Kriegerin – eindringliches Stück über Fremdenhass im Schaufenster des nt Halle

v.l.n.r.: Edda Maria Wiersch, Bettina Schneider, Ali Aykar © Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, Foto: Anna Kolata

[Foto: Anna Kolata] Nicht nur Jugendliche saßen im Publikum, als das Stück „Kriegerin“ von  David Wnendt im Schaufenster des nt Premiere hatte. Matthias Brenner persönlich hatte sich als Regisseur dem Thema Fremdenfeindlichkeit angenommen und die Rollen mit Schauspielstudenten des Studios, aber auch mit gestandenen Akteuren besetzt. Für die Bühnenfassung sorgten  Ruth Messing und Sophie Scherer.

Das Stück bezieht sich auf den gleichnamigen Film von  David Wnendt, der bereits 2011 entstand. Dass diese Problematik heutzutage aktueller ist denn je und die dazu verbreiteten Ansichten zu Teilen sogar „salonfähig“ geworden sind, ahnte wohl zu dieser Zeit noch niemand. Es geht Wnendt einerseits um die Ursachen für die Entwicklung des Fremdenhasses, aber auch um die Wandlung dieser Ansichten durch persönliche Erfahrung.

Dank der intimen Atmosphäre des Schaufensters war das Publikum sehr nah  an der Handlung, Musikeinspieler verstärkten die emotionsgeladene Stimmung. Ein reduziertes, dem Raum angemessenes Bühnenbild (Bühne & Kostüme: Markus Neeser, Johannes Frei) sorgte für die  Konzentration auf das Wesentliche. Im Mittelpunkt stehen Marisa (Edda Maria Wiersch) und Svenja (Noëmi Krausz), die auf unterschiedliche Weise Demütigungen erfahren haben, die eine von der Mutter, die keine Liebe geben konnte und die andere, vom Stiefvater missachtet,  beide von außen betrachtet in einer intakten Familie lebend. Der trostlose Kleinstadt-Alltag unterstützt ihren Wunsch nach starken Bezugspersonen, Anerkennung in einer Gruppe und einfach nach Abwechslung, wie auch immer.

In der rechtsradikalen Szene finden sie Halt und lassen sich schnell dort integrieren, erst persönliche Erfahrungen sorgen für ein Überdenken ihres Verhaltens, allerdings in unterschiedliche Richtungen.  Die beiden männlichen Schauspielstudenten,  Tristan Steeg und Ali Aykar, spielen Neonazis und Flüchtlinge zugleich. Ihnen zur Seite stehen Bettina Schneider, u.a. Marisas Mutter, und  Frank Schilcher, u.a. als Marishas Opa. Sie geben den jungen Akteuren genug Raum und gleichzeitig einen Ankerpunkt.

Matthias Brenner hat das Stück so angelegt, dass es nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daher kommt, sondern zu Diskussionen anregt. Ein aufgewühltes Premierenpublikum belohnte die Akteure mit starkem Applaus.

 

Gisela Tanner

 

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