Oper Halle eröffnete Spielzeit mit temporeicher Inszenierung der West Side Story

Anna Thorén (Anita) und Ballettensemble Rossa Foto: copyright by Andreas Birkigt
 Anna Thorén (Anita) und Ballettensemble Rossa Foto: copyright by Andreas Birkigt
Anna Thorén (Anita) und Ballettensemble Rossa Foto: copyright by Andreas Birkigt

(GT – Foto: (c) Andreas Birkigt) Die West Side Story nach einer Idee von Jerome Robbins und mit der Musik von Leonhard Bernstein gehört wohl zu den Klassikern unter den Musicals. Auch in Halle war sie schon vor Jahren zu erleben.  Jetzt hat sie Ballett-Chef Ralf Rossa für die Oper Halle inszeniert und dabei seine Compagnie gleich mehrfach in die Pflicht genommen. Wie von Musical-Darstellern gefordert, mussten diese nicht nur tanzen, sondern auch singen und sprechen. Unterstützt wurden sie von den Sängern der Oper, aber auch von mehreren Schauspielern des nt und des Thaliatheaters.  Die musikalische Leitung hatte zur Premiere Robbert van Steijn inne. Die Kostüme zum Musical entwarf Wiebke Horn.

Obwohl schon 1957 uraufgeführt, hat das Musical an Aktualität nichts verloren. Es geht nicht nur  – in Anlehnung an Shakespeares „Romeo und Julia“ – um die Liebe zweier Mitglieder einander rivalisierender Gruppen, sondern auch um Imigration, um Jugendliche in trostlosen Vorstadtvierteln und um Gewalt. Ort der Handlung sind die Slums von New York. Wenn sich zu Beginn der Vorhang öffnet, kommt ein düsteres Bühnenbild (Matthias Hönig) zum Vorschein, einzige Farbtupfer sind die Graffitis an Wänden und Brückenpfeilern. Nur Marias Zimmer und der Laden von Doc bringen Licht ins Dunkel.

Temporeich eilen die Akteure über die Bühne, wer ist Tänzer, wer ist Schauspieler, wer ist Sänger, wer weiß das schon. Im Mittelpunkt stehen die rivalisierenden Banden der einheimischen  Jets und der Sharks – Imigranten aus Puerto-Rico. Eigentlich wünschen sie sich alle ein schönes Leben, die große Liebe, aber sie widmen sie sich dem Kampf gegeneinander. In dieses Muster passt die Liebe zwischen Maria und Tony nicht. Im Laufe der Handlung kommt es zu tragischen Ereignissen bis zum Tod. Wird die Liebe zwischen Maria und Tony bestehen?

Die wichtigsten Rollen hat Rossa fast alle mehrfach besetzt. In der Premiere wurde Maria von Ines Lex und Tony von Björn Christian Kuhn dargestellt.   Kuhn merkt man seine Musical-Erfahrung an und Lex brilliert mit ihrer klaren Stimme. Wenn die „Welthits“ des Musicals wie „Maria“ oder „Tonight“ erklingen,  dankt es das Publikum mit Zwischenapplaus, aber auch die temporeichen Tanzszenen des Balletts werden immer wieder von Beifall begleitet, denn hier liegt die Stärke der Compagnie. Für Begeisterung sorgt auch Gesang und Tanz der  Shark-Girls um Anita (Anna Thorén  als Gast)  bei „America“.  Übrigens, Gabriele Bernsdorf couchte das Ballett bei den Sprech- und Gesangsszenen.

Das Premieren-Publikum dankte den Darstellern mit langanhaltendem Applaus und Bravo-Rufen. Dieses Stück hat das Zeug, auch beim jungen Publikum ein „Renner“ zu werden.

Nächste Vorstellungen: 03.10.2014 * 18./19./31. 10.2014  * 2.11.2014

Gisela Tanner