Paddeln in der halleschen Stadtrunde einschließlich der Wilden Saale

©Foto - hans Jürgen Paasch

Unser Autor Hans-Jürgen Paasch hat bei seiner Paddeltour durch Halle auch die Wilde Saale befahren und sich dabei Gedanken über den Naturschutz gemacht:

Am 8. Juli wurde die „Wilde Saale“ für das Befahren mit Fahrzeugen ohne Motorkraft freigegeben. Saalereporter.de hat bereits darüber berichtet.

Die Wilde Saale begrenzt die Peißnitzinsel im Westen und war bisher für jeden Bootsverkehr gesperrt. Vom 1. April bis zum 31. Oktober ist nun das Befahren mit Muskelkraft von neun bis neunzehn Uhr erlaubt. Nachdem in Leipzig ein Paddel-Rundkurs geschaffen wurde, sollte es das auch in Halle geben. Bisher war die Wilde Saale, streng geschütztes FFH-Schutzgebiet, naturbelassen und durch umgestürzte Bäume, Sandbänke und Schlamm versperrt. Im Frühjahr begann das
Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt die Strecke zu räumen. Zuerst passierte dies mit einem dazu ungeeigneten Schiff, welches schon durch seine enorme Größe für die Beräumung nur für Kanus ungeeignet war. Mehrere Bäume, zum Teil dickstämmige Laubhölzer wurden zur „Verkehrssicherung“ gefällt. Der BUND Regionalverband Halle-Saalekreis gab in mehreren Vor-Ort-Terminen mit der Stadt Empfehlungen zur schonenden und naturverträglichen Fortführung der Arbeiten. Dies ist heute an der weiträumig beräumten Einfahrt und der ersten Strecke in der „Wilden Saale“ zu erkennen. Im weiteren Verlauf wurde dann versucht ohne Baumfällungen auszukommen. Einiges Totholz verblieb im Fluss. Dies soll nun auch ein Befahren mit Motorkraft oder Tretbooten ausschließen.

Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e. V. (AHA) war schon jeher gegen eine Öffnung, kritisierte massive Eingriffe, und versuchte die Arbeiten zu verhindern. Zur Sicherung des ökologischen Zustands wurden die vorhandenen Greifvogelhorste geschützt und an ungestörten Bereichen der Saale Steilwände als Alternativbrutplätze für den Eisvogel angelegt.

Und  nun zur Paddeltour …

Mitglieder im Deutschen Kanuverband (DKV) beginnen eine Erkundung der Stadt am Besten im Halleschen Ruderverein Böllberg von 1884 e. V. Hier kann sehr einfach eingesetzt werden und es kann die ganze Stadt erkundet werden, bevor es in den Rundkurs geht. Jedoch sind drei selbstbediente Stadtschleusen zu bewältigen. Meine Frau und ich beginnen beim Kanuverein 96 Halle e. V., die uns zwei Einer-Kajaks zur Verfügung stellt. Vom Böllberger Weg aus haben wir auch die Stadtschleuse an der Mansfelder Straße und die Schleuse am Sophienhafen zu durchfahren. Danach sind wir auch schon an der Peißnitzbrücke. Hier könnte sich auch ein „Interessierter“ ein Kajak oder Kanu ausleihen und die Runde beginnen. Eine Stunde sollte für die Strecke von etwas mehr als 2 Kilometern völlig ausreichen. Vorbei am Saalestrand der Ziegelwiese, weiter entlang des Riveufers erreichen wir in Sichtweite der Giebichensteinbrücke, wo es einen weiteren Verleiher gibt, den Zufluss der Wilden Saale.

Hinweisschild an der Wilden Saale

Das Hinweisschild gibt die zugelassenen Zeiten an und schließt Motor- und Tretboote aus. Wir befahren jetzt die Hartholzaue der nördlichen Peißnitzinsel. Das bedeutet auch, dass die einzigartige Natur nur beobachtet und nicht betreten wird. Wir versuchen die vielen zu beobachtenden Tiere nicht zu belästigen und Ruhe zu bewahren. Haben wir bei der Stadtdurchfahrt in der Saale einige Nutrias schwimmen sehen, so könnten es sich jetzt auch um Biber handeln. In der Aue hat sich eine einzigartige Fauna entwickelt, die gerade durch die regelmäßige Überflutung durch die Saale genau so entstanden ist. Also zeigen wir, dass sich auch ein Tourist oder Gelegenheitspaddler der Natur zuwendet und Zerstörungen vermeidet. Mit offenen Augen für die artenreiche Natur in der Mitte der Stadt Halle, fahren wir unter der Schwanenbrücke, der Brücke zum Peißnitzhaus und der Brücke zum Gut Gimritz bis zur Schafbrücke. Hier gibt es gerade bei niedrigem Wasserstand noch einmal eine sehr enge Stelle. Direkt gegenüber dem Stadthafen am Ende der Hafenstraße, treffen wir wieder auf die Saale. Wir paddeln links herum und erreichen bald den Ausgangspunkt an der Peißnitzbrücke. Oder schleusen, so wie wir, kurz vor der Brücke auf der rechten Seite zurück nach Böllberg.

Bitte beachtet auf jeden Fall das Aussteige-Verbot in der Wilden Saale. Der verantwortungsvolle Naturbeobachter nimmt jeden Müll wieder mit nach Hause. Auch durch eine ins Wasser geworfene Zigarettenkippe entsteht eine giftige Mischung, die ein Tier aufnehmen könnte. Seid euch bewusst, dass das Befahren des FFH-Schutzgebietes ein einmaliges Angebot ist.

 

Hans-Jürgen-Paasch (Text und Fotos)