Spring Awakening – Musical über den schwierigen Weg in die Erwachsenenwelt

Spring Awakening - Kinder- und Jugendchor der Oper Halle Foto: Anna Kolata

[Foto: Anna Kolata] Dem Intendanten der Oper Halle,  Florian Lutz, hüpfte am Premierenabend des Musicals „Spring Awakening“ bestimmt vor Freude das Herz. Soviel geballte Jugend-Power auf der Bühne und im Saal! So holt man junge Leute in die Oper.

Man hatte sich ein Musikstück nach dem Jugenddrama „Frühlings Erwachen“ von Frank Wedekind vorgenommen, das schon auf dem Broadway zur Aufführung kam:  Spring Awakening mit Musik von Duncan Sheik und Texten von Steven Sater. Die Inszenierung übernahm  Hansjörg Zäther, der in Halle schon Erfolge mit dem Musical „13“ – damals mit gecasteten Schüler-Laiendarstellern – feiern konnte. Beim aktuellen Musical übernahm der Kinder- und Jugenchor der Oper die Rollen, unterstützt von  Barbara Zinn und  Joachim Unger vom neuen theater Halle, die gleich sämtlich Erwachsenen-Parts übernahmen.

Nun fallen ja Musical-Darsteller bekanntlich nicht vom Himmel.  Stimmschulung  und intensives Körper- und Tanztraining sind erforderlich, um den Abend auf der Bühne zu bewältigen. Peter Schedding, der nicht nur die Band leitete, sondern auch für die musikalische Einstudierung verantwortlich war, sorgte dafür, dass die jungen Darsteller die musikalischen Anforderungen mit Bravur bestanden, auch wenn die Songs stimmlich durchaus eine Herausforderung waren.  Rafal Zeh hat die Choreografie übernommen. Das Publikum erlebte eine reife Leistung von allen Ensemblemitgliedern. Genannt seien hier Rebekka Scheufler als Wendla Bergmann, Anton Huschka als Melchior Gabor, Fabian Krystossek als Moritz Stiefel und Lia Weiß als Ilse Neumann. Sie gehören alle zum Ensemble „Rot“, am nächsten Tag hatte „Ensemble Grün“ Premiere. Beeindruckend auch die Wandlungsfähigkeit der beiden erwachsenen Darsteller Barbara Zinn und  Joachim Unger. Ein Lob gilt auch der gut aufgelegten Band!

Nun bestand ja durchaus die Gefahr, dass das Musical etwas altbacken daher kommt, Frank Wedekind schrieb sein „Frühlings Erwachen“ schließlich im Jahr 1891. Welcher Lehrer läuft heute noch mit Rohrstock herum und welcher Jugendliche hat noch nichts vom „Kindermachen“ und Verhüten gehört? Auch Latein paukt heute ja eher eine Minderheit von Schülern, und doch sind die Probleme in der Neuzeit nicht geringer geworden, stetiger Leistungsdruck, oft nur mit Nachhilfslehrer zu bewältigen, Zukunftsangst und eine Gesellschaft, die mit überbordenden Reizen und vielen offenen Fragen auf die Heranwachsenden einwirkt, nicht zu vergessen die Eltern, die ihre Kinder auf die Erfolgsspur bringen wollen. Erwachsen werden hat also durchaus auch heute noch etwas Schwieriges.

Am Premierenabend schlug der Funke nach wenigen Minuten auf das Publikum über, Szenenapplaus, gespannte Stille und Staunen, wie professionell auch die homoerotische Szene dargestellt wurde.  Die Jugend steckte die erwachsenen Besucher mit ihrer Begeisterung an, und am Schluss dann tosender Applaus und Standing Ovations,  so geht publikumswirksames Theater!

 

Gisela Tanner

 

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