Mein ziemlich seltsamer Freund Walter – Premiere am Thalia Theater

v.l.n.r.: Paul Simon (Universalmensch 2), Benito Bause (Universalmensch 1), Sophia Platz (Lisa), Harald Höbinger (Walter der Außerirdische) - Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, copyright: Falk Wenzel
v.l.n.r.: Paul Simon (Universalmensch 2), Benito Bause (Universalmensch 1), Sophia Platz (Lisa), Harald Höbinger (Walter der Außerirdische) - Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, copyright: Falk Wenzel
v.l.n.r.: Paul Simon (Universalmensch 2), Benito Bause (Universalmensch 1), Sophia Platz (Lisa), Harald Höbinger (Walter der Außerirdische) – Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, copyright: Falk Wenzel

[©Foto: Falk Wenzel] Brauchen wir nicht alle so einen Freund wie Walter, der praktisch vom Himmel fällt und uns beim Lösen unserer großen und kleinen Probleme hilft? Mehr noch aber braucht ihn Lisa, eine Figur in Sibylle Bergs Jugendstück „Mein ziemlich seltsamer Freund Walter“, das am 24. September im Schaufenster des nt Halle Premiere hatte.

Lisa hat es nicht leicht, ihre Eltern lungern, seit sie arbeitslos sind, nur noch in der Wohnung herum, essen Fertigpizza und schleppen sich höchstens noch zum Fernseher. Ihre Tochter nehmen sie kaum noch wahr. Schon auf dem Weg zur Schule wird Lisa, wenn sie am Spielplatz vorbei geht, von gelangweilten Jugendlichen geärgert und gequält. In der Schule mag sie niemand, nicht einmal die Lehrer. Im Gegenteil, diese  ärgern sich regelrecht, dass sie Lisa keine schlechten Noten geben können. Lisa ist einfach zu gut! Kein Wunder, baut sie doch zu Hause Computer aus Gebrauchtteilen zusammen, und die können sich sehen lassen.

Durch einen glücklichen Zufall landet eine außerirdische Reisegruppe in Lisas Nähe. Die verschwindet zwar schnell wieder, vergisst aber eines ihrer Mitglieder. So begegnet Lisa diesem Außerirdischen. Sein Name ist ziemlich kompliziert und deshalb nennt ihn unsere Heldin einfach „Walter“. Der ist in seinem normalen Leben viel Zuneigung gewöhnt – man kuschelt gern in seinem außerirdischen Lebensraum. Schnell entschließt er sich der einsamen Lisa zu helfen. Nur für sie ist er sichtbar, und so kann er ihr Tipps geben oder eingreifen.

Das schönste für die jungen Zuschauer, am Ende gibt es ein Happy End. Das ist für ein Werk von Sibylle Berg, die mehr für skurrilen Geschichten bekannt ist, eher ungewöhnlich. Sie hat das Stück als Auftragswerk für die Kunststiftung NRW geschrieben.

In Halle wird es als Kammerstück umgesetzt, in das „Schaufenster“ passen nur etwa 70 Zuschauer. Das Bühnenbild besteht aus mehreren schiefen Ebenen, aus denen die Akteure auf- und abtauchen können.  Regisseurin Katharina Brankatschk hat dem wunderbaren Harald Höbinger (Walter) drei Mitglieder des Schauspielstudios zur Seite gestellt, Sophia Platz als Lisa, die sich trotz der Querelen ihres schwierigen Alltags  nicht unterkriegen lässt, dazu Benito Bause und Paul Simon als Universalmensch 1  und 2. Die beiden rappen, was das Zeug hält, geben die trägen Eltern, den (mehr oder weniger) strengen Lehrer oder den braven Schüler. Obwohl-  oder gerade weil –  sich das junge und erwachsene Publikum während der Aufführung köstlich amüsiert, bleibt es ein Stück mit nachhaltiger Wirkung und ein Appell an mehr Menschlichkeit im Umgang miteinander.

Gisela Tanner

Nächste Vorstellungen: Dienstag, 29.September 2015, 10 Uhr * Donnerstag, 08.Oktober 2015, 10 Uhr * Freitag, 16.Oktober 2015, 10 Uhr * Sonntag, 18.Oktober 2015, 11 Uhr * Sonntag, 22.November 2015, 15 Uhr * Donnerstag, 03.Dezember 2015, 10 Uhr