Inferno und Le Sacre du Printemps – Ballett Rossa begeistert in Halle mit Doppelinszenierung

Le sacre du printemps - Ensemble Ballett Rossa © Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, Foto: Anna Kolata

[Foto: Anna Kolata] Tosender langanhaltender Beifall und Bravo-Rufe – im Opernhaus Halle gab es am vergangenen Freitag  etwas zu feiern. Den Grund lieferte die Ballett-Compagnie Ralf Rossa mit einem grandiosen Ballett-Abend, gleich mit zwei Inszenierungen. Nicht nur Ralf Rossa und die Tänzer trugen zum Erfolg bei, unbedingt zu erwähnen ist auch Michal Sedláček, der  den ersten Teil inszenierte, und der hatte es in sich. Unter dem Titel „ Inferno“ hatte der spanische Komponist Enric Palomar extra die Musik für diesen Abend  komponiert, ein Auftragswerk also.

Hocherfreut sei er über die Zusammenarbeit mit Ralf Rossa und Michal Sedláček, ist im Programmheft zu lesen und das „Inferno“ aus Dantes Göttlicher Komödie habe es ihm besonders angetan. Ausgewählt habe er für seine Musik die „Höllenreise“ aus Dantes Werk. Diese habe er in drei Kreise zusammengefasst, das Hier und Jetzt, das Nahende und das noch Unbekannte. Palmer lobt die Staatskapelle Halle als großartigen Partner für seine Musik, und die spielt die aufkeimenden Emotionen unter der Leitung von Michael   Wendeberg  dann auch bis an die Schmerzgrenze.  Ein Klang, der den Raum erfüllt und dem man nicht entweichen kann. Jedem sei empfohlen,  den Programmtext von Enric Palomar vor der Aufführung zu lesen. Das steigert das Musikverständnis erheblich.

Doch was wäre die Musik ohne die tänzerische Umsetzung. Hier zeigt sich die Ballettcompagnie unter Anleitung von Michal Sedláček hochprofessionell, allen voran die Solisten Johan Plaitano und Pietro Chiappara.  Unterstützt durch Kostüme (Cordula Erlenkötter) und Beleuchtung (Matthias Hönig) ergibt sich ein nachhaltiges Gesamterlebnis, das alle Sinne anspricht. Ein wunderbares Debüt hat Cedlacek da abgeliefert, und so gab es dann auch schon nach diesem Teil des Abends begeisterten Applaus.

Den zweiten Teil inszenierte dann Ballett-Chef Rossa höchst persönlich: Le Sacre du Printemps, ein Stück über das Erwachen der Natur und die Geburt des Frühlings mit Musik von Igor Strawinsky. Rossa verbindet seine Inszenierung mit dem Moment, in dem die Menschen beginnen, ihren Körper und ihre Bedürfnisse nach Berührung zu entdecken. Als Solisten sind diesmal Yuliya Gerbyna, Ayana Kamemoto, Enno Kleinehanding und Dalier Burchanow dabei. Kommen die Tänzer zunächst in braven, an Schuluniformen erinnernden Kostümen daher, fallen bald die  Hüllen und die Akteure auf der Bühne erscheinen in reinem Weiß. Aufbrechende Emotionen und intensive Bewegungen machen die Darstellung der Tänzer zu einem besonderen Erlebnis, die eindringliche Musik – wieder unter der Leitung von Michael  Wendeberg – und dazu  die hochmotivierte Tanzcompagnie lassen den Zuschauern kaum Zeit zum Atmen, ein beeindruckendes Meisterwerk aus Tanz und Musik ist da entstanden, das ist kreatives modernes Tanztheater.

Was für ein Glück, dass wir dieses Ballettensemble an der halleschen Oper haben!

 

Gisela Tanner