Sachsen-Anhalt: Weniger Bewerber als Ausbildungsstellen

MLU ©saalereporter
MLU ©saalereporter
MLU ©saalereporter

Jugendliche in Sachsen-Anhalt sind heiß begehrt am Arbeitsmarkt. Da es weniger Bewerber als Ausbildungsstellen gibt, werben Universitäten intensiv um junge Studierende und am Arbeitsmarkt hat die Arbeitslosigkeit von Jugendlichen unter 25 Jahren einen historischen Tiefstand erreicht. Junge Menschen in Sachsen-Anhalt haben heute beste Chancen. Eine Grundvoraussetzung ist dennoch notwendig.

Die Zahl der in Sachsen-Anhalt lebenden Jugendlichen sinkt weiter

Rund 325.500 Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren lebten noch 1993 in Sachsen-Anhalt. Rund 20 Jahre später ist die Zahl auf 208.500 gesunken. Die Abwanderung und der Geburtenknick sind die wesentlichen Faktoren für diese Entwicklung. Das wirkt sich zwangsläufig auf die Schulabsolventen aus. Deren Zahl hat sich nach Angaben der Kultusministerkonferenz von 34.000 im Jahr 2008 auf nunmehr rund 20.000 reduziert.

„Wir gehen in diesem Jahr erstmals wieder von leicht steigenden Zahlen bei den Schulabsolventen aus, die bis 2016 auf 22.400 ansteigen werden. Dennoch ist die geringe Zahl junger Menschen eine Herausforderung für die Unternehmen in Sachsen-Anhalt“, sagt Kay Senius, Chef der Arbeitsagenturen in Sachsen-Anhalt.

Bis zu 1.000 Ausbildungsplätze könnten unbesetzt bleiben

Der Gruppe der Absolventen mit allgemeinem Hochschul- oder Fachhochschulabschluss ist durch eine hohe Studierneigung geprägt, die dem Ausbildungsmarkt eher nicht zur Verfügung steht. Das spüren auch Unternehmen, die Auszubildende suchen. Auf dem Ausbildungsstellenmarkt in Sachsen-Anhalt sind aktuell noch 4.300 Ausbildungsstellen unbesetzt. Dem stehen aber nur noch 3.900 unversorgte Bewerber gegenüber. „Vor einigen Jahren haben wir mit Unternehmen noch um jeden zusätzlichen Ausbildungsplätze gerungen, in diesem Jahr werden wir trotz aller Anstrengungen der Arbeitsagenturen bis zu 1.000 Ausbildungsplätze nicht besetzen können“, beschreibt Senius die Situation.

Das sei auch für die Unternehmen schwierig. Dabei bieten auch viele Ausbildungsplätze berufliche Perspektiven. „Vom Studieren sollte niemand abgehalten werden, dennoch bieten auch verschiedene Ausbildungsstellen perspektivisch abwechslungsreiche und anspruchsvolle Karriere- und Verdienstmöglichkeiten“, so Senius.

Großen Bedarf gibt es in den Branchen der Gesundheits- und Pflegeberufe und in der Metall- sowie Elektrobranche. In diesen Bereichen haben Jugendliche in Sachsen-Anhalt die besten Chancen, einen Ausbildungsplatz zu erhalten.

Der Ausbildungsstellenmarkt hat sich regional grundlegend gewandelt. „Vor einigen Jahren hatten wir deutlich mehr Stellen als Bewerber. Die Situation spüren die jungen Menschen jetzt in einigen westdeutschen Flächenländern, etwa in Nordrhein-Westfalen. Jugendliche in Sachsen-Anhalt müssen für eine Ausbildung nicht mehr das Land verlassen. Wir haben hier günstige Rahmenbedingungen“, macht Senius deutlich.

Hohe Zahl an Abgängern ohne Abschluss

Für Jugendliche sind die Perspektiven am Arbeitsmarkt günstig – aber nicht zu jedem Preis. Sorgen bereitet Senius die immer noch hohe Zahl an Schulabgängern ohne Abschluss. Auch im Jahr 2011 hat immer noch jeder zehnte die Schule ohne Abschluss verlassen. „Ein Schulabschluss ist aber wichtige Voraussetzung für die berufliche Karriere. Unsere Erfahrungen zeigen, dass vor allem Niedrigqualifizierte auf dem Arbeitsmarkt häufig nicht Fuß fassen können“, sagt Senius.

Zwar geben mittlerweile viele Unternehmen auch jungen Menschen ohne Schulabschluss eine Chance. „Wem das Lernen in der Schule nicht liegt, kann dennoch Talente entfalten, die nur abgerufen werden müssen“, schränkt Senius ein. Dennoch sei der Schulabschluss das wirksamste Mittel, um am Arbeitsmarkt bestehen zu können. Das belegen auch die Arbeitslosenzahlen. Rund 15 Prozent der arbeitslosen jungen Menschen haben keinen Schulabschluss, mehr als 40 Prozent keinen Berufsabschluss.

Jugendarbeitslosigkeit gesunken

Generell ist die Jugendarbeitslosigkeit zwischen Arendsee und Zeitz gesunken. Rund 11.200 Arbeitslose unter 25 Jahren sind derzeit in Sachsen-Anhalt gemeldet, knapp 900 weniger als vor einem Jahr. Dabei sind die Zahlen im Sommer besonders hoch, weil sich Schulabgänger und Auszubildende mit Abschluss gleichermaßen melden. Im Herbst gehen die Zahlen deutlich zurück.

Quelle: BA regional