Heiter, erotisch, klassisch und modern – ein Ballett-Feuerwerk an der halleschen Oper

© Gert Kiermeyer - Daphnis und Chloe mit Ludivine Revazov-Dutriez (Chloe)
© Gert Kiermeyer - Daphnis und Chloe mit Ludivine Revazov-Dutriez (Chloe)
© Gert Kiermeyer – Daphnis und Chloe mit Ludivine Revazov-Dutriez (Chloe)

Was braucht man, um ein Ballett-Abend voller Emotionen zu erleben: eine hochmotivierte Ballett-Compagnie, ein fachkundiges und begeisterungsfähiges Publikum und ein stimmiges Bühnenbild zusammen mit einem hochambitionierten Choreographen und Ballettdirektor. Da stimmte einfach alles zur Premiere der Ballett-Gala an der halleschen Oper.

Dreizehn Jahre besteht das Ballett Rossa jetzt an der Oper und brachte 34 Balette auf die Bühne, immer geprägt vom Halleschen Ballettdirektor Ralf Rossa, der es versteht, das Publikum zu begeistern. Seine Choreographien sind emotional, machmal auch überraschend und immer von seiner eigenen Sichtweise geprägt. Klassisches erhält oft einen neuen Tuch, etwa wenn sich die 4 jungen Schwäne bei „Schwanensee“ nicht wie gewohnt im Gleichklang bewegen.

In Ausschnitten aus dreizehn Balletten zeigte  das Ballett Rossa, womit es in den letzten Jahren seine Zuschauer berührte. Der Abend brachte das Publikum zum Schmunzeln, zum Staunen, zum Innehalten und zum Genießen. In atemberaubender Aufeinanderfolge wechselten die Szenen. Da gab es Werke der Klassik wie Dornröschen und Schwanensee, aber auch der Moderne.

Zum Auftakt gleich ein Hingucker, Carmina Burana „Oh Fortuna“, noch hinter durchsichtigem Vorhang, wunderschön die Choreographie mit allen Tänzern, zum Schmunzeln und mit einem Hauch Erotik das Herrenballett mit „Tanz“, beeindruckend Dalier Burchanow im Solo „Ego sum abbas“.

“Und heimlich schauernd sehn ich mich hinüber….“ war als Uraufführung 2001 zu erleben, Markéta Šlapotová und Michal Sedláček zeigten an diesem Abend  einen eindrucksvolen Pas de deux, der mit einer Videoprojektion korrespondierte. Das gesamte Ensemble ließ mit Les Tambours du Bronxs“ den Atem stocken.

Auch Ausschnitte aus „Dornröschen“ und „Daphne und Chloe“ waren zu sehen, letzteres in wogenden Wellen. Klassisches gab es mit „Schwanensee“ und „Romeo und Julia“. Ein Sommernachtstraum und „Sacre“ waren genauso im Programm wie „Die vier Jahrezeiten“, das Rossa in der Gesamtfassung dem Beginn und Abschied der Tänzer widmete. In NIJINSKY – STAR DES RUSSISCHEN BALLETTS begeisterten Dalier Burchanow (Vaslaw Nijinsky) und Michal Sedláček (Serge Diaghilew) zu Parsival –(Musik Wagner).

Verspielter waren Tanz, Kostüme und Bühne bei „Amadeus“ mit Ludivine Revazov-Dutriez (Constanze) und Zdenko Galaba (Amadeus). Auch Ausschnitte aus Peter Pan (Uraufführung 2008) waren zu sehen. Zum Finale gab es „Schlafes Bruder“ (Uraufführung 2004), zunächst zeigte das Herrenensemble einen temperamentvollen Tanz und dann lief das gesamte Ensemble wie entfesselt mit wilden Frisuren zur Höchstform auf in Goran Bregovics Kalasnjikov.

Das begeisterte Publikum dankte mit jubelndem lang anhaltendem Applaus und Standing Ovations,auch unerfahrene Ballett-Besucher  haben wohl nach diesem Abend Geschmack auf „mehr“ bekommen. Eine beeindruckende Leistung des Teams um Ralf Rossa – Einstudierung: Michal Sedláček – Bühne: Matthias Hönig – Dramaturgie: Susanne Holfter. Die schnelle Aufeinanderfolge der Stücke war auch für Bühne und Kostüm eine logistische Meisterleistung. Die Tänzer haben im Laufe der Jahre gewechselt, aber das Ensemble hat nichts von seinem Glanz verloren.

Gisela Tanner  www.tannertext.de

Foto: Daphnis und Chloe mit Ludivine Revazov-Dutriez (Chloe)© Gert Kiermeyer