Historisches Lindenblütenfest der Franckeschen Stiftungen am kommenden Wochenende

Foto G.Tanner -Franckesche Stiftungen zur Museumsnacht

Das Lindenblütenfest am 17. und 18. Juni 2017  soll  die Franckeschen Stiftungen in eine spätmittelalterliche Stadt verwandeln, in der Luthers 95 Thesen ganz neue Welten eröffnen. Über 80 Mitmachstände für die ganze Familie betreuen Handwerker aus nah und fern, die wertvolle Traditionen der Vergessenheit entreißen, Künstlerinnen und Künstler aus Halle, die alte Künste zu neuem Leben erwecken, das Kinderkunstforum, Studierende der Erziehungswissenschaften, und viele weitere Partner, die zum Staunen, Spielen und Entdecken einladen. Rund um den Historischen Lindenhof werden in fünf Themenbereichen Angst und Jubel, Himmel und Hölle, Sinnesfreuden und Seelennöte zwischen Mittelalter, Früher Neuzeit und Gegenwart auf engstem Raum vereint sein. Kein Fest ohne Musik: Auf der Bühne spielen am Sonnabend und Sonntag Sänger Teufel mit einer kleinen Besetzung der bekannten TANZWUT im Wechsel mit SAVICA, die sich mit Liedern aus vergangenen Zeiten einen Namen gemacht haben. Und natürlich ist dank den Meistern der Improvisationskunst MAX GAUDIO auch August Hermann Francke dabei, in diesem Jahr im angeregten Gespräch mit dem preußischen Adligen Carl Hildebrand von Canstein, der mit seinem Kapital die Gründung der ersten Bibelanstalt der Welt am Halleschen Waisenhaus (1710) möglich gemacht hatte.

 

Das späte Mittelalter – Zeit des Aufbruchs

Töpfer, Bienenkorbflechter, Schmied und Steinmetz geben gleich am Eingang auf das Festgelände ihr Wissen über das Handwerk weiter. Der Markt ist im Alltag des Mittelalters ein großes Ereignis. Händler bieten Räucherwaren und böhmisches Glas an, Tiere werden ausgestellt und wechseln die Besitzer, Schausteller, Jungbrunnen und eine Alchemistenwerkstatt ziehen Groß und Klein in den Bann. Drei Experimente werden preisgegeben und mit der Hilfe der Festbesucher durchgeführt, dazu zählt natürlich die Arbeit mit Gold und für den Alltag die Herstellung von Zahnpulver aus Naturstoffen. Kinder können die Gunst der Stunde für eine handbetriebene Kettenkarussellfahrt nutzen.

 

Angst und Schrecken

Die finstere Seite des Mittelalters war bevölkert von Teufeln und Dämonen, die sich auch auf unserem Fest unter das Volk mischen. Für Kinder gibt es hier Mutproben zu bestehen, etwa wenn der Teufel mit den drei goldenen Haaren in seine Höhle einlädt. Um genug Mut zu schöpfen, kann die Angst mit Knallteufeln gebannt werden. Es werden Dämonen nach dem Vorbild von Notre Dame in Paris als Popup-Bilder gestaltet und der heute überlieferte Aberglauben am eigenen magischen Denken getestet: Wer traut sich, unter einer Leiter hindurchzugehen?

Sinnesfreuden

Luther hat bekanntlich gerne gegessen und getrunken, wenngleich heute oft andere Köstlichkeiten auf den Tischen stehen. An einer zünftig gedeckten Luthertafel werden die Gäste bedient: es gibt u.a. gegrillte Wachteln und natürlich auch Bier und Wein aus der Region. Aber auch das Wissen um Ernährungsgepflogenheiten der Lutherzeit und altes Kräuterwissen werden hier vermittelt. So war Getreide eines der Hauptnahrungsmittel mit heute zum Teil in Vergessenheit geratenen Getreidesorten. In einem Quiz wird das Getreide bestimmt und natürlich anschließend der eigene Getreidebrei zubereitet und verkostet.

Der schmale und der breite Weg (Himmel und Hölle)

Sich für einen Lebensweg zu entscheiden – den leichten oder schweren, den richtigen oder falschen, den breiten oder schmalen Weg – ist schon immer ein Thema gewesen. Auf einer prächtig und witzig gestalteten Kugelbahn führt die Laufbahn entweder in den Himmel oder das Fegefeuer. Augenzwinkernd kann man sich – je nach Endpunkt der Kugel – einen Ablassbrief an Tetzels Ablassbude besorgen oder aber Himmlische Heerscharen (Engelsfiguren) aus Holz, Filz und unterschiedlichen Textilien gestalten. Dem Himmel so nah wie möglich wurden im Mittelalter auch die Kirchen und Kathedralen gebaut. Ihre Kirchenfenster, bebildert mit Geschichten und Figuren aus der Bibel oder auch konstruktiv beeindruckenden Rosetten streben zum Himmel. Die verschlungenen Konstruktionen können auf dem Fest nachgezirkelt oder in Scherenschnitttechnik als Fensterbild gestaltet werden.

Du bist frei

Die Reformation war eine Medienrevolution. Eine große Druckerwerkstatt bietet Schreibimpulse, inspiriert von Luthers Wortgewalt und seinen bilderreichen Zitaten, den Druck mit Lettern und Satz, Illustrationen in Linol- und Holzschnitt, bis hin zum Bucheinband. Das wichtigste Medium zur Verbreitung von Luthers Ideen waren Flugschriften. Auf dem Fest können Groß und Klein ihre eigenen Visionen für unsere Welt als Flugschrift gestalten und dann gemeinsam den Ausstellungsparcours „Du ist frei“ im Historischen Waisenhaus testen.

 

Quelle: Franckesche Stiftungen