Stunde der Komödianten – ein Klassentreffen der besonderen Art am Neuen Theater Halle

©Foto: Julia Fenske - v.l.n.r.: Peter W. Bachmann, Joachim Lätsch, Nicole Haase, Michael Kind, Thomas Rühmann, Elke Richter ©Theater, Oper und Orchester GmbH Halle;
©Foto: Julia Fenske - v.l.n.r.: Peter W. Bachmann, Joachim Lätsch, Nicole Haase, Michael Kind, Thomas Rühmann, Elke Richter ©Theater, Oper und Orchester GmbH Halle;
©Foto: Julia Fenske – v.l.n.r.: Peter W. Bachmann, Joachim Lätsch, Nicole Haase, Michael Kind, Thomas Rühmann, Elke Richter
©Theater, Oper und Orchester GmbH Halle;

[©Foto: Julia Fenske] Dem Wein sagt man ja nach, dass bestimmte Jahrgänge besonders erfolgreich seien. Scheinbar trifft das auch auf ausgewählte Jahrgänge an Schauspielschulen zu. So hat nt-Intendant  Matthias Brenner seine ehemaligen Kommilitonen des Jahrgangs 1979 an der Staatlichen Schauspielschule Berlin um sich versammelt, um unter der Regie von Michael Kind – vom gleichen Jahrgang – ein Klassentreffen zu veranstalten. Diese Stunde der Komödianten, die fast drei Stunden dauerte, vereinte so bekannte Schauspieler wie Thomas Rühmann,  Joachim Lätsch, Joachim Nimtz, Jens-Uwe Bogadtke –  nicht zu vergessen die Damen Nicole Haase und Franziska Hayner – auf der Bühne. Ja, und Elke Richter und Peter W. Bachmann dürften den Hallenser als Mitglieder nt-Ensembles bestens bekannt sein. Manuel Soubeyrand war zur Premiere erkrankt. Auch unter das Premierenpublikum hatten sich bekannte Größen aus Funk und Fernsehen gemischt.

Die Szenen waren teils geplant und teils improvisiert. Umrahmt wurden sie von dem wunderbaren Konrad „Conny“ Bauer, der auf seiner Posaune Jazz vom Feinsten improvisierte. Unterstützt hat ihn dabei Petra Straussová, die erklärende Texte verlas und in der Pause eine Kostprobe ihrer  tänzerischen Fähigkeiten gab. Das Bühnenbild, ein langer Tisch für die Schauspieler rechts und eine Rampe für den Musiker und die Sprecherin links, im Hintergrund wurden auf einer großen Leinwand Fotos und Filme eingespielt.

Schnell kam das „Treffen“ in Schwung. Man stellte sich vor und gab gleich einige „Solonummern“ zum Besten, so Joachim Nimtz seine verkürzte Form vom Rotkäppchen. Seine Kollegen behaupteten mit einem Augenzwinkern, der Vortrag sei besser gewesen als  damals zur Bewerbung.

Viele der Akteure hatten als „gelernte DDR-Bürger“ – wie damals gewünscht – zunächst eine „handfeste Ausbildung“ absolviert, ehe sie an die Schauspielschule kamen. Man spielte schon zu Studienzeiten gemeinsam z.B. am Berliner Ensemble und später tourte man mit dem Wandertheater „Schlampampe“ durch Thüringen.  Dann trennten sich die Wege, oft gab es Festanstellungen an den Bühnen der Republik, in Berlin, Dresden, Schwerin, Thüringen und anderswo. Die Wende war für viele der Schauspieler eine Zäsur, sie wurden aus ihren festen Ensembles entlassen,  wurden freie Schauspieler, führten Regie und gründeten eigene Theater. Zum Schluss des ersten Teils entbrannte noch ein Streit über die Vor- und Nachteile einer langjährigen Festanstellung als Schauspieler, war er improvisiert oder von der Regie vorgesehen?

Der zweite Teil war den einzelnen Schauspielern vorbehalten, sie berichteten über ihr Leben, ihre Arbeit,   ihre Projekte und wie sie mit ihren aktuellen Rollen verwechselt werden. So hat Thomas Rühmann nicht nur das „Theater am Rande“ gegründet, sondern ist auch Chefarzt in der beliebten Fernsehserie „In aller Freundschaft“ und Joachim Lätsch ist als Koch in „Sturm der Liebe“ unterwegs. Als das Theater im Palast in Berlin geschlossen wurde, gründete Jens-Uwe Bogadtke das „Theater im Palais“, das noch heute Bestand hat. Das sind nur einige der Erfolgsgeschichten, die die ehemaligen Kommilitonen mit viel Witz und Begeisterung, aber auch Nachdenklichkeit auf die Bühne bringen. Das Publikum jedenfalls war begeistert.

Diesen besonderen Theaterabend sollte man sich nicht entgehen lassen!

Gisela Tanner

©Foto: Julia Fenske – v.l.n.r.: Peter W. Bachmann, Joachim Lätsch, Nicole Haase, Michael Kind, Thomas Rühmann, Elke Richter
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