Reckless – Thalia Theater im Opernhaus mit Feen, Goyls und versteinerten Menschen

recklessKinder sind ein ehrliches Publikum, sie zeigen ihre Begeisterung genauso wie ihren Unmut direkt und ohne Hemmungen, und sie sind noch offen für Details. „Der Schneider ist cool“, davon war ein junger Zuschauer bei der Premiere von „Reckless – steinernes Fleisch“ am Dienstagvormittag überzeugt. Ort des Geschehens war das Opernhaus, in dem sich die Schauspieler des Thalia Theaters unter der Regie von Christoph Werner dem Stück  widmeten. Entstanden ist das Werk nach dem gleichnamigen Buch von Cornelia Funke, der weltweit bekannten Schriftstellerin, die ihre Leser mit ihren fantasievollen Geschichten verzaubert.

Fantasievoll ging es auch im Opernhaus zu. Mittelpunkt sind die Brüder Jacob und Will Reckless. Jacob ist auch ein Schatzfinder. Will entdeckt eines Tages, dass sein Bruder hinter einem Spiegel verschwindet und folgt ihm zusammen mit Freundin Clara. Die hat später noch eine wichtige Funktion zu erfüllen. Sonderbare Wesen tauchen in der Welt hinter dem Spiegel auf, so der Fuchs, der sich als Gestaltwandlerin entpuppt, eine dunkle Fee, ein König, ein Kommandant und ein Soldat. Letztere gehören zu dem Volk der Goyls. Wird ein Mensch von einem Goyl verletzt, beginnt er zu versteinern.

So erging es auch Will, und schnell zeigt sich der Jade-Stein an seiner Hand. Jacob muss ihn retten bevor er völlig versteinert, denn dann ändert sich auch sein Wesen. Zwerg Valiant soll Jacob beim Retten helfen, da er ihm noch etwas schuldet. Zwischendurch taucht noch das tapfere Schneiderlein auf, und das ist nicht die einzige Anlehnung an die grimmschen Märchen, auch im Dornröschenschloss finden sich die Akteure wieder. Wie die Geschichte ausgeht …  einfach selbst schauen, es lohnt sich.

Fantsievolle Kostüme für Menschen, Könige, Feen und Goys (Angela Baumgart Bühne und Kostüm) sorgen ebenso für eine gelungene Inszenierung wie eine besondere Bühnentechnik. Auf eine bewegliche bühnengroße Leinwand werden Videos (Video: Conny Klar) projeziert, die mit dem Bühnenbild verschmelzen, dadurch wird eine perfekte Illusion geschaffen. Taucht z.B. die Fee in die Leinwand, erscheint dort zeitgleich ein großer knorriger Baum.

Das Hauptaugenmerk aber gilt den Schauspielern, das gesamte Thalia Ensemble ist in Aktion, teilweise gleich in mehreren Rollen. Jacob (Harald Höbinger) kämpft um seinen Bruder Will (Justus Verdenhalven) genauso wie Freundin Clara (Sophie Lochmann). Fuchs, eine Gestaltwandlerin (Marie Bretschneider) schleicht auf leisen Pfoten über die Bühne und mit den Goys (Enrico Petters und Louise Nowitzi ) lauert auf hohen Sohlen die Gefahr auf die Menschen. Marionettengleich folgt Goyl-König Kami´en (Jörg Kunze) der dunklen Fee ( Natascha Mamier). Für heitere Momente sorgen Zwerg Valiant (Frank Schilcher), der emsig über die Bühne rollt und das tapfere Schneiderlein (Hartmut Jonas), das ständig aufgeregt und mit hyperventilierender Stimme über die Bühne hüpft. Eine gelungene Regiearbeit von Christoph Werner, die Zuschauer jeden Alters in eine fantastische Welt eintauchen lässt.

„Reckless“ wird für Kinder ab 8 Jahren empfohlen.
Die nächsten Vorstellungen sind am 26. Februar und am 12. März 2013  jeweils um 10.00 Uhr in der Opernhaus.

Text: Gisela Tanner www.webredakteurin.com

Foto: Gert Kiermeyer;  Sophie Lochmann, Marie Bretschneider, Harald Höbinger, Frank Schilcher