IHK mahnt – halleschen Innenstadt stärken

ihkWie die IHK informiert, sind die Verkaufsflächen in der Stadt Halle (Saale)  im Zeitraum 2003 bis 2012 um knapp fünf Prozent angestiegen. Gleichzeitig ist die Zahl der Einwohner um circa 2,7 Prozent zurückgegangen. Durch die gegenläufige Entwicklung von Einwohnerzahl und Verkaufsflächen ist die Verkaufsflächenausstattung je Einwohner in Halle (Saale) in den vergangenen drei Jahren nochmals angestiegen. Sie liegt über dem bundesdeutschen Durchschnitt und steht damit im starken Kontrast zum ebenfalls deutlich unterhalb des Bundesdurchschnitts liegenden Kaufkraftniveau. So lauten die wichtigsten Ergebnisse des gerade erschienenen „Handelsatlas 2012/2013“ der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK) für die Stadt Halle (Saale).

Laut Handelsatlas haben sich auch in Halle (Saale) die Branchen und Betriebstypen des Einzelhandels zwischen 2009 und 2012 sehr unterschiedlich entwickelt. Während die Sortimentsgruppen Hausrat/Einrichtung/Möbel (+ 14,5 %) und Blumen/Pflanzen/zoologischer Bedarf (+ 11,9 %) in der Verkaufsfläche im größeren Umfang expandierten, waren beachtliche Verkaufsflächenabschmelzungen im Bereich Papierwaren/Bücher/Spielwaren (- 25,6 %) und Gesundheit/Körperpflege (- 23,5 %) zu verzeichnen. Triebfeder bei den Rückgängen war der zunehmende Internethandel bzw. die Insolvenz der Firma Schlecker.

Besonders erfolgreich expandierten im IHK-Bezirk und in Halle (Saale) die Supermärkte. Sie weiteten ihr Verkaufsflächenangebot von 17.850 auf 23.300 Quadratmeter aus. Lebensmitteldiscounter, eine der dynamischsten Betriebsformen im bundesdeutschen Kontext, konnten ihre Verkaufsfläche zwischen 2009 und 2012 nur noch um 1,5 Prozent ausweiten. Rückgänge gab es bei der für die Attraktivität von Innenstädten besonders wichtigen Vertriebsform Kaufhäuser/Textilkaufhäuser (- 2,2 %). Das größte Sorgenkind allerdings ist weiterhin der Fachhandel. Er hatte in Halle (Saale) in den Jahren von 2009 bis 2012 einen Verkaufsflächenrückgang von vier Prozent zu verkraften. Bereits seit dem Jahr 2003 hat der unternehmergeführte Handel deutlich abgenommen.

Erfreulich und weitaus dynamischer als im gesamten IHK-Bezirk, dem Süden Sachsen-Anhalts, entwickelte sich die räumliche Verteilung der Verkaufsflächen: So haben zentrale Versorgungslagen um 6,4 Prozent bei der Verkaufsfläche zugelegt, während dezentrale Standortlagen um 4,9 Prozent abgenommen haben.

Der Anstieg bei den Leerständen liegt in Halle (Saale) mit circa 14 Prozent zwar deutlich unter dem Durchschnitt im IHK-Bezirk (Anstieg um 28 Prozentpunkte), sei aber angesichts des damit einhergehenden Mietpreisverfalls und drohender Qualitätseinbußen an den Handelsstandorten besorgniserregend.

„Es besteht dringender Handlungsbedarf bei der Stärkung der halleschen Innenstadt und deren zentralen Versorgungsbereiche. Gemeinsame Anstrengungen von Kommunen und Handel sind notwendig: Landesplanerische Festlegungen müssen konsequent angewendet und das längst überfällige neue Einzelhandels- und Zentrenkonzept für die Stadt Halle endlich verabschiedet und dann auch umgesetzt werden“, betont IHK-Vizepräsident Klaus-Peter Reinicke, selbst Einzelhändler in Halle. Es bedürfe auch dringender Investitionen in eine altersgerechte Infrastruktur und die Umstellung auf geeignete Service-Konzepte seitens der Handelsunternehmen.

Die IHK mahnt darüber hinaus eine bessere Erreichbarkeit der Innenstadt und ihrer Parkräume, einen ausgewogenen Branchen- und Funktionenmix, Ordnung, Sauberkeit und Sicherheit für Innenstadt und Stadtteilzentren sowie ein gutes Stadtmarketing an. „Die Unternehmerschaft selbst sollte sich bemühen, die Geschäfte in einer Straße, einem Stadtteil oder in der ganzen Stadt zu einheitlichen Zeiten zu öffnen, sich noch stärker in City-, Straßen- oder Werbegemeinschaften zu engagieren und zu kooperieren“, empfiehlt IHK-Geschäftsführerin Antje Bauer. „Mit den Projekten ‚Kaufrausch‘, ‚Einkaufs-App‘ und ‚Parkvergütungssystem‘ ist hier bereits ein hoffnungsvoller Start gelungen – nun gilt es am Ball zu bleiben.“

Der mittlerweile fünfte IHK-Handelsatlas dokumentiert Verkaufsflächen für alle zentralen Orte und Sondergebiete im Süden Sachsen-Anhalts und enthält regionalwirtschaftliche und handelsrelevante Daten zu Bevölkerungsentwicklung und Kaufkraftvolumen. Einzelhändler können damit ihr unmittelbares Marktumfeld bewerten und notwendige Entscheidungen zum eigenen Standort und zum eigenen Sortimentsangebot ableiten. Kommunen soll er helfen, das vorhandene Verkaufsflächenangebot zu bewerten, regionale Einzelhandelskonzeptionen zu entwickeln und neue Ansiedlungsbegehren objektiv zu bewerten. Der IHK-Handelsatlas ist als CD erschienen und kann gegen eine Schutzgebühr von 25,00 Euro (für IHK-Mitgliedsunternehmen kostenfrei) bei der IHK unter der Telefonnummer 0345 2126267 bestellt werden.

Quelle: IHK