Laabs gibt mit Sven Johnes Arbeit „Some Engels“ Einblicke in die Casting-Branche: ein Friedrich-Engels-Darsteller wird gesucht, um die Grabrede auf Karl Marx zu halten. Christian von Borries will auf Einladung von Inke Arns mit seinem dokumentarischen Filmessay „IPhone China“ Beziehungen zwischen dem Weltkonzern Apple und der kommunistischen Diktatur aufzeigen.

Neben diesen Arbeiten, die sich in einem Ausstellungs-Parcours mit Installationen, Filmen und performativen Beiträgen präsentieren, zeigt „Utopien vermeiden“ ein Filmprogramm im halleschen Kino „Zazie“. Der Arte-Creative-Director Alain Bieber geht in den von ihm kuratierten Filmprogrammen den spielerischen Ansätzen der Streetart sowie der Illusion der Freiheit nach und hat dafür Künstler wie den Tschechen Vladimir Turner und die Niederländerin Barbara Visser eingeladen.

Das Festival „Utopien vermeiden“ wird von einem Symposium, Künstlergesprächen und Publikationen begleitet.
Das Festival im Netz unter www.werkleitz.de

Quelle: Werkleitz Gesellschaft