Universitätsklinikum Halle (Saale) hilft Jungen aus dem Kosovo zum zweiten Mal

Erti – ein kleiner, 2-jähriger bereits bekannter Patient aus dem Kosovo – wurde vor eineinhalb Jahren an einer beidseitigen Lippenspalte in der Universitätsklinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastischen Gesichtschirurgie des halleschen Universitätsklinikums operiert. Nach operativer Behandlung der Lippenspalte erfolgte nun, als zweiter Schritt, der Verschluss des Gaumens. „Da Erti in seiner Heimat nicht – wie in Deutschland üblich – mit einer Trinkplatte zur Trennung der Mundhöhle vom Nasenraum versorgt wurde, konnte er außer Milch bisher nichts zu sich nehmen, konnte nicht sprechen und „verschluckte“ von Zeit zu Zeit seine Zunge“, sagte Frau PD Dr. Dr. Konstanze Scheller, die behandelnde Ärztin in Halle.

Ein operativer Verschluss einer derartigen Spaltbildung ist im Kosovo nicht möglich. Auch die bei Kindern mit einer Spaltbildung wichtigen HNO-ärztlichen Kontrollen erfolgten am Heimatort nicht und somit wurde nicht bemerkt, dass der kleine Junge fast taub war.

Mit einer beidseitigen Lippen-Kiefer-Gaumenspalte war Erti Mehmetaj im September 2013 in sein Leben gestartet. Eines von 500 Neugeborenen wird mit dieser Fehlbildung geboren. Diese stellt eigentlich kein Problem dar, denn es gibt sehr gute Behandlungsmethoden, diese Fehlbildung zu beheben. Funktionen wie Sprechen, Gehör und Nahrungsaufnahme können sich dann ganz normal entwickeln. Doch der kleine Junge wurde im Kosovo in einem kleinen Dorf geboren. Die Lebensumstände der Familie sind schlecht und eine medizinische Versorgung der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte im Kosovo nicht möglich.

Mit großem Engagement wurde Erti nun erneut im Universitätsklinikum Halle (Saale) unentgeltlich behandelt. Im Interview erläuterte Frau PD Dr. Dr. Scheller: „Neben dem Gaumenspaltverschluss durch die MKG-Chirurgie konnte die Schallleitung durch die HNO-Abteilung wieder hergestellt werden.“ Ab jetzt hat der Junge die Möglichkeit, erstmalig zu hören und mit seiner Umwelt zu kommunizieren. „Außerdem konnten wir die wesentlichen Voraussetzungen für eine normale Nahrungsaufnahme und Sprechfunktion durch Rekonstruktion des Gaumens schaffen.“ Als Erti und seine Verwandten sich drei Wochen nach der OP nun zur Kontrolle vorstellten, konnten sie uns mitteilen, dass Erti mittlerweile essen kann und nicht mehr nur von Milch ernährt werden muss.

Alle an der Behandlung beteiligten Ärzte aus MKG-Chirurgie, der HNO-Heilkunde und der Kieferorthopädie hoffen, dass Erti in den kommenden Wochen weitere Fortschritte machen und eine glückliche Kindheit haben wird.

Quelle: Universitätsklinikum Halle (Saale), Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg