Janis Joplin lebt weiter – ein Abend über ihr Leben mit Musik und Emotionen

Fotos: Nora Bieker - Sibylle Kress

[Foto: Nora Bieker] Sie war eine Ikone in den 1960er Jahren, Janis Joplin mit ihrer unverwechselbaren Stimme. Wer erinnert sich nicht an Songs  wie „Mercedes Benz“ oder „Me and Bobby McGee“. Dem Rock war sie genauso zugetan wie dem Blues und ein Kind der Hippie- und Friedensbewegung. Welche Anziehungskraft noch heute von ihr ausgeht, fast 50 Jahre nach ihrem Tod durch Heroin,  zeigt „Peace Of My Heart“ – ein Abend über Janis Joplin am neuen theater Halle.

In Anlehnung an Rainer Lewandowski haben u.a. Konrad Haas, Sybille Kreß  und Elena Weber ein Programm über die Ausnahmekünstlerin konzipiert. Sybille Kreß dürfte dem halleschen Theaterpublikum hinreichend bekannt sein, denn sie gehört seit der Spielzeit 2016/17  zum Ensemble des neuen theaters Halle (u.a. „Ziemlich beste Freunde“, „Angst essen Seele auf“). Dass sie auch – zusammen mit Elena Weber – so eine Rockröhre sein kann,  wussten bisher sicher nur die wenigsten. Es war schon beeindruckend, was die Schauspielerinnen zusammen mit ihrem „Kollektiv 27“ da ablieferten.

Für dieses Jahr nicht verwunderlich, musste die Vorstellung – geplant im nt-Hoftheater – wetterbedingt mal wieder in den Saal verlegt werden, doch das tat der Atmosphäre keinen Abbruch. Auf der Bühne nur  Instrumente und ein Turm von „Klamotten“, passend zur Hippie-Zeit. Und was wäre ein Janis Joplin Abend ohne die passende Band?  Konrad Haas (Klavier, Arrangements), Jürgen Hofmann (Gitarre), Martin Vogel (Gitarre und Geige), Joachim Leyh (Schlagzeug), Michael Schmidt (Bass) sorgten schnell für das 60er Jahre Feeling.

Aber es wurde nicht nur gesungen, Sybille Kreß und Elena Weber schlüpften  in atemberaubender Geschwindigkeit in unterschiedlich bunte Hippiesachen, aber auch abwechselnd in die Rolle der Janis Joplin und anderer Familienmitglieder. Selbst Joan Baez tauchte kurzzeitig mit einem politischen Statement auf.

Dass beide Künstlerinnen  Janis Joplin darstellten, war ein geschickter Kunstgriff, betonte er doch die Vielschichtigkeit und Zerrissenheit ihrer Persönlichkeit. Die Gefühlswelt der Ausnahmeinterpretin taumelte zwischen Euphorie und Bedrücktheit, Begeisterung über die Erfolge und schwerem Liebeskummer. Janis Joplins Lebensweg war nicht gradlinig, früh entdeckte sie die Blues- und Folk-Musik für sich und wollte Sängerin werden,  sang mit verschiedenen Bands, erlebte Erfolge, aber auch Ablehnung. Wie so viele Künstler dieser Zeit verfiel sie dem Heroin, das ihr schließlich zum Verhängnis wurde und so starb sie 1970 viel zu früh. Dass sie auch heute in ihren Songs noch weiterlebt, dafür sorgen Künstlerinnen wie Sybille Kreß und Elena Weber mit ihrem „Kollektiv 27“. Das war ein Abend, der das Publikum begeisterte.

Dauer ca. 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause
Inszenierung: Nina Lorenz | Bühne & Kostüme: Denise Leisentritt | Licht: Stefan Burgis |
Ton: Thimo Brendel
Mit: Sybille Kreß und Elena Weber

Gisela Tanner