Kunstmuseum Moritzburg: Dokumentation der spannenden Geschichte zur Rückkehr eines verlorenen Gemäldes Lyonel Feiningers

Wie spannend Kunstgeschichte sein kann, zeigt die aktuelle Kabinettausstellung in der Moritzburg zu einer Arbeit von Lyonel Feininger – An der Seine, 1912. Wer wusste bisher schon, welche aufwändigen Arbeiten erforderlich sind, um ein Gemälde zu analysieren und einzuordnen. Fast kriminaltechnisch muten die Methoden der materialanalytischen und strahlenanalytischen Untersuchungen an, die vom Kunstmuseum angewandt wurden. Und wer glaubt, ein Künstler setzt sich vor seine Leinwand und fängt zielgerichtet an, sein Werk zu vollenden, wird hier eines Besseren belehrt. Doch von Anfang an:

Moritzburg Halle - Rückkehr eines verlorenen Gemäldes

Lyonel Feininger wird vom Kunstmuseum Moritzburg sehr geschätzt, er ist, wie Museumsdirektor Bauer Friedrich betont, „Stammgast“ im Haus. Nun könne man ein Werk von ihm präsentieren, das jahrzehntelang verborgen war und jetzt nach intensiver Forschungsarbeit gezeigt wird.

Moritzburg Halle - Rückkehr eines verlorenen Gemäldes

Vor einigen Jahren erfuhren Wolfgang Büche – Kustos Gemälde und Grafik – und Dr. Albrecht Pohlmann – Leiter Zentrale Restaurierung, dass es in Dessau in einem Wohnzimmer ein Bild von Feininger geben solle. Beide schauten sich das Gemälde an, es habe seltsam ausgesehen und musste wohl starke Eingriffe über sich ergehen lassen, so Büche. Bisher sei das Werk in der Literatur nicht bekannt gewesen. Allerdings tauchte es bei Julia Feininger im Verzeichnis auf, wurde aber als verschollen gemeldet. Was mit dem Gemälde passierte, bevor es in dieses Wohnzimmer gelangte, dazu gibt es unterschiedliche Legenden.  Feininger habe das Bild wohl verworfen und wollte es vernichten lassen.

Moritzburg Halle - Rückkehr eines verlorenen Gemäldes

Das Werk sei genau im Jahr 2012 entstanden, in dem sich der Künstler zu „dem Feininger“ entwickelt habe, erläutert Büche weiter. Seine Hinwendung zum Prismaismus habe gerade begonnen.  Die Untersuchung habe ergeben, dass das Werk aus mehreren übereinander liegenden Schichten besteht. Röntgen und mikroskopische Untersuchungen lassen fünf  bis sechs  Schichten vermuten, so Restaurator Pohlmann. Er gab einen Einblick in die aufwändigen Untersuchungsmethoden.  Feininger habe wohl im Laufe der Zeit versucht, die Farbintensität zu reduzieren. Leider gibt es noch kein Verfahren, mit dem man so viele Schichten einzeln aufdecken kann. Aber wer weiß, Bauer Friedrich hofft, dass in der Zukunft  Techniken dafür entwickelt werden. Auch zeige die Kabinettausstellung, dass nicht jeder Schaffensprozess von Erfolg gekrönt sei.  Das Bild sei kein vollständiges Kunstwerk, wenn der Kunsthandel dies auch anders sehen mag. So fehle auch eine Signierung.

Moritzburg Halle - Rückkehr eines verlorenen Gemäldes

Wenn die Schau, die den Prozess der Wiederentdeckung dokumentiert, abgeschlossen ist, bleibt das Werk als Dauerleihgabe  im Kunstmuseum  Moritzburg. In der aktuellen Ausstellung sind auch Skizzen Feiningers aus seiner Zeit in Paris zu sehen.

Wer mehr über die spannende Geschichte des Gemäldes erfahren möchte, kann das in der Publikation zur Ausstellung erfahren.

Gisela Tanner

 

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