Maria Stuart – Kampf auf Leben und Tod im nt Halle

maria stuartEs gab Zeiten, da hatte die englische Queen weit mehr zu tun, als nur freundlich in die  Kameras zu winken und die positiven und negativen Schlagzeilen  über ihre Familie zu „ertragen“. Im 16. Jahrhundert ging es auf der Insel  weit  dramtischer zu.  Machtkämpfe und Intrigen waren  an der Tagesordnung und wurden auf Leben und Tod ausgefochten. Schließlich herrschte der englische Thron über eine Weltmacht. Alle Beteiligten mussten  ständig auf der Hut sein, um auf der richtigen Seite zu stehen und nicht im Kampf um die Macht unterzugehen. Davon handelt auch Friedrich Schillers Drama  „Maria Stuart“, in dem Elisabeth, Königin von England und Maria Stuart, Königin von Schottland um die Macht kämpfen. Maria ist von Schottland nach England geflohen, weil ihr der Mord an ihrem Gatten angelastet wird. Dort erwartet sie aber keine Gnade, denn Königin Elisabeth fürchtet um ihre Macht und sucht einen Weg, die Kontrahentin auszuschalten.

Diesem Stoff widmete sich jetzt auch das neue theater Halle und Intendant Matthias Brenner selbst übernahm die Regie.  Vor vollbesetztem Saal  – auch nt-Gründer Peter Sodann war unter dem Publikum – boten die  Akteure am 2.3.2013 eine spannende Premiere .  Teilweise war das Publikum so betroffen, dass kein Laut zu hören war. Es gab aber auch entspanntere Szenen.  Elf Schauspieler „rockten“ den Saal und nicht nur Stella Hilb  (Maria Stuart) und Bettina Schneider (Elisabeth) nahmen die Zuschauer für sich ein. Stella Hilb war zerissen zwischen ihrer Sehnsucht nach Leben und ihrem Stolz, sich zu unterwerfen. Bettina Schneider gab die große erhabene Königin, die aber auch von Selbstzweifen nicht frei war.   David Kramer,  Hilmar Eichhorn, Elke Richter,  Peter W. Bachmann,  Felix Defèr (Studio),  Jonas Schütt ,  Alexander Pensel, Petra Ehlert und  Joachim Unger hatten  -teils auch mit großem körperlichen Einsatz – genauso Anteil an der  gelungenen Gesamtleistung des Teams um Intendant M.Brenner.  Bei  zwei Rollen wurde gegen das Geschlecht  besetzt.  Elke Richter spielte den Großschatzmeister Wilhelm Cecil und Alexander Pensel die Hofdame Hanna Kennedy.

Der Beifall am Ende der Premiere zeigte, es ist eine gelungene Inszenierung.    Brenner verzichtete auf Effekthascherei, die Tötung  der Maria Stuart spielte  sich im Untergrund ab. Vielmehr konnte der Zuschauer die inneren Kämpfe der Akteure zwischen Gefühl und Verstand erleben, zwischen Mitleid und Machtgier.

Der historische Inhalt wurde, ohne ihn zu verfälschen, mir modernen Elementen „aufgefrischt“. So bewegten sich die Schauspieler eingangs nach rhytmischer Musik, die immer wieder die Szenen begleitete. Vor der Hinrichtung  wurde Maria Stuart  auf einem Klavier liegend in den Saal geschoben, das von  Alexander Pensel (Hofdame Hanna Kennedy) bespielt wurde. Das Bühnenbild war reduziert, aber wirkungsvoll:  schwarze und rote  Quader, die von den Schauspielern selbst über die Bühne  geschoben wurden.  Dafür waren die Kostüme um so fantasievoller, besonders die der beiden Königinnen.

Gisela Tanner www.tannertext.de

Foto: © Gert Kiermeyer – (v.l.) Hilmar Eichhorn, Stella Hilb, Bettina Schneider, Jonas Schütte, David Kramer