Patriks Trick – ein dynamisches Spiel um Behinderung und Inklusion im Schaufenster der neuen theaters Halle

v.l.n.r.: Frank Schilcher, Max Radestock © Theater-, Oper und Orchester GmbH Halle, Foto: Anna Koloata

[Foto: Anna Kolata] Aus vielerlei Gründen ist beim Thema „Bühnen Halle“ der Focus z.Z. auf andere Spielstätten als das Thalia- und das neue theater gerichtet. Das ist schade, denn so verpasst vielleicht der eine oder andere die beeidruckenden Produktionen, die diese Theater in der aktuellen Spielzeit auf die Bühne bzw. ins Schaufenster gebracht haben. Letzteres ist wohl die kleinste Spielstätte, die das Theater zu bieten hat und schafft eine besonders intime Atmosphäre zum Zuschauer. Kürzlich hatte dort das Stück „Patricks Trick“ von Kristo Sagor Premiere.

Dass man das Thema Behinderung und Inklusion durchaus auch mit Augenzwinkern und heiteren Momenten darstellen kann, beweisen Frank Schilcher – als Valentin und in vielen anderen Rollen – und  Max Radestock – als Patrick und auch in variablen Rollen.  Sie wirbeln über die Bühne und schlüpfen in unterschiedliche Charaktere, so dass man aus dem Staunen nicht mehr heraus kommt. Doch worum geht es? Patrick belauscht seine Eltern bei einem Gespräch und erfährt, dass er einen Bruder bekommen wird. Die Freude darüber ist etwas eingetrübt, weil er auch hört, dass dieser wahrscheinlich beim Sprechen behindert sein wird. Nachdem Patrick sich seinem Freund Valentin anvertraut hat, tut er genau das Richtige. Er wartet nicht ab, sondern macht sich auf den Weg, um mehr über die Sprache zu erfahren.

Er trifft den Kroaten Daniel, nun ja, der spricht ja auch etwas anders als gewohnt – und einen Boxtrainer. Da müssen die Zuschauer schon mal das Seil vom Boxring halten. Auch seine Lehrerin, Frau Schlepper, kommt zu Wort – wunderbar dargestellt von Frank Schilcher. Dreh- und Angelpunkt des Bühnenbildes sind zwei überproportional große Stühle, die von den Schauspielern je nach Situation umgestellt werden, und punktgenaue Lichtwechsel zum Trennen der Szenen. Frank Schilcher merkt man bei seinem dynamischen Spiel die Balletterfahrung an und Max Radestock, der schon im Studio spielte, in dieser Spielzeit ins feste Ensemble des nt zu holen war auch eine gute Idee!

Regie führt bei „Patricks Trick“ Matthias Thieme, für Bühne und Kostüme zeichnet Nicolaus-Johannes Heyse und für die Dramaturgie Bernhild Bense verantwortlich. Angelegt ist die Aufführung für Kinder ab neun Jahren, aber auch ältere Zuschauer werden auf ihre Kosten kommen.

Gisela Tanner

 

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