Ins Offene. Fotokunst im Osten Deutschlands seit 1990 – bemerkenswerte Fotoausstellung in der Moritzburg

Werke von Hans-Christian Schink

Bereits im Jahr 2013/14 gab es in der Berlinischen Galerie in Berlin eine Ausstellung über zeitgenössische Fotografie in der DDR von 1949 bis 1990. Es sei Zeit, sich zu fragen, wie sich dieses Genre seit 1990 weiterentwickelt hat, meint Thomas Bauer-Friedrich. Nach fast drei Jahrzehnten der Wiedervereinigung sucht nun im Kunstmuseum Moritzburg nach vierjähriger Vorbereitungszeit die Ausstellung „Ins Offene“. Fotokunst im Osten Deutschlands seit 1990″ nach Antworten, nach „Kontinuität und Neuanfängen“ der künstlerischen Fotografie im Osten Deutschlands. Kuratiert wird sie von T.O. Immisch, Gabriele Muschter und Uwe Warnke.

Das große Publikumsinteresse zur Ausstellungseröffnung zeigte bereits die Aktualität der Ausstellungsthematik. Sehr unterschiedliche Positionen von 21 Künstlerinnen und Künstlern, realisiert in verschiedenen Techniken,  werden in der Westbox des Museums gezeigt. Erfreulicherweise werden in einem Prolog in der Galerie vor der Box ältere Arbeiten einiger teilnehmender Künstler aus früheren Jahren gezeigt. Dabei handelt es sich um Werke aus Eigenen Beständen des Kunstmuseums.

Die Ausstellungsidee entstand bereits vor der aktuell wieder häufig gestellten Frage nach der ostdeutschen Identität, fügt sich jedoch passend in diesen Diskurs ein.  Zu sehen sind Werke der älteren, aber auch der jüngeren Generation künstlerischer Fotografen aus ganz Deutschland. Die Verbindung gegenseitiger Positionen der Kuratoren führte zu dem nun sichtbaren Ergebnis, das sich in drei Bereiche gliedert: Fotografie als Medium, Fotografie und Gesellschaft, Fotografie der Dinge und Träume. Bemerkenswert sind etwa die Werke von Inga Kraus – „Von den Kindern weiß man nichts“  – eindringliche Kinderporträts – oder von dem Stadtfotografen Karl-Ludwig Lange aus Westberlin, der in Friedrichshagen am Müggelsee in einer Straße Haus für Haus fotografiert  (1990) und das nach 13 Jahren wiederholt hat.

Sehenswert auch die Körperfotogramme von Floris M. Neusüss (erstmals von ihm in Farbe fotografiert) oder die Rotlichtaufnahmen von Laura Bilau. Spannende Ergebnisse erzielte Hans-Christian Schink mit seinen Fotos in der nördlichen und südlichen Hemisphere (Titelfoto) in einer besonderen Fototechnik und Michael Wesely beeindruckt mit Langzeitaufnahmen vom Abriss des Palastes der Republik in Berlin und vom Aufbau des Potsdamer Platzes.

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus 400 Werken, die in der Ausstellung zu sehen sind und alle für eine besondere künstlerische Darstellungsform stehen.

Eine besondere Fotoschau, die es zu besuchen lohnt, nicht nur für Liebhaber der Fotokunst.

Die Sonderausstellung ist noch bis zum  16. September 2018 geöffnet. Sie  ist f/stop Satellit des 8. Festivals für Fotografie in Leipzig (23.06. bis 01.07.2018), einem der wichtigsten Fotografie-Festivals in Deutschland. BesucherInnen mit f/stop-Ticket können die Sonder- und Dauerausstellung zum ermäßigten Eintrittspreis besuchen.
Gisela Tanner
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