Oper Halle – Tosca mit Gänsehautmomenten

vorn: Eduardo Aladrén (Mario Cavaradossi), Ks. Romelia Lichtenstein (Floria Tosca), dahinter: Chor und Extrachor der Oper Halle © Theater, Oper- und Orchester GmbH, Foto: Falk Wenzel

[Foto: Falk Wenzel] Eine weitere Oper  hatte in der ersten Spielzeit des neuen  Intendanten der Oper Halle, Florian Lutz,  Premiere. Am 26. November kam der  Klassiker „Tosca“ zur Aufführung, diesmal im altbekannten halleschen Opernambiente – Bühne – Orchestergraben – Zuschauerraum. In der Titelrolle der Floria Tosca war KS Romelia Lichtenstein zu erleben. Als Regisseur hat Lutz den mehrfach ausgezeichneten Jochen Biganzoli an die Oper geholt und als Gastsänger Eduardo Aladrén als Mario Cavaradossi sowie Peter Felix Bauer als Baron Scarpia. Das war eine außerordentlich gute Wahl, wie sich spätestens zur Premiere herausstellte.

Mit dabei waren auch Ki-Hyun Park als Cesare Angelotti und Gerd Vogel als Mesner. Die erste Überraschung, die Zuschauer konnten Romelia Lichtenstein, angekündigt vom Intendanten persönlich  und begleitet von einem Presse-Tross, schon vor Beginn der Vorstellung begrüßen, alles Darsteller, wie sich bald herausstellte. Diese Aktion war wohl der erste Hinweis darauf, dass Tosca einer Operndiva bedarf.

Schon nach wenigen Minuten – zuvor kam Ki-Hyun Park als Flüchtling Cesare Angelotti in den Saal  gehetzt – sprang der musikalische Funke von der Bühne auf die Zuschauer über, und das lag nicht nur an der wunderbaren Musik Puccinis.  Diesmal stimmte einfach alles. Die Interpretation der Staatskapelle Halle unter der Leitung ihres GMD  Josep Caballé-Domenech, das Zusammenspiel der Chöre mit den wunderbaren Solisten und das reduzierte Bühnenbild. Nur drei große erleuchtete Buchstaben – ART – dazu ein paar Utensilien und die unverkleidete Bühne. So entstand real und in der Fantasie das Umfeld für die dramatische Handlung, dem Beziehungsdrama zwischen der Sängerin Tosca, dem Maler Mario Cavaradossi und dem skrupellosen Polizeichef Baron Scarpia.

Die Zuschauer leiden mit Tosca, etwa wenn sie die herzergreifende Arie „Vissi d’arte“ singt oder mit dem sterbenden Maler  Mario Cavaradossi, wenn er aus dem Off in „E lucevan le stelle“ die Liebe zu seiner Tosca und zum Leben preist. Gänsehaut kommt auf, wenn zum Ende des ersten Aktes das Tedeum von Baron Scarpia zusammen mit den Chören erklingt. Nicht nur der Opernchor, auch der Kinderchor ist in Höchstform

Und was für ein Schluss, zum letzten Akt – der Umbau erfolgt auf offener Bühne – steht Romelia Lichtenstein allein im Rampenlicht, ihrer Haarteile und der pompösen Kleidung entledigt, nur noch die Andeutung eines Hochzeitskleides und ein Hütchen. Was für eine Diva, was für eine Aufführung, was für ein Applaus!

Eine Inszenierung, die noch von sich reden machen wird, Oper, von einem spielfreudigen Ensemble modern interpretiert, reduziert, aber nicht entzaubert. Da kann man nur sagen, weiter so!

Gisela Tanner
Foto: Falk Wenzel – Bühnen Halle