Kürzungspläne des Landes – Stadt und Theater ziehen an einem Strang

theater 11 13 1Wäre die Thematik nicht so brisant,  man hätte sich freuen können. Endlich präsentieren sich die Theaterleute und der Oberbürgermeister an einem Tisch und informieren über den Stand der  Verhandlungen zur Förderung der halleschen Theater und der Staatskapelle durch  das Land. Grund war eine kurzfristig einberufene Pressekonferenz. Gekommen waren OB Dr. Wiegand, TOO-Chef Stiska, die Intendanten Axel Köhler, Matthias Brenner, Christoph Werner und GMD Josep Caballé-Domenech.

Zuvor gab es schon im Hintergrund Abstimmungen zwischen Stadt und TOO (Theater-Oper- und Orchester-GmbH), um ein Strukturkonzept zu erarbeiten, das am 30. 9. fristgerecht an das Land überreicht wurde. Das Konzept ist Ergebnis einer Teamarbeit zwischen dem Geschäftsführer und den künstlerischen Leitern der  TOO  sowie  dem Finanzberater der Stadt, gesteuert vom OB.

Kullturdissens Land - Stadt HalleWie schon oft diskutiert, will das Land die Mittel für die halleschen Bühnen schon in der nächsten Theatersaison um 2,9 Mio. Euro kürzen, Betrag nicht verhandelbar.

Das Konzept der Stadt dazu in Kürze: Die Notwendigkeit einer Strukturanpassung wird akzeptiert, Beschlussfassung des Stadtrats zur Nicht-Akzeptanz der Kürzung des Landes, Land beteiligt sich an Strukturanpassungskosten und an zukünftigen Lohnanpassungskosten. Kompromissvorschlag  mittels Stufenlösung bis 2018, da teilweise bis zu diesem Termin die Haustarifverträge reichen. Empfohlene Summen: 2014 ohne Kürzung, 2015 1,5 Mio. Euro, 2016 1,9 Mio. Euro, 2017 2,3 Mio. Euro, 2019 2,9 Mio. Euro. Konsens besteht zwischen Stadt Halle und Land  bei Strukturanpassungskosten der Beteiligung an Personalkostensteigerung. Dissens besteht bei der stufenweisen Zuschusskürzung  bis 2018.

Soweit die Fakten, bedenklich ist aber das Gezerre um die Kultur für das Ansehen von Stadt und Bundesland und für die betroffenen Künstler und Mitarbeiter der TOO. Wie sollen sie unter diesen Bedingungen den Kopf frei haben für ihre Arbeit?  TOO- Chef Stiska und die Intendanten betonten, dass sie  das gemeinsame Vorgehen positiv bewerten, brachten aber auch die Auswirkungen der unsicheren Situation für die Kultur der Stadt zum Ausdruck. Opern-Intendant Köhler versucht, die finanzielle Problematik von seinen Künstlern und Mitarbeitern fernzuhalten, um sie nicht zu sehr zu belasten. Wenn man dem erarbeiteten Konzept folge, könne man es schaffen, aber irgendwann seien die Theater nicht mehr spielfähig. Wenn die Pläne von Magdeburg 1:1  umgesetzt werden, sei das eine massive Beschädigung der Stadt.    Puppentheater-Intendant Werner  freut sich, dass erstmals Stadt und Theater an einem Tisch sitzen und sich beide Seiten annähern. Auch nt-Intendant Brenner freut sich über das gemeinsame Podium, die Kürzungen seien aber ein großer Imageverlust auch für das Land, das könne er beim Treffen mit Kollegen aus anderen Bundesländern feststellen.

TOO-Chef Stiska betonte, dass mit den zu erwartenden Veränderungen der Kultur dem Publikum, der Stadt sowie Musikern, Schauspielern und dem technischen Personal schmerzliche Prozesse bevorstehen. Es werde alles kleiner, aber die Leistung müsse in gleicher Qualität erhalten bleiben. Er versuche e.V. auf Kündigungen zu verzichten und altersbedingtes Ausscheiden zu bevorzugen.

Wiegand betonte, dass das Stufen-Konzept dem Land seit 30.9. 2013 bekannt sei, es aber noch kein Signal seitens der Landesregierung gab. Er wolle die Landtagsabgeordneten von Halle in die Pflicht nehmen, über den geplanten Kulturabbau zu diskutieren. Von diesen sei bisher recht wenig zu hören. Noch sei man in Magdeburg mitten in den Haushaltsberatungen und die Beschlüsse seien noch nicht endgültig.