Nachlese: Trackl 1914 – intermediales Theaterprojekt im Studie am Waisenhausring

trackl
©Foto Rene Schaeffer

Für einige Tage war wieder Leben in das alte Studio Halle am Waisenhausring eingezogen. Astrid Kohldorf und Mario Pinkowski führten uns durch Trakls Leben und stellten Ausschnitte aus seinem Werk vor. Regie führte Christian Fries, der zusammen mit Silvio Beck, der auch die Life Kamera bediente, die Idee zu diesem Stück hatte. Musik vom Kontrabass wurde komponiert und gespielt von Akki Schulz.
Das Stück beginnt mit Georg Trakls Einlieferung in die Feldpsychatrie in Krakau. Der gelernte Apotheker zieht als Hilfssanitäter in den Ersten Weltkrieg und erlebt im Osten die Schlacht von Grodek. In einer Scheune hat er ohne Hilfsmittel allein die Fürsorge für 90 scherverwundete Soldaten in voller Ausrüstung. Mehrere halten die Schmerzen nicht aus und benutzen ihr Gewehr um sich zu erschießen. Trakl ist Drogenabhängig und sicher auch Depressiv.
Er versucht dem zu entfliehen. Nach einem Suizidversuch, den er als Flucht bezeichnet kommt er nach Krakau in das Militärhospital. Sein Freund Ludwig von Ficker besucht ihn, dann nimmt er eine Überdosis Kokain.In der Folge werden Trakls Gedichte rezitiert, gesungen, gespielt. In verschiedener Weise wird dem Zuschauer seine Lyrik nahegebracht. Akkis Kontrabass spielt dazu Musik, Töne, Geräusche. Kommentiert einiges, erklärt anderes.

Trakls Gedichte sind stark. Jedoch ist Melancholie, Glaube, Todesfurcht allgegenwärtig. Trakl ist drogenabhängig und sicher auch stark depressiv. Immer wieder erscheinen Leichen oder sein Toter Vater. Selbst schöne Augenblicke wie Liebe, Morgen, Sternenhimmel, Frühlingswiese werden düster, trostlos und lebensgefährlich dargestellt.

Ergänzt wird dieser Querschnitt durch eine Begegnung mit Else Lasker-Schüler und Motive der Erzählung „Kokain“ von Walter Rheiner (1918) zur Erklärung der Hinweise auf Drogenkonsum in Trakls Gedichten.

Der Schlaf (1913)
Verflucht ihr dunklen Gifte,
Weißer Schlaf!
Dieser höchst seltsame Garten
Dämmernder Bäume
Erfüllt von Schlangen, Nachtfaltern,
Spinnen, Fledermäusen.
Fremdling! Dein verlorner Schatten
Im Abendrot,
Ein finsterer Korsar
Im salzigen Meer der Trübsal.
Aufflattern weiße Vögel am Nachtsaum
Uber stürzenden Städten
Von Stahl.

Erklärung findet diese Lyrik in den Lifebildern, den Bewegungen der Schauspieler und Akkis „Geräuschen“.

Das Stück wurde bis zum 31. Mai, immer 20 Uhr im ehemaligen Studio Halle des DFF im Waisenhausring gezeigt.

Hans-Jürgen-Paasch

©Foto: Rene Schaeffer