Turbulent und doch einfühlsam – Inszenierung über Denkmale und ihre Sockel am Puppentheater Halle

v.l.:Mmakgosi Tsogang Kgabi, Lambert Mousseka Ntumba, Nico Parisius, Franziska Rattay © Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH, Falk Wenzel

[© Foto: Falk Wenzel] Dass das hallesche Puppentheater nicht im allgemeinen Puppenspiel-Mainstream mitschwimmt, ist allgemein bekannt. Mit seinen besonderen und international beachteten Inszenierungen macht es sich schon lange einen Namen. Jetzt hat das Team  aber mit der Uraufführung von „Rettet die Sockel! – Save the pedestrals!“ noch eins draufgesetzt, denn besondere Puppen und eine Kooperation mit der Handspring Puppet Company sorgen für Aufmerksamkeit.

Grundlage für die Inszenierung ist die Erzählung »Save the Pedestals« des südafrikanischen Autors Ivan Vladislavić. Robyn Orlin hat das Stück in Szene gesetzt. Sie ist in Johannesburg geboren, erhielt eine Ausbildung in zeitgenössischem Tanz  und in Bildender Kunst  und arbeitet als Choreografin und Regisseurin.  International beschäftige Schauspieler als Gäste agieren zusammen mit dem Ensemble aus Halle in einem turbulenten Spiel und bringen die übergroßen Puppen zum Leben. Es geht um Denkmale – Monumente der Geschichte. Sie werden zerstört  oder bleiben erhalten wenn ihre Zeit aus historischer Sicht eigentlich schon abgelaufen ist. Viele alte Herren, von denen Fotos gezeigt werden, wollen auch heute einen bedeutenden Platz in der Geschichte bekommen.

Die Zuschauer erleben mit den überdimensionierten Puppen „Comrade A“ und „Ma Z“ (Puppendesign  Adrian Kohler/Handspring Puppet Company) deren Träume und ihr bewegtes Leben. Comrade A war Gewerkschaftler, saß in Haft, kommt aus Kapstadt und liebt die italienische Küche. Ma Z aus Pretoria isst besonders gern chinesisch und hasst Alpträume und Feuer. Beide sind von dem Gedanken um die Denkmale und ihre Sockel  bewegt.

In der intimen Atmosphäre des Dock 2 im Puppentheater kommen die Zuschauer den Puppen sehr nah, werden zum Mitspielen animiert und können sogar mittanzen. Wann hat man schon einmal Puppenspieler gesehen, die in die Puppen steigen, um sie zu bewegen! Trotz erheblichem Kraftaufwand beim Führen der Puppen ist den Schauspielern die Anstrengung nicht anzumerken, weder Lambert Mousseka Ntumba (Gast), der die Puppe allein führt, noch Mmakgosi Tsogang Kgabi (Gast), die  Unterstützung von Franziska Rattay, Ivana Sajevic und  Nico Parisius erhält. Alle fünf Akteure sorgen für ein lebhaftes  und doch einfühlsames Spiel, das mit Filmeinspielungen, z. B. vom Sturz eines Lenindenkmals, und Live-Aufnahmen aus den Kameras in den Puppen unterstützt wird. Es wird nachgedacht, diskutiert, getanzt und gegessen, bunte Stoffe schweben über die Bühne, es wird gelebt. Die temperamentvolle Inszenierung lässt den Zuschauern keine Zeit für Langeweile. Eine gelungenes Spiel, das wohl noch eine Weile vor ausverkauftem Saal aufgeführt werden wird.

Es gibt auch eine Fassung mit französischen Intermezzi, zu sehen am 17. Oktober um 18 Uhr in Halle. Jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn gibt es eine Einführung in den Abend.

 

Gisela Tanner

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