Klein, aber fein – „Heisenberg“ am neuen theater Halle

Hilmar Eichhorn (Alex Priest), Petra Ehlert (Georgie Burns) © Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, Foto: Anna Kolata

[Foto: Anna Kolata] Es sind nicht immer die lauten und schrillen Stücke, die das Publikum verzaubern. Oft bleiben gerade die leisen Töne in Erinnerung, besonders wenn die zwei Protagonisten – wie hier in Halle Petra Ehlert und Hilmar Eichhorn – schon unzählige Male ihr Können in den Ring geworfen haben.

Namensgeber für das Kammerstück des britischen Dramatikers Simon Stephans ist der deutsche Physiker und Nobelpreisträger Werner Karl Heisenberg. Von ihm hat der Autor das „Unschärfeprinzip“ übernommen, einfach gesagt, am Anfang ist das Ende nicht genau vorhersehbar. Wie auch, wenn zwei völlig unterschiedliche Charaktere aufeinandertreffen: Sie, Georgie Burns, die immer munter drauflos plappert und sehr kontaktfreudig ist trifft auf Alex Priest, einen eher verschlossenen Menschen, der sehr zurückgezogen lebt. Dass Georgie als Kellnerin arbeitet, kann man sich ja noch vorstellen, aber der feinsinnige Alex, der sich jedes Wort genau überlegt soll ein Metzger sein, nicht zu fassen! Auch sein Schönheitssinn ist ein besonderer, so kann er sich bei Tieren besonders an ihren Nähten erfreuen. Hätte Georgie Alex am Bahnhof nicht in den Nacken geküsst, wären die beiden wohl nie ins Gespräch gekommen.

Nun, der eine oder andere kennt das vielleicht aus dem Alltag, je mehr er schweigt, desto mehr kommt sie in Fahrt, um es dem Stücktitel entsprechend wissenschaftlich zu formulieren, beide verhalten sich umgekehrt proportional.  Jedenfalls kommt in solchen Situationen vom weiblichen Publikum wissendes Schmunzeln. Anders als erwartet, empfindet Alex die Art von Georgie nicht als aufdringlich. Nachdem sie ihm ihre Scheinwelt offenbart hat – bessere Wohngegend, besserer Job usw.  – öffnet auch er sich langsam.  Sein Metzgerladen läuft nicht so gut, die Discounter verderben ihm das Geschäft und außerdem lebt er viel in der Erinnerung an seine Familie. Oft redet er noch heute mit seiner verstorbenen Schwester. Ja, und auch Georgie hat ihr Päckchen zu tragen, würde sie sich mehr stille Momente gönnen und aus ihrer Fantasiewelt auftauchen, wäre der Schmerz über den Sohn, der in den Staaten lebt und keinen Kontakt mehr zu ihr hat, vielleicht unerträglich. Da gibt es wohl trotz der Unterschiede in Alter und Lebenskonzept mehr Gemeinsamkeiten als anfangs erwartet.

Den Dialogen der beiden zu folgen ist eine Freude. Dietmar Rahnefeld hat das eindringliche Stück feinsinnig inszeniert. In sparsamer Dekoration (Ausstattung Sabine Pommerening) laufen Petra Ehlert und Hilmar Eichhorn zur Höchstform auf. Heisenberg ist eine Screwball Komödie, Autor Simon Stephans hält den Spannungsbogen durch den Wechsel von typisch britischem Humor mit tragischen Momenten. Dem Publikum hat’s gefallen und es belohnte die Akteure am Premierenabend mit jubelndem Beifall.

Gisela Tanner

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