Inspiration des Fremden – Brücke-Ausstellung in der Moritzburg mit wichtiger Fußnote

Antilopenmaske, Mali

Diese Ausstellung wird als eine besondere in die Geschichte des Kunstmuseums Moritzburg in Halle eingehen, denn es wird die vorerst letzte umfängliche Präsentation mit Werken der Brücke-Maler und weiterer Sammlerstücke des Kunstsammlers Hermann Gerlingers sein. Doch dazu später mehr.

Moritzburg - Inspiration des FremdenKopfaufsatz Elfenbeinküste

Inspiration des Fremden – ein Thema, dessen Brisanz bei der Konzeption der Ausstellung noch nicht zu erahnen war, und doch scheint die Ausstellung in die heutige Zeit besonders gut zu passen. Sie ist ein Mittel gegen die zunehmende Skepsis gegenüber dem Fremden, indem sie zeigt, welche Bereicherung ein Blick in unbekannte Welten sein kann.  Nachdem in der vorangegangenen Ausstellung „Kraft des Aufbruchs“ – im Zusammenspiel mit der Schau „Magie des Augenblicks“ – die Gemälde der Brücke-Maler zu sehen waren, sind es nun Werke mit außereuropäischen Inspirationsquellen. Erstmals werden die Werke der Brücke-Gruppe in einen Kontext zu Sammlerstücken Gerlingers aus Afrika gestellt, in einer „Reise“ durch unterschiedliche Regionen dieses  Kontinents. Die Gegenüberstellung verdeutlicht besonders gut, wie die Gestaltung der Masken, Reliefs  und anderer mystischer Figuren das Schaffen der avantgardistischen deutschen Künstler beeinflusste: Ähnliche Gesichtszüge und Körperhaltungen der gezeichneten Modelle, vermeintliche Hocker tauchen in den Werken wieder auf.

Moritzburg - Inspiration des Fremden
Dazu muss man wissen, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Stücke aus Afrika zwar in Völkerkundemuseen ausgestellt wurden, man aber über ihre tiefere Bedeutung noch wenig wusste, man sei auch jetzt noch mitten in der Forschungsphase dazu, so Kurator Wolfgang Büche. Weit weg von europäischer Sicht seien die Sammelstücke aus dem fernen Kontinent gewesen, oft hergestellt von Handwerkern, Zauberern, Menschen ohne kunsthandwerkliche Kenntnisse. Diese Formensprache ist dank der Gegenüberstellung in der Schau besonders deutlich zu erkennen, die reduzierten Gesichtszüge sind ein Beispiel dafür. Einen interessanten Artikel zu der Beziehung zwischen Brücke-Künstlern und afrikanischer Kunst  gibt es von Wolfgang Büche im Almanach der Brücke 4, das zur Ausstellung erschienen ist. Er beschreibt darin, wie die Bronzen aus dem Westafrikanischen Königreich Benin, ausgestellt im Dresdner Völkerkundemuseum, die Künstler faszinierten und beeinflussten. Überhaupt ist eine Führung durch die Ausstellung mit Wolfgang Büche sehr zu empfehlen. Wissenswertes  zur Kunst aus Afrika wusste auch Professor Dr. Adam Jones, Professor für Geschichte und Kultur in Afrika  an der Universität Leipzig, zur Ausstellungseröffnung zu berichten.

Moritzburg - Inspiration des FremdenV.L.: Museumsdirektor Thomas Bauer-Friedrich, Generaldirektor Dome und Schlösser Christian Philipsen, Verwaltungsdirektor Claus Rokahr

Doch nun zur wichtigen „Fußnote“. Wer erstaunt war, warum diesmal gleich mehrere Vertreter der Stiftung Dome und Schlösser zum Pressegespräch erschienen waren, konnte es spätestens nach der Mitteilung verstehen, dass sich der Sammler Hermann Gerlinger und das Kunstmuseum Moritzburg trennen werden. Gerlinger  zieht die Werke seiner Sammlung bis April 2017 zurück. Diese Ausstellung wird die letzte mit Werken aus der Sammlung in der Moritzburg sein. Man habe sich einvernehmlich getrennt, so Generaldirektor der Stiftung Dome und Schlösser Sachsen Anhalt, Dr. Christian Philipsen. Die Auffassungen seien zu unterschiedlich gewesen, während Gerlinger den Ausstellungswechsel dreimal im Jahr präferierte, wollte Museumsdirektor Bauer Friedrich die Sammlerstücke mehr im Kontext mit anderen Werken und langfristiger ausstellen. Außerdem gebe es ungeklärte Fragen über den Verbleib einer Zeichnung von Karl Schmidt-Rottluff, die jetzt an anderer Stelle geklärt wird. Wie Gerlinger mit seiner Sammlung nach der Trennung von der Moritzburg verfährt, ist noch nicht bekannt. Bleibt zu hoffen, dass er abseits des Trubels der Vernissage – auf der Bauer-Friedrich Grüße von ihm ausrichtete – Gelegenheit findet, diese besondere Ausstellung anzuschauen.

Gisela Tanner

Moritzburg - Inspiration des Fremden