Kulturland Sachsen-Anhalt: Volksinitiative kämpft für Erhalt der Kulturlandschaft

Initiator Olaf Schöder undLogo der Initiative Kulturlan Sachsen-Anhalt
Initiator Olaf Schöder undLogo der Initiative Kulturlan Sachsen-Anhalt
Initiator Olaf Schöder und Logo der Initiative Kulturland Sachsen-Anhalt

Am Anfang war die Empörung vieler Sachsen-Anhaltiner groß. Man konnte es nicht fassen, so einschneidend waren die geplanten Sparmaßnahmen des Landes im Kulturbereich. Den Bühnen im Land sollen die Mittel gekürzt werden, nur die Landeshauptstadt Magdeburg bleibt nach Plänen der Landesregierung verschont. Die Initiative „5 vor 12“ wurde ins Leben gerufen, viele Bürger brachten Ihren Protest zum Ausdruck. Aber das reicht nicht, meinte Olaf Schöder, bekannter Sänger der Oper Halle, und gründete die Initiative Kulturland Sachsen-Anhalt. Der Protest muss weitergehen, Schöder holte sich prominente Unterstützer mit ins Boot, Hans Dietrich Genscher, Cornelia Pieper, Dieter Hallervorden, Axel Köhler, Rolf Stiska, Ulrich Katzer, Matthias Brenner, Henriette Hörnigk, Jörg Steinberg und André Bücker.

Über seine Motivation, die Erfolgschancen der Aktion und seine Wünsche zur Kulturlandschaft in Sachsen-Anhalt gab uns Olaf Schöder jetzt ein Interview:

Saalereporter (SR): Herr Schöder, die meisten kennen Sie als Sänger an der Oper Halle. Was hat Sie dazu bewogen, die Volksinitiative „Kulturland sachsen-anhalt“ zu starten?

Schöder: Das ungute Gefühl „5vor12“ schafft es nicht. Ich suchte nach einem politischen Hebel, der wirken und zum Ausdruck bringen kann, was 30.000 Bürgerinnen und Bürger für lebenserhaltend und wichtig in ihrem Land finden.

SR: Bevor Sie mit Ihrer Initiative an den Start gingen, gab es bereits die Aktion „5 vor 12“ der Bühnen Halle, was unterscheidet Ihre Initiative von dieser?

Schöder: 5 vor12 war eine wunderbare Seite im Internet, die Petitionen ermöglichte und auf moderne Art meinungsbildend wirkte. Aber nur wenige Politiker nehmen das ernst, und es gibt leider im aktuellen Landeswahlgesetz keine geregelten Unterschriftenaktionen per Mail oder Internetunterschriftsmöglichkeiten. Wir müssen also auf das Gesetz eingehen und handschriftlich die Unterschriften auf vorgeschriebenen Listen erstellen, in denen jedes Mal der Inhalt der Volksinitiative abgedruckt ist und die Namen der Unterstützer benannt sind.
Es ist leider so und dadurch sehr aufwendig. Darin lag aber eben auch eine Chance, mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen und ihre ermunternden Worte zum Weitermachen des Eintretens für unser Kulturland zu hören und zu spüren. Interessant waren meine persönlichen Gespräche mit Landkreis-und Stadtpolitikern während unserer „Kultur läuft-Aktion“ nach Magdeburg. Bürgermeister und Stadträte beklagten, dass sie vom Land im Stich gelassen wurden und das kulturelle Lebensniveau auf dem Land verödet. Ja, es waren traurige und zugleich ermunternde Begegnungen die mir Mut machten, unsere gemeinsame Stimme weiter zu erheben und in den Landtag zu tragen. So viele Menschen die in Liebe vom kulturvollen Leben reden und es weiter wünschen. Wer diese Stimmen der 30.000 Menschen überhört, hat bei den Wählerinnen und Wählern das Vertrauen missbraucht und wird wohl nicht wieder gewählt werden.

SR: Sie haben schon über 20.000 Unterschriften gesammelt, wie sind Sie mit der Resonanz der Initiative zufrieden und ab wann muss sich der Landtag damit beschäftigen?

Schöder: Heute (29.10. 2013 red.) haben wir schon 22.000 Unterschriften geschafft, hätten viel mehr gehabt, wenn die Ferienzeit nicht dazwischen gekommen wäre. Mich begeistert die Resonanz sehr, wie Kolleginnen und Kollegen in Dessau, Eisleben und Halle den Mut aufbringen darin eine Chance zu sehen und für etwas GUTES zu kämpfen. Und da passiert es plötzlich, das Menschen aus Praxen, der Uni, den Schulen, des öffentlichen Dienstes, der Gerichte, sogar des Finanzgerichtes in Dessau, aus Kindergärten, aus Krankenhäusern, aus kirchlichen Kreisen, aus Chören, der Polizei, und vermehrt aus politischen Parteien, voran die FDP in der außerparlamentarischen Opposition, der Linken und immer MEHR Abgeordnete der CDU und der SPD sich sympathisieren und für einen anderen Kurs werben, um dem sinnlosen Kahlschlag ein Ende zu setzen. Herr Genscher sagte in einem MZ-Gespräch: „Man kann Theater nicht wie eine Eisdiele mal schließen und wieder eröffnen“, was einmal weg ist wird NIE wieder kommen.

Sobald wir die 30.000 Unterschriften geschafft haben, geht der Antrag an den Landtagspräsidenten. Es wäre sinnvoll und wünschenswert, dass dies so schnell wie möglich passiert, damit wir zu der Debatte um den Haushalt 2014 einen Beitrag leisten können.

Also eine Aufforderung an alle Bürgerinnen und Bürger:
Laden Sie die PDF-Datei, unsere Unterschriftenliste, herunter und lassen Sie sie von Ihren Nachbarn und Freunden, Ihren Kolleginnen und Kollegen unterschreiben, und schicken Sie sie an die bekannte Adresse.

» Hier Unterschriftenbogen herunterladen!

SR: Wer sind Ihre Unterstützer und woher kommen die meisten Unterschriften?

Schöder: Ich habe jeden Brief selbst geöffnet und sehen können, dass alle Bevölkerungsschichten dabei sind. Von der Rentnerin, einer Familie, einer ganzen Mietergemeinschaft bis hin zum Professor, von Ärzten, Studenten, Wissenschaftlern, Muttis und einfachen Arbeitern, alle sind sie dabei.
Berührend auch viele kleine Zettel der Ermunterung, des Wunsches nach dem Wiedersehen in der Oper und sogar eine Geschichte, eine Fabel waren dabei.

SR: Was wünschen Sie sich selbst für die Kulturlandschaft in Sachsen-Anhalt und was möchten sie unseren Lesern dazu noch ans Herz legen?

Schöder: Mein Wunsch ist es, dass die Vielfalt unseres kulturellen Schatzes weiterentwickelt wird. Egal in welchen Bereichen. Unter Kultur ist so vieles vernetzt, die Schulen, die Universitäten, die Fachhochschulen, die Kunsthochschulen, Musikhochschulen, die Musikschulen, die Ballettschulen, die Bibliotheken, die Theater, Opernhäuser, freien Theater, die Chöre, die musikalische Arbeit in den Vereinen, der inneren Missionen, der Tafeln, das Musizieren in den Pflegeheimen, die Clowns in den Kliniken und die Hausmusik.
Das Beschäftigen mit Kunst fördert die Kreativität, das Selbstbewusstsein, die Teamfähigkeit, die Empathie und schafft somit ein soziales Bewusstsein für ein friedliches Miteinander.
Bricht dies alles weg, werden die Verwahranstalten überfüllt, die Psychiatrien voll, der Lebensmut sinkt, die Produktivität eines Volkes sinkt und Suizide nehmen zu. Und dies alles wird dem Land VIEL mehr Geld kosten als die Investition in Bildung und Kultur.
Der Kampf ums Überleben gewinnt Kraft auf der Straße, positive Werte verschwinden. Unsere Gesellschaft verarmt.

SR:  Herr Schöder, herzlichen Dank für das Interview!

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Website der Volksinitiative: www.KulturlandSachsenAnhalt.de