Immer weniger junge Arbeitnehmer in Sachsen-Anhalt

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„Da eine spürbare Zuwanderung nach Sachsen-Anhalt bisher ausgeblieben ist, werden junge Fachkräfte zum kostbaren Gut. Darauf müssen sich die Unternehmen im Lande noch besser einstellen“, sagte der Chef der BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, Kay Senius.

Genau 74.175 Männer und Frauen unter 25 Jahren waren im September 2012 sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das sind 8.580 weniger als im Vorjahresmonat – ein Rückgang von 10,4 Prozent. „Die Beschäftigten in Sachsen-Anhalt altern. Abwanderungen, einbrechende Geburtenraten und sinkende Schulabgängerzahlen führten dazu, dass immer weniger junge Menschen ins Arbeitsleben eintreten“, erklärt Senius die Entwicklung. Nach Mecklenburg-Vorpommern ging in Sachsen-Anhalt die Zahl der jüngeren Beschäftigten im vergangenen Jahr deutschlandweit am stärksten zurück. Bundesweit betrug der Rückgang nur 2,7 Prozent. Langfristig gesehen ist die Entwicklung in Sachsen-Anhalt sogar noch deutlicher. Von Juni 1993 bis Juni 2012 ging die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um fast die Hälfte zurück [47%]. Deutschlandweit sank die Zahl in dem Zeitraum um 27,5 Prozent.

Senius weiter: „Wir können keine jungen Nachwuchskräfte backen. Deshalb müssen die Unternehmen bereits bei der Suche nach Auszubildenden neue Strategien entwickeln. So müssen sich die Betriebe jetzt bei den jungen Menschen bewerben. Vor allem durch das Angebot von langfristigen Perspektiven im Unternehmen.“ Er verwies in diesem Zusammenhang auf die Übernahmequote für Auszubildende in Sachsen-Anhalt. Sie liege laut einer Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung aus dem Jahr 2011 nur bei 51 Prozent. Im Gegensatz dazu würden in Sachsen 67 Prozent der Auszubildenden übernommen. Außerdem müssten sich die Unternehmen bei der Erstausbildung auch für Ältere öffnen. „Es gibt in Sachsen-Anhalt über 11.000 Arbeitslose zwischen 25 und 35 Jahren, die keine abgeschlossene Berufsausbildung haben. Oft sind sie auf dem übervollen Ausbildungsmarkt der letzten Jahre nicht zum Zuge gekommen. Sie haben aber noch 30 Berufsjahre vor sich. Das ist ein Potential, was bisher zu wenig genutzt wurde“, so Senius weiter.

Wie die Beschäftigten altert auch der Arbeitslosenbestand im Land. Betrachtet man die Zeit zwischen 1991 und 2012 so ging die durchschnittliche Zahl der jungen Arbeitslosen in dem Zeitraum um 62 Prozent zurück. Die Arbeitslosenquote für junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren lag mit 10,0 Prozent aber weiter über dem Bundeschnitt. Problematisch sei auch die Tatsache, dass jeder siebte junge Arbeitslose keinen Hauptschulabschluss – und mehr als jeder Dritte keine abgeschlossene Berufsausbildung habe, sagte Kay Senius. „Schul- und Ausbildungsabbrecher verschärfen das Fachkräfteproblem.“ Er forderte junge Menschen ohne Schulabschluss dazu auf, schnellstens ihren Abschluss nachzuholen. Dafür gebe es auch Fördermöglichkeiten der BA.

Quelle und Foto: BA regional