Lulu – umjubelte Ballett-Premiere an der Oper Halle

v.l.n.r.: Paloma Figueroa (Lulu), Dalier Burchanow (Schigolch) © Theater, Oper und Orchester GmbH Halle/ Foto: Paul Leclaire
v.l.n.r.: Paloma Figueroa (Lulu), Dalier Burchanow (Schigolch) © Theater, Oper und Orchester GmbH Halle/ Foto: Paul Leclaire
v.l.n.r.: Paloma Figueroa (Lulu), Dalier Burchanow (Schigolch)
© Theater, Oper und Orchester GmbH Halle/ Foto: Paul Leclaire

[©Foto: Paul Leclaire] Zunächst zur Vorgeschichte der Premiere: Jochen Ulrich gilt als Wegbereiter des modernen Ballett-Tanzes in Deutschland. Bevor er im Jahr 2012 starb, hatte Ralf Rossa, Ballettchef  der Oper Halle, Gelegenheit ihn zu kontaktieren. Diesem Kontakt verdanken die Hallenser nicht nur die Neueinstudierung der „Anna Karenina“ von Jochen Ulrich, sondern auch die Wiederauflage seiner  Uraufführung von „Lulu“ aus Jahr 1990 in Köln. Finanziell abgesichert durch die erfolgreiche Bewerbung beim  TANZFONDS ERBE (Kulturstiftung des Bundes) konnte nicht nur Darie Cardyn (Darstellerin der Kölner »Lulu«) für die Choreographie gewonnen werden, sondern weitere Mitglieder des Uraufführungsteams, dazu gehören  Kathrin Kegler (Bühnenbild) und Marie-Therese Cramer (Kostüme). Auch Dirigent Hilary Griffiths, der die Premiere in Halle dirigierte, gehörte zu diesem Team.  Die Tanzrollen wurden durchweg von Mitgliedern des Balletts Rossa aus Halle übernommen.

Die Geschichte ist der  Doppeltragödie »Erdgeist« und »Die Büchse der Pandora« von Frank Wedekind nachempfunden. Alles fängt ganz harmlos an, zu heiterer Varietémusik vergnügt man sich, allen voran Lulu (Paloma Figueroa). Sie nimmt das Leben leicht, treibt es mit Diesem und Jenem. Erster Leitragender ihres sorglosen Spiels ist ihr Ehemann,  Dr.Goll (Davide De Biasi), der einer Herzattacke erliegt, nachdem er seine Ehefrau in den Armen eines Anderen entdeckt hat. Bald schon kommt es zum nächsten Opfer in Lulus Spiel, der Kunstmaler Schwarz (Johan Plaitano) schneidet sich wegen unerwiderter Liebe die Kehle durch.  Im Hintergrund zieht Dr. Schön (Michal Sedláček) für die schöne Lulu die Fäden, doch auch er wird bald zum Opfer. Kritisch beäugt wird alles von Schigolch (Dalier Burchanow), Lulus angeblich leiblichem Vater.

Im zweiten Teil findet Lulu wieder ihre Beschützer, die sie aus dem Gefängnis befreien und mit ihr nach Paris und London fliehen. Doch auch böse Mächte belauern die Schöne, so der Menschenhändler Marquis Casti-Piani (Frank Schilcher) und letztlich Lustmörder Jack the Ripper (auch Michal Sedláček). So nimmt das, was harmlos und lustvoll begann, eine bitteres Ende.

Teils atemlos verfolgt das Publikum die spannende Handlung, die gleich auf mehreren Ebenen gezeigt wird. Auf einer Rampe, dezent beleuchtet, agiert – für alle sichtbar – das Orchester. Nach Ende der Vorstellung brechen sich Beifall und Jubel Bahn, geschätzt werden die herausragende Ensembleleistung, aber auch Solisten wie Dalier Burchanow und Michal Sedláček. Der Star des Abends aber ist Paloma Figueroa als Lulu mit ihrem hinreißenden ausdrucksstarken Tanz.

Gisela Tanner