neues theater – der Club der Enttäuschten rockt das Schaufenster

v.l.n.r.: Till Schmidt (Gerhard), Sophia Platz (Günnesch), Annemarie Brüntjen (Doti), Matthias Walter (Axel), Robin Krakowski (Uschi) © Theater-, Oper und Orchester GmbH Halle, Foto: Anna Kolata

[Foto: © Anna Kolata] Eine Komödie, die durchaus tragische Züge trägt. Eigentlich stehen sie mitten im Leben: Uschi (Robin Krakowski) , Doti (Annemarie Brüntjen), Günnesch (Sophia Platz), Gerhard (Till Schmidt) und Axel (Matthias Walter). Sie sind zwischen 20 und 50,  aber das „Feuer“ ist so gut wie verloschen. Einst Kneipenbetreiberin, Verkäuferin, Ehefrau, Student oder technischer Zeichner vertreiben sie sich jetzt ihren Tag  bei einer ABM-Maßnahme im Büro. Wirklich sinnvoll ist das nicht, man spielt mit der Bürotechnik, trauert alten Zeiten nach, träumt von illustren Reisen, die Kaffemaschine kommt nicht zur Ruhe und Essen steht auch immer bereit, zum Glück gibt es ja noch das Thema Sex. Ein wirklicher Dialog entsteht nicht, man redet mehr oder weniger aneinander vorbei, Aktionismus gegen Langeweile und Unzufriedenheit.

In der intimen Atmosphäre des „Schaufensters“ hat Niko Eleftheriadis, freier Schauspieler und Regisseur, dieses Stück von Felicia Zeller am neuen theater inszeniert. Die Schauspieler mittendrin und die Zuschauer ringsherum, da kommt es schon mal vor, dass man den Platz räumen muss, wenn die Akteure ihre Spielchen mit dem Kopiergerät treiben, und wenn Günnesch  (Sophia Platz) ihren Staubsauger schwingt, sollte man besser die Füße anheben und die Getränke beiseite stellen.

Kaum sind die ersten Sätze gesprochen, entsteht diese besondere Symbiose zwischen Schauspielern und Publikum, man ist hautnah dabei und kommt aus dem Staunen nicht heraus. Mit atemberaubenden Tempo fliegen die Dialoge durch den Raum, kurzzeitige „Ausflüge“ nach draußen eingeschlossen. Ja, und Langeweile macht aggressiv,  plötzlich kommen Waffen ins Spiel, sehr gefährlich! Ein Stück, das belustigt – wer kennt solche Situationen nicht aus dem Büroalltag, aber auch nachdenklich stimmt. Ein wunderbar aufgelegtes Schauspielensemble sorgt für einen kurzweiligen Abend, Bühne und Kostüme von Heike Mondschein, Dramaturgin Henriette Hörnigk. das Publikum belohnte die Inszenierung mit begeistertem Beifall.

Nächste Termine: 03. und  05. Februar, 04. und 05. März 2017

Gisela Tanner
Foto: © Anna Kolata – v.l.n.r.: Till Schmidt (Gerhard), Sophia Platz (Günnesch), Annemarie Brüntjen (Doti), Matthias Walter (Axel), Robin Krakowski (Uschi) © Theater-, Oper und Orchester GmbH Halle