Silbergegenstände aus ehemals jüdischem Besitz – Restitution und Übergabe als Dauerleihgabe an die Moritzburg Halle

©Gisela Tanner v.l. Rainer Robra, Thomas Bauer Friedrich, Roman Haller

Hohen Besuch hatte in der vorigen Woche, am 28. Juni, das Kunstmuseum Moritzburg: Rainer Robra, Kulturminister Sachsen-Anhalts,  Roman Haller, Jewish Claims Conference (JCC), Dr. Uwe Hartmann, Bereichsleiter Provenienzforschung bei der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste und Yvonne Mundt vom Bundesamtes für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen. Es ging um die Restitution von Kunst- und Gebrauchsgegenständen aus ehemals jüdischem Besitz.

Restitution von Silbergegenständen aus jüdischem Besitz in der Moritzburg

Die Objekte   – insgesamt 17 – sind schon seit 1940 im Bestand der Moritzburg. Sie wurden ihren Besitzern ab 1933 NS-verfolgungsbedingt  entzogen und in Leihämter verbracht.  Eine Verordnung von 1938 zwang Juden, Schmuck, Kunstwerke und andere Wertgegenstände an festgelegte Pfandleihanstalten zu übergeben, ein weiterer Akt der Entrechtung und Verdrängung, dessen endgültige grausame Folgen allgemein bekannt sind.

Restitution von Silbergegenständen aus jüdischem Besitz in der Moritzburg

Das Museum erwarb die Objekte zu dieser Zeit vom Leihamt der Stadt Halle. Warum der Erwerb stattfand, ist noch nicht endgültig geklärt, sollten doch diese Gegenstände eigentlich eingeschmolzen werden. Eventuell sollten die Objekte einem geplanten Institut für Regionalwissenschaften zugeführt werden, in dem das Judentum diffamiert werden sollte.

Restitution von Silbergegenständen aus jüdischem Besitz in der Moritzburgv.l.Claus Rokahr, Roman Haller

Um die rechtmäßigen Besitzer zu ermitteln, fand  von 2011 bis 2013 am Museum eine intensive Provenienzrecherche statt, ohne aber die Eigentümer ermitteln zu können. Die Unterlagen des Leihamtes existieren nicht mehr. Auch weitere Forschungen in unterschiedlichen Archiven brachten keine Ergebnisse. Deshalb wurden die Objekte formal an den JCC restituiert. (Mehr zur Arbeit der JCC auf der Webseite.)

Die Unterzeichnung der Verträge fand am 28. Juni 2017 unter starkem medialen Interesse in der Moritzburg statt. Ein weiterer Vertrag mit dem JCC sorgt dafür, dass die Objekte als Dauerleihgabe in der Moritzburg verbleiben dürfen. Museumsdirektor Bauer Friedrich ist erfreut über den Verbleib der Objekte, weil sie so der Öffentlichkeit weiterhin zugänglich sind. Sie werden im Schaudepot zu besichtigen sein.

Restitution von Silbergegenständen aus jüdischem Besitz in der Moritzburg v.l. Rainer Robra, Thomas Bauer Friedrich, Roman Haller

Zu den 17 restituierten Objekten gehören  3 Besamimbüchsen aus dem späten 18. Jahrhundert,  aber auch kunsthistorisch wertvolle Jungfernbecher aus dem späten 17. Jahrhundert.

Text und Fotos: Gisela Tanner nach Informationen der Moritzburg

Restitution von Silbergegenständen aus jüdischem Besitz in der Moritzburg v.l. Claus Rokahr, Roman Haller

 

Restitution von Silbergegenständen aus jüdischem Besitz in der Moritzburg