Nolde- Ausstellung mit einmaliger Konstellation in der Moritzburg Halle

Emil Nolde Palmen am Meer, 1914 Öl auf Leinwand 70,5 x 100 cm Nolde Stiftung Seebüll © Nolde Stiftung Seebüll Foto: Fotowerkstatt Elke Walford, Hamburg, und Dirk Dunkelberg, Berlin
Emil Nolde Palmen am Meer, 1914 Öl auf Leinwand 70,5 x 100 cm Nolde Stiftung Seebüll © Nolde Stiftung Seebüll Foto: Fotowerkstatt Elke Walford, Hamburg, und Dirk Dunkelberg, Berlin
Emil Nolde, Palmen am Meer, 1914, Öl auf Leinwand, 70,5 x 100 cm, Nolde Stiftung Seebüll, © Nolde Stiftung Seebüll
Foto: Fotowerkstatt Elke Walford, Hamburg, und Dirk Dunkelberg, Berlin

„Emil Nolde. Farben heiß und heilig“ – eine Ausstellung zur Geschichte der Moderne und ihrer Wirkungsmacht beginnt am 20. April in Halle. Michael Freitag, amtierender Direktor der Stiftung Moritzburg, freute sich im Vorfeld über diese Ausstellung von Rang, in der jedes Werk einen Besuch lohne. In dieser Zusammensetzung werde man die Bilder wohl nicht noch einmal sehen.

Mit Engagement und Herzblut hat Dr. Katja Schneider in Zusammenarbeit mit Wolfgang Büche die Ausstellung über den expressionistischen Maler konzipiert und realisiert. Anlass und Aufhänger zum Entstehen der Nolde-Schau war der Ankauf von sieben Werken Emil Noldes vor 100 Jahren, im März 1913, darunter u.a. das „Abendmahl“ und der „Blumengarten“. Zu verdanken ist diese richtungsweisende Erwerbung dem 1. Direktor der Moritzburg, Max Sauerlandt, der vom damaligen Oberbürgermeister Richard Robert Rive unterstützt wurde. Diesen Zeitpunkt kann man als Beginn der Moderne im halleschen Museum werten. Die Ausstellung zeigt an ausgewählten Bildern die Entwicklung des Künstlers, der von 1906 bis 1907 der Künstlergruppe „Brücke“ angehörte, aber sonst eher als Einzelgänger agierte.

Sauerlandt hatte auch viele Bilder Noldes in seinen Privatbesitz aufgenommen. Doch nicht allen hat die Entwicklung der Malerei zur Moderne hin gefallen, denn es wurden Konventionen gebrochen. Noldes expressive Farbigkeit schockierte. Auch hatte Nolde im „Abendmahl“ die Jünger um Jesus nicht wie gewohnt an einer langen Tafel dargestellt, sondern als Gemeinschaft. Wilhelm von Bode, Museumsdirektor aus Berlin, kritisierte die Aktivetäten in Halle, es kam zu einem Skandal.

Die hallesche Nolde-Ausstellung widmet sich drei Komplexen seiner Arbeit, den Gartenbildern, den religiösen Bildern und den Stilleben, die sich aus der Begeisterung für die Südsee, die Tropen und das besondere Licht dort entwickelten. Im aufkeimenden Nationalsozialismus musste Sauerlandt immer mehr Arbeiten aus der Ausstellung herausnehmen, weil sie von den damaligen Machthabern als „entartete Kunst“ eingestuft wurden. Waren es zunächst nur einige Werke, so wurden 1937 alle Werke Noldes in die „Schreckenskammer“ des Museum verbannt.

Immer wieder sind in der Ausstellung Bezüge zu Halle zu finden, Nolde hatte den „Halleschen Kunstverein“ als Experimentierbühne genutzt. Auch hat er seinen Mythos als verkannter Künster gepflegt. Da Rive den Kunstverstand Sauerlandts schätzte – Noldes Gemälde erfuhren eine erhebliche Wertsteigerung, wollte er ihn in Halle behalten. Das führte wiederum zu Diskussionen, die das hallesche Museum noch bekannter machten.

Insgesamt 75 Gemälde und Grafiken, die Nolde von1908 bis 1922 geschaffen hat, sind in der Ausstellung zu sehen. Fünf der gezeigten Arbeiten gehören zum Bestand des Museums, andere wurden ausfindig gemacht und nach Halle geholt. Auch Dauerleihgaben werden gezeigt. Die Gemälde hatten inzwischen abenteuerlich Wege hinter sich, so wurde „Das Abendmahl“, einst als „entartete Kunst“ eingestuft, von Noldes Schwager ausgelöst und in einem Heuwagen nach Dänemark gebracht. Der „Kleine Blumengarten“ hatte seinen Weg in die Schweiz gefunden. Sauerlandt hatte Grafiken Noldes in einem besonderen Koffer gelagert.

Diskussionswürdig ist Noldes Rolle im 3. Reich, obwohl seine Werke dort als „entartete Kunst“ eingestuft waren, hoffte er, als deutscher nordischer Künstler vom Malverbot befreit zu werden. In seiner Malerei hat er sich aber nicht angepasst.

Zur Ausstellung gehört auch ein Katalog, der Unbekanntes über die Beziehungen Noldes zu Halle und zu seinen Förderern und Wiedersachern zeigt.
Am 20. April 2013 wir die Ausstellung um 17.00 Uhr eröffnet, zu den Ehrengästen gehören der Ministerpräsident Sachsen-Anhalts und OB Wiegand.

Interessant sind auch die Veranstaltungen während der Ausstellung, dazu gehören u.a. öffentliche Führungen, Gesprächskonzerte mit Texten, Gesang und Klavier, Szenische Lesungen mit der Sprechbühne Halle und museumspädagogische Angebote.

Gisela Tanner www.tannertext.de

Bild: Emil Nolde, Palmen am Meer, 1914, Öl auf Leinwand, 70,5 x 100 cm, Nolde Stiftung Seebüll, © Nolde Stiftung Seebüll
Foto: Fotowerkstatt Elke Walford, Hamburg, und Dirk Dunkelberg, Berlin