Saalereporter-Buchgeschenktipp: „Müntzer – keine Randbemerkung der Geschichte“ vom Verlag Janos Stekovics

Müntzer - Keine Randbemerkung der Geschichte ©Verlag Janos Stekovics

Alle Welt redet in diesem Jahr über Martin Luther, aber was ist mit Thomas Müntzer? Schon zu Lebzeiten wurde er selbst von Luther herabgewürdigt und nach seinem Tod sollte er völlig aus dem Gedächtnis der Menschen gestrichen werden. Wurde er doch einmal erwähnt, dann meist in polemischer Form. Noch heute scheiden sich an ihm die Geister.

Glücklicherweise hat sich der Verlag „Janos Stekovics“ jetzt in einem prächtigen Bildband mit diesem Aspekt der Geschichte beschäftigt, ganz aktuell und sehr ausführlich. Herausgegeben wurde das Buch vom Landkreis Mansfeld-Südharz und der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt. Hochwertige Fotos von Janos Stekovics sind das Herzstück dieses besonderen Werkes.  Mehr als zehn Autoren beleuchten in ihren Beiträgen das Leben des streitbaren Reformators, der u.a. für die Führung des  erfolglosen Bauernaufstandes in Thüringen bekannt wurde.

Müntzer, so erfahren wir, hielt sich in den wichtigsten Phasen seines Lebens in Sachsen-Anhalt und Thüringen auf, geboren im Harzstädtchen Stolberg und ausgebildet in Quedlinburg. Zu seinen Wirkungsstätten gehörten Allstedt und Mühlhausen.

Freuen kann sich der Leser über die aktuellen Fotos der Kulturlandschaft Mannsfeld-Südharz, der Städte Eisleben, Sangerhausen, Stolberg, Mansfeld  und der Landschaft rund um den süßen See. Die Landschafts- und Städtefotos sind genauso beeindruckend wie die Abbildungen der Innenräume von Kirchen und weltlichen Gebäuden. Wer wusste schon, dass das Gebiet des heutigen Landkreises Mansfeld -Südharz zu den siedlungsfreundlichsten Gebieten Europas gehört?

Über Müntzers Wirken in Allstedt informieren die Autoren genauso wie über seine Aktivitäten im Bauernkrieg. Beeindruckend sind die Fotos vom Schloss Stolberg, in dem die Deutsche Stiftung Dankmalschutz als Besitzerin die umfangreiche Erneuerung und Instandhaltung fördert, aber auch vom Kloster Helfta in Eisleben. Drucke von Flugblättern aus der Zeit Müntzers sind im Buch genauso zu sehen wie Abbildungen von Wappen, Landkarten oder Briefmarken. Auch ein Ausschnitt aus dem Panoramagemälde von Werner Tübke „Frühbürgerliche Revolution in Deutschland“ ist im Buch abgebildet.

Alle, die vor 1989 in Ostdeutschland aufgewachsen sind, wird der Beitrag von Frank Britsche über Thomas Müntzer im Spiegel ostdeutscher Schulbücher besonders interessieren. Nicht nur auf dem Fünf-Mark-Schein war er sozusagen täglich präsent, auch Plätze und Straßen erhielten seinen Namen. Historisch wurde ihm die Rolle eines Sozialrevolutionärs zugesprochen.

Mit seinen wunderbaren Fotos aus der Gegenwart und den aufschlussreichen historischen Betrachtungen und Abbildungen aus der Zeit Müntzers ist dieses Buch ein wahrer Schatz für alle, die sich dieser besonderen Kulturlandschaft und dem Leben und Wirkungsorten  Thomas Müntzers verbunden fühlen.

Gisela Tanner