Schahrazade – Premiere einer wieder entdeckten Oper

Gerd Vogel, Anke Berndt (v.l.n.r.) Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH, Copyright: Falk Wenzel
Gerd Vogel, Anke Berndt (v.l.n.r.) Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH, Copyright: Falk Wenzel
Gerd Vogel, Anke Berndt (v.l.n.r.) Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH, Copyright: Falk Wenzel

Zum Schlussapplaus standen nicht nur Sänger und Statisten, sondern auch die Musiker der Staatskapelle Halle mit ihrem Dirigenten, GMD Josep Caballé-Domenech, auf der Bühne, ein beeindruckendes Bild. Diese Opernpremiere war in mehrfacher Sicht etwas Besonderes. Die Oper Schahrazade des Komponisten Bernhard Sekles galt nach dem zweiten Weltkrieg lange Zeit als verschollen, erst der hallesche Opernintendant Axel Köhler hat sie wieder auf die Bühne gebracht, nachdem die Partitur dank der halleschen Oper in Bibliotheken Münchens und Stuttgarts aufgespürt wurde. Außerdem war diese Premiere für den neuen Generalmusikdirektor der Staatskapelle Halle, Josep Caballé-Domenech, der Einstand im halleschen Opernhaus.

Das Libretto zur Musik von Sekles hatte Gerdt von Bassewitz geliefert. Die Handlung spielt im Orient und bedient sich der dramatischen Entstehungsgeschichte der Märchen „Aus Tausendundeiner Nacht“, eine Steilvorlage für opulente Bühnenbilder (Arne Walther als Gast) und Kostüme (Henrike Bromber als Gast).

Es herrschten schon raue Sitten damals im Orient, die selbst Zuschauern der Neuzeit – durch ständige Berieselung mit Horrorgeschichten abgebrüht – das Fürchten lehren. Der Kalif Schahryar (Gerd Vogel) wird von seiner Ehefrau betrogen und lässt nicht nur diese umbringen, sondern holt sich danach Jungfrauen für nur eine Nacht und lässt sie am Morgen danach köpfen. Sein Großwesir Said-Fares (Ki-Hyun Park) hat die undankbare Aufgabe, dem Kalifen jede Nacht eine neue Jungfrau zuzuführen. Aus gutem Grund hält er seine eigenen Töchter Schahrazade (Anke Berndt) und Dunyazade (Ines Lex) von ihm fern.

Nach drei Jahren mussten so schon über 1000 Frauen für den Kalifen ihr Leben lassen. Das Volk und auch der Großwesir verachten ihn dafür, aber keiner leistet Widerstand. Erst als der Sohn des Großwesirs Omar (Ralph Ertel) seine Geliebte unter den Jungfrauen entdeckt, versucht er, den Kalifen umzubringen, muss aber selbst mit dem Leben bezahlen. Großwesir Said-Fares kann nicht verhindern, das seine Tochter Schahrazade den besessenen Kalifen bekehren will. Dieses gelingt ihr auch, aber sie muss Schahryar tausend Nächten lang Märchen erzählen.

Josep Caballé-Domenech schwelgt mit seinen Musikern in der Opulenz des Orients und hat damit beim halleschen Opern-Publikum einen beeindruckenden Einstand gegeben. Gerd Vogel – Kalif Schahryar – begeisterte die Zuschauer mit einer überzeugenden Leistung ebenso wie Ki-Hyun Park als Großwesir Said-Fares. Sehens- und hörenswert auch Anke Berndt als gutgläubige Tochter des Wesirs. Dem Publikum hat es gefallen und auch MDR Figaro und Deutschlandradio Kultur war die Premiere eine Life-Übertragung wert.