Land stutzt Kulturetat für Halle auf Magdeburger Niveau

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© sr-gt Ulrich Katzer, Rolf Stiska, Axel Köhler, Matthias Brenner und Josep Caballé Domenech zeigten schon im Mai derm Kulturabbau die Rote Karte

Schon bei der Vorstellung des Spielplans für die Saison 2013/14 stellte Rolf Stiska, Chef der halleschen Bühnen, in Frage, ob bei Kürzungen im Kulturetat seitens des Landes Sachsen-Anhalt dieser überhaupt so realisiert werden könne. Seit gestern nun ist es Gewißheit, das Land will der Kultur-GmbH die Mittel um ca. 25% kürzen und bringt es damit auf das Niveau von Magdeburg. Der Hintergrundgrund, der Kulturetat des Landes Sachsen-Anhalt wird ab 2014 entgegen den Empfehlungen des einberufenen Kulturkonvents drastisch gekürzt.

Wir erinnern uns, als einst Magdeburg mit wenigen Stimmen Mehrheit den Sieg bei der Wahl zur Landeshauptstadt davon trug, wurde zugesichert, Halle bleibt Kulturhauptstadt. Schließlich verfügt die Stadt über lange gewachsene  Strukturen, die Oper mit dem  Ballett Rossa, die Sprechbühne neues theater, das Thalia-Jugendtheater und die Staatskapelle Halle. Schon im letzten Jahr musste das Thalia-Theater in der Kardinal-Albrecht-Straße geschlossen werden und die Schauspieler sind – weiterhin als eigene Sparte – mit ins nt gezogen. Intendantin Annegret Hahn ging und Matthias Brenner vom nt  und Christoph Werner vom Puppentheater übernahmen die Leitung. Bei der Spielplanvorstellung im Mai 2013 schloss Stiska nicht aus, dass bei weiteren Kürzungen eine Sparte geschlossen werden müsse oder die GmbH in Insolvenz gehe. OB Wiegand sieht das anders.

Andere Städte hat es noch härter getroffen, Eisleben bekommt überhaupt keine Mittel mehr vom Land und bei den Bühnen in Dessau fallen die Kürzungen noch drastischer aus, wie schon gesagt, nur Magdeburg bleibt verschont.  Wird die Landeshauptstadt nun die neue Kulturhauptstadt? Wie Stiska mehrfach betonte, sind die Zuschauerzahlen in Halle in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen, weit über die Region hinaus machte sich Halle mit seinem Kulturangebot einen Namen: das Puppentheater agiert weltweit,  die Oper schulterte u.a. das bühnenübergreifende Projekt des Niebelungenrings mit Ludwigshafen, ganz zu schweigen von der Bedeutung der Händelpflege, das Ballett unter Ralf Rossa wird bei seinen Aufführungen immer wieder bejubelt- gerade zu erleben bei der Ballett-Gala –  und das nt machte sich nicht nur mit Inszenierungen wie „Die Weber“ einen Namen. Das Thalia-Theater hat trotz der Einschränkungen durch Verlust des eigenen Hauses ein ansehnliches Programm in dieser Spielzeit geboten. Ganz zu schweigen von der Staatskapelle, die nicht nur den Aufführungen der Oper einen Glanzpunkt verleiht, sondern mit ihren Konzerten und der Pflege der händelschen Musik bedeutende Akzente setzt.

Es stellen sich Fragen, wird Halle auch weiterhin dieses Niveau halten können. Hat der Süden Sachsen-Anhalts bei der Landesregierung überhaupt keine Lobby mehr? Wo bleiben die Stimmen der Vertreter der Regierungsparteien CDU und SPD aus der Region um Halle?  Warum beruft die Landesregierung  ein Kulturkonvent, wenn die Empfehlungen – es wurde sogar empfohlen, den Kulturetat aufzustocken – ignoriert werden?

Man könnte nun sagen, warum die Aufregung, das ist doch nur für Kulturliebhaber von Interesse, aber das ist zu kurz gedacht. Erstens ist das Interesse der Hallenser an Kultur enorm und zweitens gehört Kultur zum Leben, sie bereichert und formt die Menschen. Erinnert sei nur an die Bedeutung bei der Erziehungarbeit, das Musical 13 z.B., das im vorigen Spielplan Premiere hatte, wurde von Jugendlichen gestaltet und brachte Menschen ins Theater, sie sonst nur selten diesen Ort aufsuchen. Schon dieses theaterpädagogische Vorhaben konnte übrigens auch durch die Unterstützung von Sponsoren realisiert werden. Bei der Inszenierung von Reccless hat so mancher junge Theaterbesucher vielleicht zum ersten Mal die Oper Halle kennengelernt. Mit den Musicalinszenierungen der Oper wird ein breites Publikum angesprochen. Die geplanten Einschnitte werden die halleschen Bühnen hart treffen. Können noch weiterhin  Schauspieler, Sänger, Musiker, und Tänzer dieses Niveaus zusammen mit den verantwortlichen Intendanten bezahlt werden?

Wie soll es jetzt weitergehen, gerade sind  Oberbürgermeister Wiegand und TOO-Chef Stiska völlig zerstritten wegen der Absage der Händelfestspiele und des Spielverbot wegen des Hochwassers, sie müssen jetzt aber nach Lösungen suchen. In so einer Konstellation  kann Halle nicht mit einer starken Stimme gegenüber der Landesregierung auftreten, das ist aber jetzt dringend erforderlich. Auch wir sind z.Z. ratlos und enttäuscht.

Gisela Tanner

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