Marguerite Friedlaender und Gerhard Marcks – Kunstverein Talstraße zeigt Ausstellung mit besonderem Bezug zu Halle

Giebichensteinbrücke - Foto © G.Tanner

[Giebichensteinbrücke – Foto © G.Tanner] Zur Eröffnung der Ausstellung in der Talstraße erstrahlte die Giebichensteinbrücke in einem besonderen Licht. Pferd und Kuh, die man sich an diesem Ort überhaupt nicht mehr  wegdenken kann, wurden farbig angestrahlt.   Der Grund, beide Tiere sind Werke von Gerhard Marcks, der 1925 vom Bauhaus nach Halle an die Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein kam. „Wir machen im August nach Halle“, schrieb Marcks an einen Freund. „Wir machen nach Halle“so ist auch der Titel der Ausstellung. Begleitet in die Saalestadt hat ihn eine seiner ersten Schülerinnen,  Marguerite Friedlaender. Zwischen beiden entwickelte sich eine langjährige Künstlerfreundschaft. Marcks wurde schließlich 1928 Direktor der Kunstgewerbeschule Halle und Friedländer leitete die Töpferei. Im Jahr 1930 entstand Marcks „Thüringer Venus“, die den Besucher der Ausstellung im Eingangsbereich begrüßt. Gleich daneben wird die berühmte Vase von  Marguerite Friedlaender gezeigt. Friedländers Porzellanarbeiten, die sie u.a. für die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) entwarf, sind Beispiele für die „Neue Sachlichkeit“.  Im Jahr 1933 wurden beide Künstler in die Imigration gezwungen, Friedländer lebte schließlich in den USA und Marcks zog sich in die „Innere Emigration“ zurück. Geblieben sind ihre wegweisenden Werke.

Dass die Ausstellung so umfangreich und tiefgründig gestaltet wurde, ist vor allem den beiden Kuratorinnen Renate Luckner-Bien und Katja Schneider zu verdanken, kunstinteressierten Hallensern schon lange ein Begriff. Sie beschäftigten sich eingehend mit der Thematik und holten in einer langen Vorlaufzeit Werke nach Halle, die hier noch nie zu sehen und teilweise verloren geglaubt waren. Der Ausstellungsbesucher kann den Weg beider Künstler von den Frühwerken über die Zusammenarbeit Friedländers  mit der KPM bis hin zu Arbeiten, die von den Beziehungen zu Freunden  inspiriert wurden, verfolgen. Insgesamt 135 Exponate aus den Bereichen Plastik, Keramik und Zeichnung von 24 Leihgebern werden gezeigt, aber auch Fotos vom Zustand einiger Werke Marcks, die während des Krieges in den Pumpenwerken Halle aufbewahrt wurden.

Die Kunsthochschule Burg Giebichenstein hat sich mit dem Filmprojekt „Wir sind in Halle“ an der Ausstellung beteiligt.  Dafür haben sich Studierende der Studienrichtungen Kunst und Design auf Spurensuche in Bezug auf Geschichte und Gegenwart der beiden Künstler begeben. Das interdisziplinäre Filmprojekt bereichert die Ausstellung und wurde von Dr. Sara Burghardt, Dr. Veronica Biermann, Rolf Wicker und Mark Hornbogen unterstützt.

Die Ausstellung wurde im Rahmen des Bauhausjubiläums „100 Jahre Bauhaus“gestaltet.

17. 11. 2018 – 24. 2. 2019
Wir machen nach Halle. Marguerite Friedlaender und Gerhard Marcks
Keramik, Plastik, Zeichnungen
Kunsthalle „Talstraße“

 

Gisela Tanner