Moritzburg stellt sich in ihrer aktuellen Ausstellung einem brisanten Thema – Original bis … Fälschungen

Foto: G.Tsnner
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Foto: G.Tanner

Diese Ausstellung im Halleschen Kunstmuseum Moritzburg wird bestimmt nicht nur Kunstliebhaber interessieren, schließlich wird diese Thematik auch von Museen nicht gerne an die Öffentlichkeit gebracht. Wer gibt schon zu, dass er auf eine Fälschung hereingefallen ist. Doch das Thema endet nicht bei der Kunstfälschung, erinnert sei nur an die Produktpiraterie in der modernen Zeit. In der Ausstellung werden vor allem drei legendäre Fälle beleuchtet, die zwischen  1932 und 2012 aufgedeckt wurden. Am Beispiel von Otto Wacker, Han van Meegeren und Wolfgang Beltracchi wird gezeigt, wie Kunstfälschungen – die ganz klar Straftaten der Wirtschaftskriminalität sind – funktionieren.

Ausstellung über Fälschungen in der Kunst in der MoritzburgOb gefälschte Ausgrabungsstücke oder Falschgeld, der Ideenreichtum der Fälscher ist unbegrenzt, doch was ist ihre Motivation, geht es nur um Gewinnsucht? Die wissenschaftlichen Möglichkeiten falsche Kunstwerke aufzudecken haben sich in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts  erheblich verbessert. So sind nicht wenige zunächst als Kunstwerke eingestufte Arbeiten in den Museumsdepots oder in den Asservatenkammern der Polizei verschwunden. Oft ist nicht klar einzuordnen, ob ein Werk ein Original oder eine Fälschung ist. Auch die Fälscher haben sich mit modernen Technologien auseinandergesetzt und Netzwerke gebildet. Die aktuelle Schau fordert den Besucher heraus, sich mit dem Werk auseinanderzusetzen.

Ausstellung über Fälschungen in der Kunst in der MoritzburgDie Ausstellung wurde von den Burgabsolventen Falko Walther und Marcus Lange gestaltet in einem frischen unkonventionellen Ansatz. Zunächst werden Beispiele der Produkt- und Markenfälschungen gezeigt. Auch Antiken- und Kunsthandwerkfälschungen sind zu sehen und Falschgeld im Vergleich zum Original. Im Hauptbereich sind Fälschungen  von Otto Wacker, Han van Meegeren und Wolfgang Beltracchi im Zusammenhang mit der Demonstration der Fälschungsmechanismen zu sehen.  Otto Wacker widmete sich in seinen Arbeiten den Werken  Vincent van Goghs. Bei seinen „Werken“ wurden  erstmals  naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden angewandt, schon bei den Neuerwerbungen. Han van Meegeren arbeitete in Frankreich sogar daran, die Prüfer auszutricksen. Er ahmte die  Substanz der  Bildern von Jan Vermeer nach und war schwer zu überführen. Ganz anders erging es dem Fälscher Wolfgang Beltracchi, er ist an den eingesetzten Pigmenten, die viel zu modern waren, gescheitert. Oft verraten auch  Stil und Provenienz  ( Abstammung zurückverfolgen) die Fälschung.  Die Problematik der drei Fälscher wird in drei Farbbereiche eingeteilt, zu sehen sind auch Fotos von Gerichtsverhandlungen.

Ausstellung über Fälschungen in der Kunst in der MoritzburgIn der oberen Box werden Techniken vorgestellt, die es ermöglichen, Fälschungen aufzudecken. In der modernen Forschung ergänzen Stilanalyse, Provenienzforschung und Naturwissenschaften einander. Es fällt den Besitzern von Kunstwerken nicht leicht, sich dem Thema Fälschungen zu stellen.

Vorträge, Lesungen, Filmvorführungen und museumspädagogische Angebote begleiten die Ausstellung, die von Sponsoren unterstützt wird.

Ausstellung über Fälschungen in der Kunst in der MoritzburgStatistisches:

Gezeigt werden  jeweils 4 Werke der Fälscher Wacker, Van Meegeren und Beltracchi; 2 Gemälde in der Art von Jawlensky; 6 Skulpturen und Plastiken; 27 Grafik-Fälschungen; 7 Geldscheine; 79 Münzen und Geldzeichen; 26 Produktfälschungen; 13 schriftliche Zeugnisse (z. B. Kataloge); 52 Utensilien und technische Exponate; eine Projektion; jeweils ein Dokumentarfilm über Van Meegeren und Beltracchi (Quelle Moritzburg)
Exponate wurden bereitgestellt von:

Rijksmuseum, Amsterdam; dem Museum de Fundatie, Heino/Wijhe en Zwolle; dem Kröller-Müller Museum in Otterlo; den Staatlichen Museen Berlin, Nationalgalerie und Zentralarchiv; der Kunsthalle Emden; dem Jawlensky-Archiv, Locarno; der Kulturstiftung DessauWörlitz; dem Archäologischen Museum der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; dem Antikenmuseum der Universität Leipzig; der Polizeihistorischen Sammlung beim Polizeipräsidenten zu Berlin; den Landeskriminalämtern Baden-Württemberg und Bayern; von privaten Leihgebern

Das Programm:

Donnerstag, 4.12., 12 Uhr, Kunstgenuss: Falschgeld! Münz- und Geldfälschung im Wandel der Zeit

Donnerstag, 4.12., 18 Uhr: Vortrag „Diebe, Fälscher, Hintermänner – Task Force Fälschungen“, mit Ernst Schöller, ehemals LKA Baden-Württemberg

Freitag, 5.12., 18.30 Uhr: Filmvorführung im Puschkino „Beltracchi. Die Kunst der Fälschung“, anschließend Filmgespräch mit Ernst Schöller, ehemals LKA Baden-Württemberg, und Kuratorin Dr. Lilli Weissweiler

Samstag, 6.12., 15 Uhr, und Sonntag, 14.12., 11 Uhr: Das Puppentheater Halle zu Gast im Kunstmuseum: Dr. Herbert und Karsten König den Fälschern auf der Spur

Sonntag, 7.12., 13 Uhr: Filmvorführung im Puschkino „Beltracchi. Die Kunst der Fälschung“, mit einer Einführung von Kuratorin Dr. Lilli Weissweiler

Donnerstag, 11.12., 17 Uhr: Führung und Gespräch „Die Fälscherwerkstatt des sogenannten Spanischen Meisters“, mit Prof. Dr. Stephan Lehmann, MLU

Donnerstag, 18.12., 17 Uhr: Führung und Gespräch „Wie fälschen Fälscher?“, mit Dr. Albrecht Pohlmann, Kunstmuseum Moritzburg

 

Gisela Tanner – Text und Fotos

Ausstellung über Fälschungen in der Kunst in der Moritzburg