Laufclub Radis: Impressionen vom Dead-Sea-Marathon

(c) Laufclub Radis
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Nach langer winterlicher Vorbereitung auf diesen, so nicht erwarteten knochenharten Marathon war es am 01.04 – kein Aprilscherz – soweit. Vom Airport Frankfurt/Main machte sich unsere 17 köpfige
Reisegruppe, Sachsen,Thüringer. Nordrhein- Westfalen und Sachsen Anhalter auf den Weg nach Amman in Jordanien. Ein wenig verspätet starteten wir mit der Royal- Jordanie gegen15 Uhr, um 19.30 Uhr in Amman zu landen.

Es war ein unruhiger mit vielen Turbulenzen verlaufender Flug. Vorzeichen? Nun, ich bin nicht abergläubisch. Auf den Klimastress aus „sibirischen Verhältnissen“ in hochsommerliche Temperaturbereiche waren wir eingestellt, Amman empfing uns mit 26°C am Abend.
Wir hatten Zeit uns zu aklimatisieren , für den Start am 05.04.13 – Freitag ist Sabbat!

Was einerseits verständliches Anliegen des Reiseveranstalters ist, war für mich und andere nicht unbedingt nachvollziehbar – ein meines Erachtens überdimensioniertes Reiseprogramm quer durch Jordanien. Als sich professionell darstellender Marathonreiseveranstalter sollte dem eigentlichen Reiseschwerpunkt mehr Zeit und Raum geben werden. Weniger ist mehr!!!!
Vom Samstag bis Mittwoch ein tägliches, echt anstrengendes, wenn auch interessantes aber auch nervendes und ermüdendes Reiseprogramm.

Mit einem mir sympathisch erscheinenden Lauffreund aus Brandenburg vereinbarte ich ein morgendliches Training. Morgendlich 6 Uhr absolvierten wir ein auf Lockerheit und Leichtigkeit orientiertes Training. Zwischenzeitlich wusste ich, dass 80 Teilnehmer den 50 km Ultra bestreiten werden und 170 – 180 Läufer den klassischen Marathon in Angriff nehmen. Ein Halbmarathon wurde aus logistischen Gründen nicht gestartet.
Den 10 km – Lauf liefen insbesondere Kinder und Jugendliche 6 – 7 -tausend an der Zahl,die uns Marathonis noch einige Kopfschmerzen bereiten sollten.

Am 04.04.,einen Tag vor dem Start fuhren wir mit dem Bus die Strecke ab, von Amman zum Dead-Sea. Von 900m über normal bis 400 m unter dem Meeresspiegel eine Differenz von 1300 Höhenmetern. Einen realen Eindruck hat diese Visite allerdings nicht vermittelt – live bleibt eben live!!!!
Am 05.04. – 4 Uhr wecken, 4.30 Uhr frühstücken – das Küchenteam verschlief ! Nach einigen Improvisationen dann doch noch ein mageres Frühstück ,aber uns war ohnehin nicht nach einem opulenten Mahl. 5 Uhr Abfahrt zu den Startbereichen des Ultra bzw. des Marathons. Regen und Nebel waren unsere Begleiter. Großes Schweigen im Bus, jeder war bei sich selbst und versuchte wohl,die innere Unruhe niedrig zu halten.
Ich selbst wusste erstmals nicht,welche Strategie ich umsetzen sollte. Allerdings traf ich am Vortag mit meiner neuen Laufbekanntschaft,dem Rainer aus Brandenburg eine Vereinbarung,dass wir den Lauf gemeinsam gestalten und uns im Tempo machen ablösen.
Zum Streckenprofil: etwa 30 km betontes Gefälle,anschließend 2 – 3 km flach, um am Ende 9 km betonte Steigung bei beträchtlichem Gegenwind zu bewältigen.

Es wurde ein knochenhartes Ding – 42 km auf Autobahnasphalt immer dem Horizont entgegen. Start um 7 Uhr bei 8°C (in Deutschland – 8 Uhr) ca.180 Starter,darunter auch Prinz Abdul-Salam
Eine Spitzengruppe von etwa 15 Läufern setzte sich vom Feld sofort ab,eine weitere kleine 3er Gruppe ergriff ebenfalls die Flucht nach vorn. Rainer und ich schlossen zu dieser nach etwa 5 km auf..
Jetzt waren wir 5 -3 Deutsche,Rainer aus Brandenburg,Volker aus Duisburg und meine Wenigkeit,eine Belgierin, die den Frauenmarathon im vergangenen Jahr gewonnen hatte und eine Koreanerin.
Rainer und ich sorgten für ein flottes Tempo. Wir spulten die km mit teils 4:05 min ab. Rainer gab einige Warnsignale ab, weil wir zu schnell waren. Ich hielt dagegen,weil ich soviel km wie
möglich am Anfang schaffen wollte. Bei 8°C sind wir gestartet, nach 10 -12 km liefen wir bereits im straffen 20 °C Bereich. Bei km 24 zeigte das Thermometer bereits 30°C, gut 17 km lagen noch vor uns,die Schwierigsten. Bei km 18 musste die Koreanerin Federn lassen,den HM durchliefen wir mit einer Zeit von 1:33 h. Jetzt musste ich vom Tempo runter,die Oberschenkelmuskulatur versäuerte zusehends . Wenn ich ins Ziel kommen wollte, gab es nur eine Alternative, 2 Gänge runter!!! Nun war ich mit mir selbst unterwegs,der Abstand zur Gruppe wurde groß und größer.

Bei km 25 hatte es auch Volker aus Duisburg erwischt, ich bin an ihm vorbei, Mitleid führt nicht zum Ziel.
Allein in der Unendlichkeit war das dominierende Gefühl – einziger Halt, die km – Information. Endlich, 30 km liegen hinter uns – nur noch 12 km ! Zwei,drei Läufer von hinten kommend überholen mich,doch ich werde sie mir wieder greifen. Ein Marokkaner bäumt sich auf,will sich nicht geschlagen geben,ich gebe ihm keine Chance!

Wieder allein unterwegs, noch 8 km liegen vor mir,den“Steigflug habe ich schon begonnen,der Wind bläst entgegen, es ist sehr,sehr mühsam.

Die Kinder und Jugendlichen,etwa 6000 sind auf der Strecke,um den 10 km – Lauf zu absolvieren.

Von Laufen kann aber nicht die Rede sein,sie promenieren mit viel Spaß und Freude und verstopfen die Strecke! Ich brülle mir die Strecke frei, hin und wieder gebrauche ich auch die Ellbogen.
Ich weiß nicht mal mehr ob ich noch auf der richtigen Seite laufe, finde die km- Information nicht mehr,suche einen Ordner,verständige mich mit Händen und Füßen (denen ich eigentlich nichts weiteres zumuten kann). Ich bin tatsächlich auf der falschen Seite,der Ordner lotst mich wieder auf den „rechten Weg“. Endlich – 40 km liegen hinter mir, weiterhin das Gewusel der Kinder um mich herum.

Ganz weit vorn, ganz klein ist das Ziel zu sehen,das macht Mut und weckt die noch in mir steckenden Reserven. Ich werde schneller und laufe mit einer Zeit von 3:34:37 h ins Ziel.
Damit bin weit entfernt von meiner Planzeit,die aber wohl keinen realen Bezug zum wirklichen Leben hatte! Dennoch im Gesamteinlauf war ich wenigstens 20 min vor dem Prinzen im Ziel. Unsere Farben sind weit vorn ins Ziel getragen worden. Ich rechne mit einer Platzierung zwischen Rang 20 und 25.
Die arabischen Uhren ticken langsamer als unsere, selbst heute finden wir im Internet noch keine Ergebnisse. Alles in allem, ich habe mich selbst bezwungen und breche auf zu neuen Vorhaben und Zielen. München steht bereits am Horizont. Jordanien selbst ist ein modernes aufstrebendes Land,das Volk liebt sein Königspaar,nicht aber die Regierung. Die sozialen Strukturen bilden ähnliche Extreme ab, wie das Land in seiner Kargheit erscheint.

Ein Drittel der Bevölkerung ist sehr reich,es gibt eine winzige Mittelschicht ,die übergroße Mehrheit ist bitter arm, lebt in unbeschreiblich elenden Verhältnissen .Das macht betroffen und nachdenklich.
Wir können die Welt nicht verändern, aber wir sollten uns immer wieder neu bewusst machen,dass wir auf der Seite der Gewinner im Leben stehen und uns unser Anspruchsverhalten überdenken lassen. Auch hier gilt: Weniger ist manchmal viel, viel mehr!!! Euer Georg

Weitere Infos unter
www.laufclub-radis.de