Moderner „Hofmeister“ begeistert Zuschauer im neuen Theater

Alle die befürchteten, sich in einem Stück aus dem 18. Jahrhundert –im Jahr 1774 hat es Jakob Michael Reinhold Lenz  geschrieben – zu langweilen, wurden eines Besseren belehrt. Modern und frisch kam die Aufführung im neuen theater Halle daher. Zuvor hatte das Werk  schon im Goethe –Theater Bad Lauchstädt Premiere.

Von der ersten Minute an zog   „Der Hofmeister“  die Zuschauer in seinen Bann. Das lag sicher daran, dass Lenz, der einst von Georg Büchner entdeckt wurde, den schweren Stand eines Hofmeisters am eigenen Leibe erfahren hat, aber auch an der Regiearbeit von  Jörg Steinberg sowie an dem  Bühnenbild und den Kostümen von  Tilo Steffens. Das Ensemble der Schauspieler hatte Steinberg gut „gemischt“, vom   dienstältesten  Rainer Straube über Peer Uwe Teska, Karl Fred Müller, Alexander Pensel, Wolf Gerlach, Stella Hilb  und Studenten der Hochschule für Musik und Schauspiel „Felix Mendelssohn Bartholdy“.

Auch wenn der Inhalt eher dramatisch war, einiges Blut floss und die Akteure in schwere Nöte gerieten, gab es immer wieder Grund zur Erheiterung oder zuminderst zum Schmunzeln.  Wolf Gerlach überzeugte als leidender Schulmeister, bei Stella Hilb war wunderbar der Wandel  vom fröhlichen unbeschweren Gustchen zur jungen Frau, die sich mit ihrer ungeplanten Mutterschaft ins Unglück stürzte, zu erleben. Den beiden Vätern Peer-Uwe Teska und Karl-Fred Müller nahm man das Ringen um den besten Weg  für Ihre Schützlinge ab. Katrin Ingendoh, die – im Wechsel mit Petra Ehlert – die Majorin spielte gab die Grand Dame und  Alexander Pensel  verlieh seinen wechselnden Rollen ein einprägsames Gesicht. Ein Genuss war es auch, Rainhard Straube zuzusehen, der schulmeisterlich und aus vollster Überzeugung  seinen Schülern vor allem die gerade Linie beim Schreiben beibrachte und eigentlich durch (fast) nichts  aus der Ruhe zu bringen war. Auch Barbara Zinn als Marthe konnte überzeugen. Erfreulich war auch, wie die Schauspielschüler aus Leipzig in das Stück intergriert wurden.

Einen großen Anteil an der erfrischenden  Gesamtwirkung des hallschen „Hofmeisters“ hatte  das Bühnenbild von Tilo Steffens. Ein Panorama  von Räumen und Türen, das sich über die gesamte Bühnenbreite zog und durch unterschiedliche Beleuchtungen und Licheffekte für Kurzweil sorgte. So manch ein Zuschauer blickte staunend auf die eingespielten Kommentare, die in deutschen Schriftzeichen an die Wand projeziert wurden.

Ganz am Ende des Stückes erfuhr der Zuschauer noch einmal,  dass  Jakob Michael Reinhold Lenz  unbeachtet verstarb, ohne seinen Ruhm erleben zu können.

Gisela Tanner www.tannertext.de

Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, Fotograf: Gert Kiermeyer
Beschreibung: Peer-Uwe Teska, Karl-Fred Müller, Stella Hilb, Alexander Pensel

Nächste Vorstellung am 13. Dezember um 19.30 Uhr im Saal des neuen theaters