„Leuna100: Werkleitz Filmraum“ – gemeinsames Projekt des Kunstmuseums Moritzburg und der Werkleitz Gesellschaft

Filmausschnitt
Filmausschnitt
Filmausschnitt Leuna 100

Das Projekt „Leuna100“ wird am 2. Juli 2016 eröffnet. Daniel Herrmann, Direktor der Werkleitzgesellschaft e. V., und Thomas Bauer-Friedrich, Direktor des Kunstmuseums Moritzburg Halle, stellten dieses außergewöhnliche Vorhaben am Freitag bereits der Presse vor. Trotz solcher Ereignisse wie der Fussball-EM hoffen alle Beteiligten auf reges Publikumsinteresse bei der Eröffnung. Ein Besuch lohnt sich, denn es werden an diesem Tag Filme gezeigt, die sonst nur schwer zugänglich sind. Um 18.00 Uhr sind nach der Eröffnung in der Moritzburg „Gedanken im Park“ – ein Film über den Plastikpark Leuna, „Im Blickpunkt – 2 Generationen Leuna-Arbeiter“ und „Die Karbidfabrik“ zu sehen.

Der Film über die Karbidfabrik spiegelt das Dilemma der DDR wegen der steigenden Rohölpreise wider, die umweltbelastende Carbochemie weiter auszubauen. Karbid ist der Grundstoff für die Fertigung von Plaste und Elaste. Für die Arbeiter ist die Tätigkeit in dieser Produktion finanziell ertragreich, aber auch sehr gesundheitsschädlich. Sehr offen äußern sich bereits 1987  Arbeiter und der Abteilungsleiter über die Mißstände bei der Produktion wegen fehlender Investitionen. Vor der Eröffnung führt Kustodin Cornelia Wieg um 15.00 Uhr noch durch den Plastikpark Leuna. Florian Wüst wird dann zur Vernissage um 18.00 Uhr in der Moritzburg in den Filmraum einführen.

Dieser entstand anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Leuna Werke. Bereits zuvor wurde im zweiten Obergeschoss des Westflügels im Museum unter dem Titel „Arbeitswelten“ eine thematische Sammlungspräsentation zusammengestellt. Gemeinsam mit dem Werkleitz-Verein hat das Museum den Berliner Filmkurator Florian Wüst eingeladen, für das Kabinett der sogenannten Westbox, ein künstlerisches Filmprogramm als thematische Erweiterung der Sammlungspräsentation zu entwickeln. Diese ergänzt die aktuelle Ausstellung als Installation vom 2. Juli bis zum 3. Oktober 2016.

Florian Wüst gestaltet seine Kurzfilmprogramme in der Kombination unterschiedlicher Genres – Dokumentarfilme, Experimentalfilme, Lehrfilme, Idustrie- und Werbefilme – meist zusammengestellt aus mehreren Jahrzehnten. In dem speziellen Projekt „Leuna100“ stehen DDR- und BRD-Geschichte im Blickpunkt. Gezeigt werden im Filmraum fünf Filme, darunter „Reaktionen – Menschen und Automation“ und ein Bericht des Augenzeugen von 1964 über eine Chemie-Ausstellung in Berlin. Erwähnenswert ist auch der Film“The Shutdown“, der das Leben in der Nähe einer schottischen Chemiefabrik beschreibt, ein Hinweis darauf, dass es Probleme mit der chemichen Indutrie europaweit gab und gibt.

Wer also heute oder später Wissenswertes und Emotionales über Vergangenheit und Gegenwart des Industieumfeldes der Region erfahren möchte, sollte diese Ausstellung besuchen.
Gisela Tanner