Kabale und Liebe – und am Ende wird gesungen und getanzt

v.l.: Marlene Tanczik, Nils Andre Brünnig © Foto: Anna Kolata

[© Foto: Anna Kolata] Na, das wären  doch nette Aussichten, wenn es zu Ende geht, das Leben, wird noch einmal getanzt und gesungen, so zu erleben im neuen theater Halle bei der Premiere von „Kabale und Liebe“. Klassische Volkslieder und rockige Songs interpretieren die musikbegabten Schauspieler, Übersetzungstexte flimmern  über das Bühnenbild.  Aber vorbei ist es trotzdem, am Schluss ist der Tod nicht abzuwenden, der Liebhaber bringt seine Geliebte und sich um. Das junge Paar mit seinen großen Gefühlen hat der Machtgier und Korruption im Umfeld nichts entgegenzusetzen.

Wer kennt sie nicht, die Geschichte um Luise Miller und Ferdinand von Walther, deren Liebe von den Eltern und intriganten Staatsdienern bekämpft wird. Der Vater von Ferdinand,  unterstützt  von den Beamten Wurm und Kalb, treibt ein böses Spiel. Luise wird gezwungen, der Liebe zu Ferdinand abzuschwören, damit ihre Mutter – wegen einer Intrige grundlos eingesperrt – wieder aus dem Kerker entlassen wird.  Das Ende ist bekannt.

Am neuen Theater Halle hat  jetzt Ronny Jakubaschk Schillers bekanntes Werk für das Thalia Theater  inszeniert. Annegret Riediger sorgte für Bühnenbild und Kostüme. Die Musik, so der Regisseur,  habe er als dramaturgisches Mittel hinzugefügt, um den unausgesprochenen Gefühlen im Stück Raum zu geben. Doch bevor es zum musikalischen Finale kommt, erleben die Zuschauer die Zuspitzung der Tragödie um die beiden Liebenden. Das Liebespaar Luise und Ferdinand hat Jakubaschk mit zwei Schauspielern besetzt, die erst seit dieser Spielzeit zum festen Ensemble des  Theaters gehören. Marlene Tanczik spielt sich mit ihrer Verzweiflung und Hingabe in die Herzen der Zuschauer und  Nils Andre Brünnig, der auch schon als Faust in dieser Spielzeit glänzte, überzeugt mit seinem ausdrucksstarken Spiel. Ihnen zur Seite stehen Petra Ehlert als Luises Mutter und Harald Höbinger als Ferdinands Vater mit beeindruckenden Leistungen. Nora Schulte, ebenfalls seit dieser Spielzeit fest im Ensemble des nt, gibt die Lady Milford, die Ferdinands Herz erobern soll und dabei mehr von nüchternem Kalkül als von Emotionen geleitet wird. Die Intrige ausgedacht hat sich „Wurm“, dargestellt von  Alexander Pensel, der übrigens auch beeindruckend am Klavier ist. Eine gewisse komödiantische Note bringt Hagen Ritschel als Kalb ins Spiel, schon wie er elegant  seine langen Strähnen um den Kopf wirft.

Auffallend an Jakubaschk Inszenierung ist, dass er bei seinen Figuren keine Schwarz-Weiß-Malerei betreibt. Alle Figuren sind in ihrem Handeln dem Zuschauer verständlich, auch wenn die Intrige verurteilt wird. Er sieht Parallelen des Stückes in Bezug auf Emanzipation und Freiheit bis in die heutige Zeit hinein. Den Zuschauern hat die Inszenierung, die wieder ein in sich geschlossenes Schauspielensemble zeigt, gefallen und sie dankten es am Premierenabend mit langanhaltendem begeistertem Beifall. Dass könnte ein Stück werden, das bei den  jungen Zuschauer Kultcharakter erhält.

Gisela Tanner